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Ein Eugen kommt selten allein

In einem Fotoprojekt stellt der Berliner Eugen Litwinow 13 andere Eugens vor. Denn der Name Eugen steht symbolhaft für eine Generation junger Männer mit russischen Wurzeln, die hier Zuhause sind.

"Ohne den Wechsel auf Eugen wäre ich vermutlich nie auf diese Projektidee gekommen", so Eugen Litwinow über die Inspiration zum geplanten Buch "Mein Name ist Eugen".

"Ohne den Wechsel auf Eugen wäre ich vermutlich nie auf diese Projektidee gekommen", so Eugen Litwinow über die Inspiration zum geplanten Buch "Mein Name ist Eugen".

Ein Name - viele ähnliche Geschichten: Der Berliner Fotograf Eugen Litwinow (26) hat 13 andere Eugens portraitiert - weil sie mehr gemeinsam haben als nur ihren Namen. Die jungen Männer hießen früher alle Evgenij oder Jewgenij. Sie sind die Kinder russischer Spätaussiedler, die Anfang der 1990er nach Deutschland kamen und die Namen ihrer Söhne änderten - damit sie sich besser an ihre neue Heimat anpassen.

"In Gesprächen mit Bekannten habe ich oft gehört, dass die ältere Generation den Vorteil darin sah, nicht direkt anhand des Namens aufzufallen. Wichtig ist nur, dass man (...) bei aller Integration nicht die Identifikation vergisst", sagt Eugen Litwinow.

Litwinow zog 1993 mit seinen Eltern aus Kasachstan nach - und aus Evgenij wurde Eugen, auch innerlich: "Mein Vater hat mir erzählt, dass mein Charakter sich durch die Namensänderung verändert hätte. Diese Aussage stellt zwangsläufig die Frage nach der Identität. Erst durch mein Fotografiestudium fand ich die Ausdrucksmöglichkeit mich diesem Thema zu nähern und es zu hinterfragen."

Das tat er, und zwar ausgiebig. Eugen Litwinow kennt inzwischen mehr Eugens als jeder andere: "In meiner Familie sind wir zu dritt, in jeder Generation gibt es einen Eugen. Kennengelernt habe ich im Laufe des Projekts jedoch weitaus mehr. Als ich Interviewpartner gesuchte, habe ich um die 200 Jugendliche und junge zwischen 19 und 29 Jahren angeschrieben. Mit der Hälfte von ihnen stand ich zumindest kurzzeitig in Kontakt; 13 von ihnen habe ich begleiten dürfen."

Damit aus seinem "Mein Name ist Eugen" wirklich ein Buch werden kann, hat sich der Berliner für Crowdfunding entschieden. Rund 6800 von den erforderlichen 9400 Euro hat er zusammen. Ob's klappt, entscheidet sich am 1. Dezember. Aber Eugen Litwinow ist optimistisch: "Ehrlich gesagt würde ich nicht daran glauben, hätte ich mir die Mühe gespart."

jbw

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