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Unterricht auf dem Golfplatz

PISA II deckte bei Brandenburgs Schülern eine Schreib- und Rechenschwäche auf. Aber wer braucht das schon bei Schulfächern wie Golf, Reiten und Angeln?

Schweißperlen rinnen Steven Hahn über das Gesicht. Aufgeregt schaut er immer wieder von einem kleinen Ball zu seinen Füßen zu einem gut zwei Meter entfernten Loch. Dann holt er mit seinem Schläger leicht aus und tippt den Ball an - der jedoch knapp am Ziel vorbeirollt. "Schade, der hatte zu viel Schwung", sagt er. Der Junge ist einer von 22 Schülern, die an der 1. Gesamtschule Fürstenwalde (Oder-Spree) im regulären Unterricht das Golfen lernen.

"Wir bieten als einzige Schule in Deutschland Golf als erstes Wahlpflichtfach an", sagt Sportlehrer Rainald Bierstedt. Das Fach werde von der 7. bis zur 10. Klasse unterrichtet. Zum Abschluss können die Schüler eine Prüfung ablegen. Physikalisches Wissen, Englischkenntnisse und gute Umgangsformen seien beim Golfen gefragt. Das eine werde für das praktische Spiel, das andere für die Verständigung und das Miteinander benötigt. "Das Fach Golf ist keineswegs elitär und abgehoben."

Innovative Schulfächer in Brandenburg

Golf ist aber nicht das einzige ungewöhnliche Fach an Brandenburgs Schulen. Im märkischen Pferdesportzentrum Neustadt (Dosse) bietet eine Schule Reitunterricht an. Gleich an sieben Bildungsstätten steht seit August Angeln auf der Stundentafel. "Wir haben für dieses Pilotprojekt gemeinsam mit dem Institut für Binnenfischerei die Lehrpläne entwickelt", sagt der Hauptgeschäftsführer des Landesanglerverbandes, Andreas Koppetzke.

Der Unterricht ist jeweils nachmittags und freiwillig. Am Ende des Schuljahres legen die Schüler die Prüfung für den Fischereischein A ab. "Das Interesse für das Fach Angeln ist riesig. 15 Schüler können wir pro Gruppe betreuen, teilweise gab es dafür bis zu 40 Anträge an den Schulen", sagt Koppetzke. Inzwischen wollen weitere Schulen im Land das Fach Angeln übernehmen.

Alternative Schulfächer stehen in der Kritik

Nicht überall aber stoßen die neuen Angebote auf ein positives Echo. In Zeitungskommentaren und Leserbriefen werden die alternativen Schulfächer kritisiert. "Brandenburgs Kinder sollten nach PISA und IGLU lieber richtig Schreiben und Rechnen lernen", heißt es. In beiden Studien zum Leistungsvermögen der Schüler hatten Brandenburgs Mädchen und Jungen im Vergleich zu ihren Altersgefährten in den anderen Bundesländern schlecht abgeschnitten.

In den Naturwissenschaften und Mathematik waren bis auf Bremen alle anderen Bundesländer besser. Bei der Lesekompetenz kamen die märkischen Schüler nur auf den drittletzten Platz. Das Potsdamer Bildungsministerium verteidigt dennoch die ungewöhnlichen Fächer. "Sie ersetzen ja nicht die Grundfächer, es sind immer zusätzliche fakultative Unterrichtsstunden oder Wahlpflichtfächer", sagt Sprecher Thomas Hainz.

Ausgleich zu den hohen Anforderungen in den Grundfächern

Nach seinen Worten strebt das Land einen Ausbau der Ganztagschulen an. Dabei hätten solche zusätzlichen Angebote gut Platz. Laut Hainz stellen die ungewöhnlichen Fächer auch einen wichtigen Ausgleich zu den hohen Anforderungen in den Grundfächern dar und sorgen dafür, dass «Schule auch Spaß machen kann».

Wilko Döll, dpa

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