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Achtung – wenn Sie im Büro nicht weinen wollen: nicht angucken!

In ihrer aktuellen Kampagne "Neue Nähe" bringt die Aktion Mensch Kinder und Menschen mit Behinderung zusammen, die über "interessante Ersatzteile" verfügen. Es wird gestaunt, geguckt und getestet. Und schließlich gespielt.

Ein Mädchen testet die Fernsteuerung für eine künstliche Hand und zeigt den Mittelfinger

Auch künstliche Hände können frech sein ...

Erwachsene tun sich häufig schwer, wenn sie Menschen mit Behinderungen begegnen. Sie senken den Blick, tun so, als wäre gar nichts und vermeiden unbedingt, über das Offensichtliche zu sprechen. "Guck da nicht so hin", haben sie als häufig gehört – und das ist hängengeblieben. Früher galten für den Umgang mit Betroffenen noch Anstandsregel, die auf Scham und Mitleid basierten, heute sind solcherlei Sonderbehandlungen überholt. Schließlich sind sich die Menschen ihrer Behinderung bewusst: Manche sehen anders aus als der Durchschnitt, brauchen ein künstliches Bein oder eine Ersatzhand, sitzen im Rollstuhl oder können nicht sprechen. All das ist kein Grund, nicht hinzuschauen, denn Behinderungen sind nicht (mehr) peinlich. Im Gegenteil, häufig sind sie sogar besonders interessant.

Diese Tatsache nutzt die Aktion Mensch in ihrem neuesten Video für die Kampagne "Neue Nähe". Dort treffen Kinder auf Menschen mit und schauen nicht weg, sondern ganz genau hin. Sie entdecken die Technischen Hilfmittel, die dafür sorgen, das körperliche Defizit auszugleichen und ein einfacheres Leben zu führen: Tabletts mit Apps, die sprechen können (sogar Schimpfworte!), Fernbedienungen, die mit dem Mund zu steuern sind und etwa das Playstation-Spielen ermöglichen, Hände, die je nach Verwendungszweck ausgetauscht werden können. 

Die Neugier der Kinder und ihr ehrliches Interesse an den Menschen, die ihnen vorgestellt werden, rührt den Zuschauer zutiefst. So einfach kann es sein, miteinander zu kommunizieren. Zu fragen. Hinzuschauen. Und dann, wenn alles, was vorher neu und ungewohnt war, geklärt ist, miteinander zu spielen, zu tanzen, zu lachen oder zu kuscheln.

Dass sich die Erwachsenengeneration das Selbstverständnis von Kindern erst wieder erarbeiten muss, ist schon eine verrückte Tatsache. Wie gut, dass wir sie als Vorbilder haben, jetzt müssen wir's nur noch nachmachen.

Mit ihren Filmen zur Integration und Inklusion leistet die Aktion Mensch als größte private Förderorganisation regelmäßig wertvolle Beiträge, um Ängste und Vorurteile abzubauen. Seit 2000 arbeitet sie unter diesem Namen, bis dahin hieß sie noch Aktion Sorgenkind. Die Umbenennung trägt ebenfalls dem Perspektivwechsel Rechnung: Menschen mit Behinderung werden nicht länger als bemitleidenswerte Hilfsempfänger betrachtet, sondern als selbstbewusste und aktive Mitmenschen. 

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