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Kommentar

Feminismus muss sein - auch wenn's nervt

Ungleiche Bezahlung, kaum Aufstiegsmöglichkeiten: Passend zum Weltfrauentag belegen verschiedene Studien einmal mehr die fehlende Gleichberechtigung in der Arbeitswelt. Doch das Problem beginnt schon lange vor dem Einstieg ins Berufsleben: im Kinderzimmer.

Weltfrauentag

Nur mal schnell die Welt retten? Warum nicht. Hauptsache sie hat sich vorher noch um die Wäsche gekümmert.

Wir feiern heute den Weltfrauentag. Einen Tag, an dem früher im Osten der Republik Rosen verteilt wurden und der sich heute für die Gleichberechtigung der Frauen einsetzt. Man liest nun wieder viel über ungleiche Löhne und darüber, dass Frauen noch nie so gut ausgebildet waren, die Chefetagen trotzdem mehrheitlich von Männern besetzt werden. Diese Meldungen zeigen - der Tag ist weiterhin dringend nötig, auch wenn's nervt.

Sheryl Sandberg, Facebook-Chefin und damit eine große Ausnahme, verhalf vor zwei Wochen einem Werbeclip für Waschmittel zu viel Aufmerksamkeit. In dem Clip beobachtet ein Vater seine erwachsene Tochter und ihren Alltag. Er sieht zu, wie sie sich um ihren Job bemüht, ihren Mann und ihren Sohn versorgt und sich gleichzeitig um den Haushalt kümmert. Wie sie durch ihr Leben hetzt und versucht, alle Erwartungen zu erfüllen. Ihm wird klar, dass er eine Mitschuld daran trägt, dass seine Tochter heute alles allein erledigt. Er bereut, dass er sie nie gestoppt hat, wenn sie als kleines Mädchen Familie gespielt hat und ihr schon damals erklärt hat, dass das Zusammenleben zwischen Mann und Frau nicht so aussehen muss. Und was er wohl am meisten bereut - dass auch er seiner Tochter genau die von ihr verinnerlichten Geschlechterrollen vorgelebt hat.

This is one of the most powerful videos I have ever seen – showing how stereotypes hurt all of us and are passed from...

Posted by Sheryl Sandberg on Mittwoch, 24. Februar 2016

Sheryl Sandberg bezeichnet den Clip als einen der stärksten, den sie je gesehen hat, denn "er zeigt, wie Stereotype uns alle beeinträchtigen und wie sie von Generation zu Generation weitergegeben werden. Wenn kleine Mädchen und Jungen spielen, imitieren sie das Verhalten ihrer Eltern. Und das beeinträchtigt nicht nur ihre Spiele in der Kindheit, es formt auch ihre späteren Träume."

Sind wir nicht längst durch mit dem Zeug?

Äußert man sich zu irgendeinem Thema rund um Geschlechterrollen - sei es die Frauenquote, Überraschungseier nur für Mädchen oder sexistische Werbung - wird gerne genervt mit den Augen gerollt. Stellt euch doch nicht so an, wir sind doch längst durch mit dem ganzen Gleichberechtigungszeug. Frauen dürfen wählen, arbeiten, sich ihre Kleidung und den Ehemann selbst aussuchen, wo ist denn bitte das Problem? Nun, das Problem liegt in diesen fiesen, fest zementierten Geschlechterbildern, die auch der Waschmittel-Clip zeigt. Die man gar nicht mehr bemerkt und die trotzdem so viel Einfluss haben.

Stellen wir uns ein Kindergartenkind vor, das ein anderes Kind schubst, weil es ihm seine Schaufel wegnehmen will. Ist das Kind ein Junge, wird er für seine Durchsetzungsfähigkeit gelobt, ist es ein Mädchen, wird sie gebeten, lieb und nicht so zickig zu sein. Jungs tragen blaue T-Shirts, stehen auf Bagger und Traktoren, zanken sich gerne und dürfen auch mal laut sein. Mädchen hingegen lieben die Farbe Pink, Hundebabys und alles, was glitzert. Sie verkleiden sich als Prinzessin und bürsten ihren Puppen stundenlang die Haare.

Es sind diese Kleinigkeiten, die uns prägen. Die aus durchsetzungsstarken Frauen später "blöde Zicken" machen und aus mitfühlenden Männern Weicheier. Aber dürfen Mädchen deswegen keine rosa Kleidung mehr tragen oder sich als Prinzessin verkleiden? Doch, natürlich dürfen sie das. Nur, sie können auch blau tragen. Oder schwarz. Sie dürfen sich die Fingernägel lackieren. Oder mit Autos spielen. Sie dürfen Prinzessin sein und Pirat und Astronaut. Denn nur dann werden sie verstehen, dass sie alles sein können. Arzthelferin und Automechanikerin. Chefin und Mutter. Frau und Mensch.

 

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