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Manchmal müssen Frauen einfach mitspielen

Oft gehen Frauen in Meetings die Spielchen von Männern auf die Nerven. Warum wiederholt der das jetzt noch mal?, fragen sie sich etwa. Sabine Asgodom ist Autorin und Coach - und kann es erklären.

Von Sabine Asgodom

Mitklatschen? Klar, wenn es das Wir-Gefühl fördert.

Mitklatschen? Klar, wenn es das Wir-Gefühl fördert.

Um zu erklären, wie Frauen die drei häufigsten Business-Rituale nutzen können, um selbst erfolgreich zu sein, hat Sabine Asgodom das Verhalten von Männern analysiert, das bei vielen Frauen zunächst für eine hochgezogene Augenbraue sorgt - weil es sie nervt. Erkennen sie jedoch, was dahinter steckt, wirken die männlichen Rituale plötzlich nachvollziehbar. Und der ein oder anderen karrierebewussten Frau macht es vielleicht sogar Spaß, dabei mitzuspielen. Asgodom verrät, worauf Sie achten müssen.

1. Das seltsame Konferenz-Gehabe

Die Situation: Die männlichen Kollegen machen mal wieder "Schaulaufen". "Wie Herr Maier schon gesagt hat", "Auch ich möchte noch einmal wiederholen" - Die anwesenden Frauen verdrehen die Augen, klopfen verzweifelt auf ihre Uhr: Schneller Leute, der Schreibtisch ist voll, die Arbeit wartet!

Was steckt dahinter?

Das ist eine altbewährte Übung unter Männern. Sie hat Geschichte, denn sie kommt aus einem der ältesten Männerbünde überhaupt, dem : Wenn ein Offizier seinem Soldaten einen Auftrag gegeben hat, dann hatte er diese Aufgabe zackig zu wiederholen - "Jawoll, Herr Oberstleutnant, rechts um, Abmarsch." Dies war ein Zeichen des absoluten Gehorsams.

Warum tun das?

Heute nennen wir das Loyalität. Wenn auch der Dritte wiederholt, was der "Ranghöhere" gesagt hat, dann signalisiert auch er damit: "Ich stehe auf Ihrer Seite, Sie können mit mir rechnen." Oder salopp ausgedrückt "Wir haben verstanden". Was passiert, wenn eine Frau dieses Spiel nicht mitspielt? Es wird an ihrer Loyalität gezweifelt.

Wie können Frauen das nutzen?

Wenn dieses Ritual den Zusammenhalt stärkt, ein Wir-Gefühl fördert und die Arbeit erleichtert, können Frauen sich da mühelos einklinken. Vielleicht macht es ihnen mehr Spaß, die zweite als die fünfte zu sein. Also, rechtzeitig das Wort ergreifen, Verständnis signalisieren, die Loyalitätsbrücke schlagen. Wenn's der Sache dient.

2. Statussymbol-Schacher

Die Situation: Jemand ist befördert worden. Das erste, was Kollegen fragen: Was für einen Dienstwagen suchst du dir aus? Frauen ist das meistens sowas von egal. Genauso wie das Angebot, nach der Beförderung in ein größeres Büro zu ziehen.

Was steckt dahinter:

Natürlich wieder das Militär (egal ob bei ecuadorianischen Indianern oder dem Schweizer Nationalheer). Je höher der Rang, umso mehr Federn, Streifen oder Sterne. Statussymbole drücken also auf einen Blick die Rangordnung aus.

Warum tun Männer das:

Was im Militär die Epauletten, beim Flugkapitän die Streifen auf dem Ärmel, sind im Unternehmen die neuen Statussymbole: Ein Büro mit drei Fenstern ist ranghöher als eins mit zwei Fenstern. Das Ziel ambitionierter Kleinfürsten: das große Eckbüro. Der Dienstwagen ist ein klassisches Statussymbol, deswegen gibt's klare Vorschriften, wer welche Hubraumklasse bekommt und welche Farbe die Limousine haben darf. Damit ist auf einen Blick klar, wer in der Firma welchen Rangplatz einnimmt. Und deshalb hat man schon Männer weinen sehen, denen man die Senatorcard abgenommen hat.

Wie können Frauen das nutzen:

Sie sollten zuallererst wissen: U-Bahn-Fahren kann den Status senken. Das Durchgangsbüro auch. Und dann können Frauen für sich entscheiden: Spiele ich mit, dann her mit dem Mittelklassewagen. (Übrigens: Auch Äbtissinnen tragen ein kostbareres Kreuz als ihre einfachen Mitschwestern.) Oder sie signalisieren bewusst die Zeitenwende: "Liebe Kollegen, wir müssen alle den Gürtel enger schnallen, deshalb habe ich mich entschlossen, mein neues Büro mit Möbeln aus dem Depot zu bestücken. Bitte achten Sie ebenfalls verstärkt auf unsere Kosten."

3. Autoquartett für Große

Die Situation: In der Lufthansa Lounge: Zwei Männer in feinem Tuch, beide um die 40, begrüßen sich. Jetzt beginnt der Balztanz der Vertriebshähne: "4300 Mitarbeiter" - " 275 Millionen Jahresumsatz" - "Haus am Starnberger See" - "Loft in Hamburg" - "Sohn auf Segelschiff" - "Tochter im Outback Australiens" ...

Was steckt dahinter:

Man fühlt sich an die Zeit als Fahrschülerin erinnert. In der hintersten Reihe saßen immer Klaus und Michi aus der 5. Klasse und haben Autoquartett gespielt, das klang genauso: 495 PS, 29 Liter Verbrauch, Spitze 240. Genau das ist es - Autoquartett für Große. Wer hat den längeren? Den größeren? Den schnelleren Wagen? In diesem Lounge-Gespräch haben die beiden blitzschnell abgecheckt: Wer ist der Ranghöhere von uns beiden? Studien zeigen, dass schon dreijährige Jungen wissen, wer der "Bestimmer" in der Marienkäfer-Gruppe ist.

Warum tun Männer das:

Weil sie's können. Weil sie sich schon als kleine Buben gemessen haben, wer mehr Regenwürmer schlucken kann oder weiter pinkeln. Weil das ihr Ansehen in der Gruppe bestimmt hat. Spannend ist, dass die meisten Männer die so ausgependelte Rangfolge akzeptieren. Das ist hierarchiefördernd und rebellionsvermindernd.

Wie können Frauen das nutzen:

Frauen können sich angewöhnen, bei Präsentationen "Namedropping" zu pflegen und ihre Expertise rauszuhängen zu lassen. Ab und zu von ihren Erfolgen zu erzählen und beeindruckende Zahlen zu nennen.

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