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Erstes Transgender-Model auf der "Men's Health"

Benjamin Melzer hat es als erstes männliches Transgender-Model auf die Titelseite der Fitnesszeitschrift "Men's Health" geschafft. Sein Weg zum anerkannten Model war schwierig, doch inzwischen wird er als Vorbild gefeiert.

Benjamin Melzer macht Liegestütze und zeigt dabei seine durchtrainierten Arme

Seinen muskulösen Körper verdankt Benjamin Melzer hartem Trainíng. Der Lohn: Er kommt als erstes Transgender-Model auf das Cover der "Men's Health".

Auf dem Titel des Fitness- und Lifestyle-Magazins "Men's Health" zeigen jeden Monat junge Männer ihre durchtrainierten Körper. Daran ändert sich auch in der April-Ausgabe nichts. Ben allerdings, eines der fünf abgebildeten Models auf dem Abocover, der Ausgabe für Abonnenten, ist ein Transgender-Mann. Der 29-Jährige aus Oer-Erkenschwick am Rande des Ruhrgebiets hieß früher Yvonne, hatte blonde Haare und einen Frauenkörper. Fühlte sich aber wie ein Mann.

Heute, nach elf Operationen, zahlreichen Hormonspritzen und einem strikten Fitnessprogramm kann Ben ein perfekt trainierten Männerkörper vorweisen: breite Schultern, muskulöse Arme und Beine und Waschbrettbauch. Spätestens nach der Geschlechtsangleichung vor sechs Jahren sind die letzten Spuren von Yvonne vollends verschwunden. Auch die Geburtsurkunde wurde gegen eine neue ersetzt. 

Aufnahmen aus der Kindheit Benjamin Melzers zeigen ihn vor seinen Hormonbehandlungen

Als Kind und als Teenie: Benjamin Melzer hieß damals noch Yvonne, doch wie ein Mädchen hat er sich nicht gefühlt

Der Anfang war hart

Für Ben und seine Eltern war das ein schwieriger Schritt. "Mein Vater wollte sein kleines Mädchen nicht verlieren", erinnert er sich, "wobei ich eigentlich nie ein normales kleines Mädchen war." Auch für die damalige Yvonne war es zum Beispiel völlig üblich, mit Jungs Sport zu treiben und mit Mädchen auszugehen.

Wieso er "anders" ist, konnte er sich erst erklären, nachdem er einen Beitrag über Transgender im Fernsehen gesehen hatte, der Klarheit in sein Identitätschaos brachte. "Du kannst nicht mehr, du willst nicht mehr, dir ist egal, was die Leute sagen, du machst das jetzt – ob deine Eltern dich unterstützten oder nicht", sagte er sich. "Und jedem Typ, der über dich lacht, spannst du später die Freundin aus." 


In der 20-jährigen Geschichte von "Men's Health" in Deutschland ist er der erste Transmann, der für die Titelseite posiert – zusammen mit den vier anderen Erstplatzierten beim "Covercontest" der Zeitschrift. "Beim Shooting war Ben so außergewöhnlich locker und souverän vor der Kamera wie kein anderer", lobt Markus Stenglein. Für den "Men's Health"-Chefredakteur stand spätestens nach dem Kennenlernen fest: "Ben sieht aus wie ein Mann, er fühlt sich wie ein Mann, er ist ein Mann."

Melzer ist froh, "den Anstoß in Richtung Transmänner" zu geben. Scherzend sagt er, dass er sich als eine Art "Martin Luther King für Transgender" sieht. Als Aktivist will Ben Vorurteile abbauen und in den sozialen Medien Rede und Antwort stehen. Das sei seine Mission. 

Anderen Mut machen

"Die Transgendergemeinde braucht Menschen wie Ben", findet auch Stenglein, "er wird Hunderte motivieren und ihnen zeigen, dass es gesellschaftlich vollkommen in Ordnung ist, diesen Weg zu gehen."

Schätzungen gehen von einem Transgender auf 1000 Geburten bis 100.000 Geburten aus. Nicole Faerber, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität, vermutet, dass es weitaus mehr Menschen gibt, die sich in ihrem bei Geburt zugewiesenen Geschlecht nicht wohl fühlen. Nicht alle entschieden sich wie Ben für das ein oder andere Geschlecht, manche bezeichneten sich als "Weder-noch-Menschen". 

Vorbild sein

"Die Idee, dass es jenseits von "männlich" und "weiblich" etwas geben könnte, ist gesellschaftlich noch nicht akzeptiert", bedauert Faerber. Deswegen sei das Anpassen des Äußeren für viele Transgender besonders erstrebenswert.

Anerkennung für seinen Mut und seine Willensstärke bekommt Ben von vielen Seiten, nicht nur von der eigenen Freundin und den Eltern, sondern auch in den sozialen Netzwerken. 

Auf Instagram folgen ihm bereits Zehntausende – manche teilen die gleiche Erfahrung. "Ich bin stolz auf dich! Du bist meine Inspiration. Ich hoffe, dass ich eines Tages wie du sein werde", schreibt ein Nutzer.

Als Leiterin einer Beratungsstelle für Transmenschen sieht Faerber darin allerdings auch eine Gefahr: Bens Rollenwechsel sei extrem und sehr gut gelungen. Deshalb warnt sie: "Das ist ein Ideal, das nicht jeder erreichen kann."


bal/Tabea Grossek, DPA
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