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Friesisch als Studium

Etwa 10.000 Nordfriesen pflegen die friesische Sprache im täglichen Umgang miteinander - das sind rund sechs Prozent der Bewohner des schleswig-holsteinischen Kreises Nordfriesland.

Etwa 10.000 Nordfriesen pflegen die friesische Sprache im täglichen Umgang miteinander - das sind rund sechs Prozent der Bewohner des schleswig-holsteinischen Kreises Nordfriesland. Doch ohne Studenten und speziell ausgebildete Lehrer, die Friesisch lernen und unterrichten, würden die "echten" Friesen wohl bald aussterben und nur noch Namen wie Friesenkekse, -zäune und -nerze würden an sie erinnern.

Nach wie vor lebendig ist das uralte festländische "Mooringer Frasch" in der Landschaft Bökingharde, das "Fering-Öömrang" auf den Inseln Föhr und Amrum sowie das "Sölring" auf Sylt. Außerdem erklingt auf der Nordseeinsel Helgoland (Kreis Pinneberg) mitunter das "Halunder". Bis weit in das 19. Jahrhundert hinein war Friesisch nur eine mündliche Haussprache, übertragen von Generation zu Generation.

"Höret nicht auf, Friesen zu sein!"

Erst vor etwa 150 Jahren wurde damit begonnen, die Sprache und ihre Dialekte auch schriftlich festzuhalten. "Höret nicht auf, Friesen zu sein!", appellierte damals ein nordfriesischer Patriot an seine Landsleute. Er meinte jene Mitbürger, die sich weder als Deutsche noch als Dänen verstanden und das dörflich-familiäre Friesisch sprachen. Seitdem wird die eigenständige Sprache mit ihren unterschiedlichen Mundarten liebevoll gepflegt, schließlich ist sie das Hauptmerkmal der Nordfriesen auf dem Festland und den Inseln. Ähnliches gilt für die Friesen im Saterland bei Oldenburg in Niedersachsen und die Westfriesen in den Niederlanden.

Seit 25 Jahren eigene Professur

Sprache und Kultur der drei Frieslande sind eine Wissenschaft für sich und auch reguläre Studienfächer. An der Kieler Universität gibt es seit 25 Jahren eine eigene Professur für Friesisch, die seit 1999 der Westfriese Jarich Hoekstra (47) innehat. In Kiel studieren nach seinen Angaben etwa 25 bis 30 junge Menschen Friesische Philologie. Ausgebildet werden gymnasiale Friesischlehrer sowie auf friesisches Volkstum spezialisierte Wissenschaftler. Seit 1950 ist Kiel zudem Sitz der "Nordfriesischen Wörterbuchstelle", die Sprachreichtum und Forschungsergebnisse archiviert.

Friesisches Seminar

Die Universität Flensburg beherbergt das Friesische Seminar, das die Sprache, Literatur, Landeskunde und Didaktik vermittelt. "Die Lehramts-Aspiranten für Grund-, Haupt- und Realschule studieren Friesisch in erster Linie als Ergänzungsfach", sagt Germanistikprofessorin Helga Bleckwenn, die das Seminar kommissarisch leitet. Auf Antrag kann Friesisch auch als Hauptfach gewählt werden. Derzeit lernen etwa ein Dutzend Friesisch-Studenten in Flensburg.

"Bai üs liire studänte maning wichtie keere amt frasch än am e frasche. Dan koones lääserhaane frasch önj e schoule unerruchte", sagt Prof. Thomas Steensen (51). Übersetzt heißt das so viel wie "Bei uns lernen Studierende Wichtiges über die friesische Sprache und die Kultur; dann können sie Friesisch in den Schulen unterrichten." Der Historiker und gebürtige Nordfriese ist auch Direktor des Nordfriesischen Instituts in Bredstedt, das die Lehre in Flensburg koordiniert.

"Nur wenige haben praktische Vorkenntnisse"

An beiden Universitäten wird das Friesische für die meisten erstmals vermittelt. "Nur wenige haben praktische Vorkenntnisse", sagt Steensen. Auch kommen längst nicht alle Studierende aus Nordfriesland. Sogar Hessen wagen sich an das Friesischstudium. Und Marron Fort, einer der zeitgenössischen Friesischforscher, ist US- Amerikaner. Als Akademischer Rat ist er in der Universitätsbibliothek Oldenburg tätig.

Friedhelm Caspari/DPA
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