Wechseln ist kinderleicht

16. Oktober 2007, 13:38 Uhr

Die Strompreise steigen und steigen, und niemand will schuld daran sein. Einziger Ausweg: Ein Wechsel des Stromanbieters. Der ist kinderleicht und spart bis zu 300 Euro im Jahr. Allerdings sollten zuvor einige Dinge beachtet werden. Von Elke Schulze und Karin Spitra

Stromanbieter

Auf einem Stromzähler in einem Privathaus werden die bisher verbrauchten Kilowattstunden angezeigt©

Die steigenden Strompreise bringen Bewegung in den einst starren Wechselmarkt: Nach Angaben des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft (VDEW ) haben bis zur Jahresmitte 2007 bereits 47 Prozent der Haushalte den Stromtarif gewechselt. Laut VDEW haben jedoch nur etwa zehn Prozent der Haushalte tatsächlich auch den Stromversorger gewechselt. Die übrigen blieben beim alten Versorger und wechselten lediglich den dortigen Tarif. Die jüngste Ankündigung von Platzhirsch Eon und knapp 300 weiteren Versorgern, ihre Preise zum Jahresanfang 2008 wieder deutlich anzuheben, sollte allerdings mehr Stromkunden Mut machen, den Wechsel zu wagen.

Niemand steht im Dunkeln Unterschwellige Ängste, wegen einer Panne oder aus Rache des verlassenen Anbieters plötzlich ohne Strom dazustehen, sind übrigens völlig unbegründet: Der Grundversorger ist zur Belieferung mit Strom gesetzlich verpflichtet. Eine zuverlässige Stromversorgung ist also zu jedem Zeitpunkt garantiert. Auch nach einem erfolgreichen Wechsel bleiben der Zähler sowie die Leitungen im Besitz des Netzbetreibers. Die Zählerstände werden entweder vom Lokalversorger (meist den Stadtwerken) oder vom neuen Anbieter abgelesen. Für eventuelle Wartungsarbeiten ist nach wie vor der Netzbetreiber zuständig. Eine Auswechselung des Stromzählers ist bei einem Wechsel des Anbieters nicht nötig.

Für den Wechsel des Stromanbieters sind neben den persönlichen Daten folgende Angaben notwendig:
Zählernummer
Zählerstand
Gewünschter Liefertermin
Name des örtlichen Versorgers
Kundennummer
Dann steht einer günstigeren Stromrechnung nichts mehr im Wege.

1. Anbieter vergleichen

Den günstigsten Tarif und Anbieter finden Verbraucher schnell und unkompliziert mit einem Strompreisvergleich. Diese gibt es im Internet zum Beispiel auf den Seiten www.verivox.de, www.billigstrom.de oder direkt bei www.stern.de.

Um die Ersparnis auszurechnen, gibt man seinen Jahresverbrauch in Kilowattstunden (kWh) und die Postleitzahl des Wohnorts ein. Der Rechner ermittelt sofort die günstigsten Anbieter. Wer seinen Verbrauch nicht kennt: Singlehaushalte benötigen 1600 kWh, Dreipersonenhaushalte etwa 3500 kWh und eine vierköpfige Familie rund 4000 kWh im Jahr. Für eine Großfamilie wird beim Jahresverbrauch von einem Durchschnittswert von 6000 kWh ausgegangen.

2. Abrechnung bereithalten

Bei der Kontaktaufnahme mit dem potenziellen Neuanbieter sollte man die alte Rechnung zur Hand haben, um den Verbrauch und die Zählernummer anzugeben. Ist der Vertrag mit dem neuen Lieferanten geschlossen, kümmert der sich um den Papierkram und kündigt auch beim alten Energieversorger, der jedoch weiterhin den Zähler abliest. Dafür wird er vom neuen Anbieter bezahlt. Rund sechs Wochen dauert die gesamte Wechselprozedur im Durchschnitt - aber dann bekommt man auch nur noch eine Rechnung vom neuen Anbieter.

3. Umzug ist kein Selbstläufer

Bei einem Umzug wird man zunächst automatisch vom lokalen Anbieter - das sind in der Regel die Stadtwerke - versorgt. Kunden können sich allerdings auch schon rechtzeitig vor einem Wohnungswechsel für einen Wunschanbieter entscheiden. So kann die Stromlieferung durch den neuen Anbieter direkt beim Einzug beginnen - ohne dass erst der lokale Anbieter die Grundversorgung übernimmt. Dafür müssen allerdings die Vertragsunterlagen auch so früh wie möglich unterwegs sein. Bei einem Umzug ist der Kunde jedoch berechtigt, den Grundversorgungsvertrag mit zweiwöchiger Frist auf das Ende eines Kalendermonats zu kündigen.

Wer bereits gewechselt hatte und bei einem überregional tätigen Anbieter Kunde ist, kann dort meist bleiben. Allerdings sollte der Anbieter und der neuen Versorger vor Ort rechtzeitig über den Umzug informieret werden.

Für den Wechsel benötigt der neue Versorger das Einzugsdatum, die Stromzählernummer und den Zählerstand. Sollte sich der Zähler nicht finden lassen, hilft der Vermieter meist weiter.

4. Vorsicht Fallstrick

Bei den ständigen Preiserhöhungen kann es vorkommen, dass der neue Anbieter, kaum dass man Kunde wurde, den Preis erhöht - und der Sparvorteil ist wieder futsch. Deshalb sollte man sich vom neuen Versorger eine Preisgarantie geben lassen.

So bieten die bundesweit tätige Flexstrom GmbH wie auch der Regionalanbieter Nuon stabile Preise von zwölf Monaten. Sechs Monate bieten die ebenfalls überregional tätigen Stadtwerke Flensburg, und eprimo offenbart Festpreise für drei Monate. Auch der Ökostromanbieter Greenpeace energy legt sich fest: seine Preisgarantie läuft bis zum 30.06.2008.

5. Vorsicht Paketlösung

Seit Anfang März 2007 bietet die TelDaFax Strom bundesweit extrem günstig an. Allerdings muss der Kunde wie auch bei Flexstrom zu Vertragsbeginn jährlich oder quartalsweise vorauszahlen. Ist der Kunde bereit, für ein ganzes Jahr im Voraus zu zahlen, spart man einen Cent pro Kilowattstunde. Gefahr: Ist der Anbieter pleite, sieht man sein Geld vermutlich nicht wieder. Ebenso riskant sind Strompakete, wie sie Flexstrom anbietet. Verbraucht man mehr, als im Paket enthalten, wird es richtig teuer. Verbraucht man weniger, hat man Pech gehabt. Wer seinen Stromverbrauch nicht genau kennt, sollte die Finger davon lassen.

6. Sparpotential regional verschieden

Wie viel ein Wechsel in Euro und Cent bringt, hängt auch von der Region ab, in der man wohnt. Dass Sparpotenzial reicht dabei von ein paar Euro bis über 100 Euro im Jahr. Eine Karlsruher Familie, die ihren Strom aus dem Family Tarif der dortigen Stadtwerke bezieht, spart beim günstigsten Anbieter TelDaFax 170 Euro im Jahr. Wählt sie den günstigsten Tarif ohne Vorkasse beim Anbieter Bonusstrom kann sie noch 80 Euro im Jahr zurücklegen. Häufig zahlt sich schon ein Tarifwechsel beim bestehenden Anbieter aus. Gerade die vier "Stromriesen" Eon, RWE, Vattenfall und EnBW haben oft auch recht günstige Tarife im Angebot.

7. Versorgungspflicht

Übrigens muss niemand Angst haben, im Dunkeln zu sitzen: Stromanbieter sind gesetzlich verpflichtet, die Bewohner in ihrem Versorgungsgebiet zu beliefern.

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KOMMENTARE (10 von 14)
 
BMBerlin (17.10.2007, 14:23 Uhr)
Wechseln lohn sich bedingt
Wenn Sie die Vergleichrechner benutzen, finden sich oben immer die Unternehmen/Anbieter, die eine Vorauszahlung für 1 Jahr haben wollen. Was Sie leider nicht berechnen, sind die Zinsverluste.
Außerdem gibt es Anbieter, die bereits Wochen vor der ersten Lieferung das Geld überwiesen haben wollen. Das ist schon recht "anrüchig".
Kaum einer fragt sich jedoch, wie man den Strompreis drücken kann. Würde beispielsweise jemand auf die Idee kommen, ein Stromaggregat zu konstruieren, das einen ähnlichen Wirkungsgrad hat wie die Kraftwerke und dieses Stromaggregat wäre eine KWK und würde größere Wohneinheiten von vielleicht 10.000 Wohnungen ( Wohnviertel ) beliefern, dann
a) gäbe es erstmals Konkurrenz zu den Monopolisten und
b) Preise würden sinken.
Zu dem Artikel im STERN: aus meiner Sicht wird alles sehr vereinfachend dargestellt. Problem ist, dass jedes Unternehmen seine eigene Vertragsmethode hat. Damit sind Vergleiche überaus schwierig:
- Paketlösungen ( wurde erwähnt )
- Unterschied Preise Erst-/Altkunden
- eingepreiste Rabatte Erstkunden
- zusätzliche Onlinebuchungsrabatte
- mit/ohne Preisgarantie
außerdem:
- kündigen Sie mal über eine 0180- Nummer ( es war ein Drama )
- Servicestellen: die Katastrophe
- Kündigungen über Einschreiben mit Rückschein?
Für ältere Leute, die es eigentlich nötig hätten, ist das gesamte Verfahren ein Drama!
Also, STERN: etwas realistischer bitte.
prisma (17.10.2007, 11:47 Uhr)
Nicht jeder kann wechseln
Einmal dahingestellt, ob die Wechselei überhaupt etwas bringt so gibt es noch die Wohnungen mit Nachtspeicherheizungen.
In diesem Falle kann man nämlich nicht wechseln, man verliert dann den nächtlichen Billigtarif, egal zu welchem Stromanbieter man wechselt.
romeodelta (17.10.2007, 11:44 Uhr)
"Wegen..lohnt das doch nicht."
dann beahupte ich mal. dass diese Leute zu viel Geld haben. ich nicht, also habe gewechselt und ich müsste voraussichtlich nächstes Jahr 160 Euro sparen. Klar die anderen erhöhen auch nur, ich zahle trotzdem weniger. Ich muss Betonpaul recht geben - es ist auf jeden Fall ein Signal. Zur Zeit ist es in D das Problem, dass zu wenig meinen, dass es sich bei allen Sachen icht lohnt - Hauptsache es trifft mich nicht oder halt eben nur wenig. Früher habe ich das auch gedacht aber meine Reserven sind am Ende und alles trifft mich richtig (ich weiß, dass ich nicht der Einzige bin) Es muss nicht vergessen werden, dass nicht nur der Strompreis erhöht wird, sondern vieles andere, was zum täglichen Leben gebraucht wird. Ich habe vor einigen Jahren in DM bezahlt, was ich jetzt in Euro bezahle nur mein Einkommen ist nicht proportional gestiegen. Bevor Ihr aber anfangt - ich kaufe keine neuen Fernseher, Handys usw. und fahre seit 3 Jahren nicht in Urlaub - ist kein Problem für mich aber wann hört diese Spirale auf?
gelegenheitsposter (17.10.2007, 11:26 Uhr)
könnte kotzen

Da interessiert mich doch wieviele doppelt versorgten Abgeordneten es immer wieder verhindern eine verbraucherfreundliche Lösung zu finden ... es ist auch erstaunlich wie schnell erwischte Doppelkassierer wieder in ein Amt gebracht werden.
Ohne die EU geht da gar nix, dazu ist unser politische System zu verfilzt .... in DE ist immer der Verbraucher schuld, ;-)).
RomanTicker (17.10.2007, 10:11 Uhr)
Schon lustig
Auch hier in den Kommentaren sieht man, warum in Deutschland so gut abgezockt werden kann. Die Leute meckern, sind aber schlicht zu faul, ihre Möglichkeiten zu nutzen. Tja, wer zu faul ist, vielleicht einmal im Jahr die Strompreise zu vergleichen, dem kann nicht geholfen werden. Ein Wechsel ist dermaßen einfach, dass man das mal eben in maximal 20 Minuten erledigen kann. Auch wenn jetzt wieder einige heulen, dass man dabei nicht viel spart, so ist es dennoch ein deutliches Zeichen für die Anbieter, dass die Kunden nicht jede Preiserhöhung mitmachen. Wenn jetzt alle vom teuersten zum günstigsten Anbieter wechseln, was passiert dann wohl? Es ist wirklich kurios, dass viele meinen, es lohne sich nicht, 100 Euro im Jahr zu sparen, aber an anderer Stelle auf Centbeträge achten.
Habakuck (16.10.2007, 21:48 Uhr)
Was n Quatsch
Ich habe überhaupt keine Lust, alle paar Monate Preise vergleichen, Hotlines anzurufen, Briefe zu verschicken und uferlos Formulare auszufüllen. Was ich will sind ehrliche Preise und meine Ruhe. Diese ganze Privatisierung ist der größte Schwachsinn, denn sich unsere Plolitiker von den Lobyisten haben einreden lassen. "Dann wird alles billiger". Ha ha, nur die Abzocker werden reicher.
alcolaya (16.10.2007, 20:39 Uhr)
...kein Wechsel, der sich lohnt
...in meinem Bereich Rendsburg, hab ich keinerlei Möglichkeit zu wechseln. EON-HANSE möchte ich nur zu gerne loswerden, alleine wegen der großkotzigen Sprüche des verehrten Vorsitzenden dieses Abkassiervereins und der neuerlichen Ausbeutungsandrohung für 2008 um 7-10%.
Doch im VERIVOX ist nix drin, was viel billiger ist - und mit Vorkasse oder einmaliger Kaution ist kein Anreiz zum Wechseln gegeben. Das muß schon monatlich und nicht anders abgerechnet sein, meine Euronen krieg ich auch nicht im Voraus.
Also weiter auf die Zwangszerschlagung durch die EU warten - mit Angie und ihren komischen Wirschaftsgurus und Verbraucherspezies aus Bayern ist sowieso kein Staat zu machen.
Ich werde es mal mit Zahlungsverweigerung für die Erhöhung probieren, vielleicht bringt das ja wenigstens etwas....???
sausewindxxl (16.10.2007, 18:46 Uhr)
Es wird nur gemeckert aber keiner bewegt sich!
Leider sind die meisten Menschen sehr stur und anscheinend sind die Strompreise eben nicht ZU teuer. Wenn man sich mal bei Freunden und Bekannten umhört und für einen Wechsel werben möchte, dann hört man oft: "Wegen knapp 100 Euro lohnt das doch nicht." und die Sache ist erledigt. Selbst Menschen, die eigentlich nicht unter einer Gelddusche leben, wollen davon nichts wissen. Es wird zwar gemeckert, aber bewegen will sich eben auch keiner!
Janek04 (16.10.2007, 18:06 Uhr)
verivox.de ...
bietet einen fantastischen service, um solche wechsel so einfach und kosteneffektiv wie moeglich zu machen. ich habe selber ueber dieses portal gewechselt, und kann es waermstens empfehlen.
Betonpaul (16.10.2007, 17:44 Uhr)
Ich kann nur jedem raten...
...das zu tun, was ich bereits vor einem Jahr getan habe. Gnadenlos wechseln.
Wenn mir heute ein noch günstigerer Tarif bekannt wird, als der, den ich jetzt habe, bin ich weg beim neuen Anbieter.
Leute, ihr habt auch Marktmacht. Warum nutzt ihr sie nicht???
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