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Helfer sollen besser geschult werden

Bundesweit leben derzeit rund 60.000 Flüchtlingskinder in Heimen und ähnlichen Einrichtungen. Sowohl für sie als auch für ihre Betreuer ist das Neuland. Denn Arbeit mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen stand bislang auf kaum einem Lehrplan.

  Der Erzieher Alexander Hübner zusammen mit dem 14-jährigen unbegleiteten Flüchtlingsjungen Samuel aus Eritrea bei dessen Deutsch-Hausaufgaben

Der Erzieher Alexander Hübner zusammen mit dem 14-jährigen unbegleiteten Flüchtlingsjungen Samuel aus Eritrea bei dessen Deutsch-Hausaufgaben

Alexander Hübner betreut junge Flüchtlinge, die ohne ihre Eltern oder Verwandte in Deutschland angekommen sind. Bis zu zwölf Kinder sind in seiner Gruppe. "Eigentlich sollten die minderjährigen Jugendlichen genauso behandelt werden wie die deutschen Heimkinder. Doch da gibt es noch Diskrepanzen", sagt er. Die meisten müssten sich ein Zimmer teilen. Manchmal sogar Sechser-Zimmer. "Zur Ruhe kommen sie da schwer." Auch bei der Auswahl der Wohnräume wird oft zunächst pragmatisch gehandelt. So werden Schulräume zu Schlafzimmern und Aufenthaltsräume zu Küchen. "Es ist vieles suboptimal", betont Hübner.

Da sollte seiner Meinung nach zumindest fachlich alles Hand und Fuß haben. Auch deshalb hat er sich für eine Weiterbildung an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt angemeldet, die sich ganz konkret an Betreuer von unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlingen richtet. "Ich erhoffe mir davon mehr theoretische Basis für die Praxis, damit wir ein Stück mehr Professionalität haben", sagt der 31-Jährige, der Erzieher und Krankenpfleger gelernt hat.

Genau diese Zielgruppe will die Hochschule für angewandte Wissenschaften mit dem nach ihren Angaben bundesweit ersten Lehrgang dieser Art erreichen: Menschen aus der Praxis, die ihr Wissen für den Umgang mit den geflüchteten Jugendlichen ausbauen wollen. Unter den 30 Teilnehmern sind Pädagogen, Erzieher, Lehrer und Sozialarbeiter. Der halbjährige Weiterbildungskurs "Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge" ist berufsbegleitend.

Fachkräfte verzweifelt gesucht

Die Weiterbildung soll helfen, den immensen Bedarf an Fachkräften zu decken. "Wir brauchen unbedingt Expertise und Fachkräfte, um den Ansturm von jungen Flüchtlingen bewältigen zu können", sagte der Vizepräsident der Hochschule, Ralf Roßkopf. Zuletzt waren allein in Bayern rund 10.000 unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge registriert. Deutschlandweit sind es etwa 60.000 Kinder und Jugendliche. 

"Die haben ganz andere Bedürfnisse als Erwachsene, und darauf muss man Rücksicht nehmen", sagt Roßkopf. Seiner Meinung nach besteht derzeit ein Bedarf von rund 3000 Fachkräften in Bayern, "aber der Markt ist schlichtweg leer gefegt". Deshalb gebe es auch viele Quereinsteiger. Und vor allem an die richte sich der Lehrgang.

Andere Hochschulen wollen nachziehen

Entsprechende Bachelor- und Master-Studiengänge hat die Hochschule ebenfalls konzipiert, das Master-Angebot startet im Sommersemester 2016. Davon können auch die Lehrgangs-Teilnehmer profitieren, denn sie dürfen nach einem Semester Module aus dem Masterstudiengang "Internationale Sozialarbeit mit Flüchtlingen und Migranten"
übernehmen und so einen akademisch anerkannten Zertifizierungslehrgang daraus machen.

Die Hochschule geht mit dem neuen Angebot einen Weg, den auch viele andere Unis und Hochschulen in Deutschland bereits vor Augen haben. Den Wohlfahrtsverbänden Caritas und Diakonie zufolge sind in vielen Bundesländern ähnliche Studiengänge oder Weiterbildungen geplant.

Berufsbegleitende Weiterbildungen, praktische Angebote, Praxistrainings in den Einrichtungen seien dringend nötig, sagt Professor Ralf Evers von der evangelischen Hochschule Dresden, der sich mit Religion und Sozialpädagogik beschäftigt. "Das Beste, was wir im Moment tun können, ist eine Vernetzung der Qualifikationsangebote für anerkannte Fachkräfte in der Flüchtlingsarbeit." 

Christiane Gläser/DPA
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