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Wenn Frauen sich wie Männer kleiden, können sie keine Kinder mehr bekommen

Weil sich ihre Studentinnen wie Männer kleiden, würden immer mehr von ihnen unfruchtbar, denkt eine Universitäts-Chefin aus Indien. Deswegen will sie typisch weibliche Kleidung zum Gesetz machen. Doch die Rechnung hat sie ohne die indischen Frauen gemacht. 

Indische Studenten

Eine Professorin will ihren Studenten vorschreiben, wie sie sich kleiden sollen

In steht die Frau in vielen Gesellschaftsklassen ganz klar unter dem Mann. Sie ist aufgrund ihres Geschlechts weniger wert, muss sich viel zu oft Unterdrückung und Gewalt gefallen lassen. Die Massenvergewaltigungen der vergangenen Jahre sorgten weltweit für Entsetzen, führten aber auch zu einem ersten langsamen Umdenken. Doch wie langsam sich der Umgang mit Frauen verändert, beweist nun die Direktorin der staatlichen Technischen Universität in Mumbai. 

Swati Deshpande hat neben der Einrichtung von getrennten Essensbereichen für und Frauen, wodurch angeblich weibliche Studenten vor sexueller Belästigung geschützt werden sollen, durch ihre Aussagen über geschlechtsspezifische Kleidung für Aufsehen gesorgt. Bisher tragen männliche wie weibliche Studenten schwarze Hosen und weiße Oberteile. Das soll sich nun ändern, Deshpande will die Studentinnen zukünftig in "Salwar Kamiz", ein traditionelles Gewand, stecken. Ihre Begründung: Diese Kleidung passe viel besser zu der körperlichen Veranlagung und bewahre die Frauen außerdem vor Krankheiten.

Falsch und befremdlich

"Ich habe Theorien darüber gehört, warum Frauen bereits in jungen Jahren am polyzystischen Syndrom erkranken", sagte Deshpande der "India Times". Das polyzystische Ovar-Syndrom ist eine weit verbreitete Stoffwechselerkrankung und der häufigste Grund für weibliche Unfruchtbarkeit. "Wenn sie sich wie Männer kleiden, fangen sie auch an, sich wie Männer zu benehmen und wie sie zu denken. In ihren Köpfen haben sich alle Geschlechterrollen aufgelöst. Dadurch nimmt der natürliche Drang sich fortzupflanzen schon früh immer weiter ab und sie erkranken an so etwas wie dem polyzystischen Syndrom." 

Experten widersprechen dieser Darlegung deutlich. Eine Stoffwechselerkrankung wie das polyzystische Syndrom entsteht durch hormonelles Ungleichgewicht und nicht durch das Tragen bestimmter Kleidung. Doch die falsche Aussage ist nicht das alleinige Problem. Deshpandes These vermittelt auch, dass die wichtigste Bestimmung einer Frau, der sich alle anderen Bereiche unterordnen müssen, die Fortpflanzung ist. Das sorgt nicht nur bei ihren Studentinnen für Kritik. Auf Twitter verbreitete sich in den vergangenen Tagen der Protest-Hashtag "Dress like an indian woman" ("Kleide dich wie eine indische Frau"), der eindrücklich zeigt, dass indische Frauen nicht vorhaben, sich vorschreiben zu lassen, was sie zu tragen haben. 

vim

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