Sprechen Sie Katalogdeutsch?

Im Kampf um Kunden neigen Reiseveranstalter dazu, in ihren Katalogen die Realität ein wenig zu schönen. Wir bieten eine Übersetzungshilfe - damit Sie bei Ihrer Ankunft keine böse Überrraschung erleben. Von Karin Spitra

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Katalog genau durchlesen - das erspart Kummer am Urlaubsort©

Vor jeder Urlaubssaison stapeln sie sich bunt und verführerisch: Die aktuellen Reisekataloge. Sie warten nur darauf mitgenommen zu werden und Sehnsüchte zu wecken - und es ist für jeden etwas dabei: Es gibt Kataloge für Städte- und Kulturreise, für Wochenendtrips und Abenteuerferien. Pauschalurlauber werden ebenso bedient wie Induvidualreisende, All-inclusive-Ritter oder Jet-Set-Urlauber - ganz zu schweigen von den ganzen Nischenprodukten, wie Golf- oder Tauchreisen. Doch in dem Kampf um den Kunden sagen Reiseveranstalter in ihren Katalogen nicht immer die Wahrheit. Die oft harmlos klingenden Beschreibungen haben es häufig in sich.

Eine Art Geheimsprache, die gerne beschönigt, übertreibt oder gar verschweigt, kaschiert die Wirklichkeit vor Ort. Nur bewusst lügen dürfen Reiseveranstalter nicht - das ist verboten und hätte schmerzhafte rechtliche Folgen. Doch wer die Katalogwirklichkeit dem Realitätstest unterzieht merkt schnell, dass eine 'Übersetzungshilfe' wichtig ist.

Direktflug

Ein Direktflug bedeutet nicht, dass der Flieger ohne Zwischenstopps ans Ziel gelangt, sondern nur, dass man bei den Zwischenlandungen nicht die Maschine wechseln muss. Wer ohne jede Zwischenlandung ans Ziel kommen will, muss einen Nonstopflug buchen.

Kurzer Transfer zum Flughafen

Es ist zwar schön, wenn man nicht erst eine halbe Stunde mit dem Bus durch die Gegend fahren muss, um in sein Hotel zu kommen. Allerdings bedeutet eine kurze Transferzeit auch, dass der Flughafen nahe ist, was eine erhebliche Lärmbelästigung bedeuten kann.

In Flughafennähe

"In der Nähe des Flughafens" heißt nicht selten direkt in der Einflugschneise.

Aufstrebende Gegend

Ein "aufstrebender Ferienort" ist die freundliche Umschreibung für Großbaustelle. So beschriebene Urlaubsorte sind meist noch etwas unterentwickelt, also oft Fehlanzeige was Bars und Geschäfte, Boutiquen oder eine Strandpromenade angeht.

Direkt am Meer gelegen

Liegt das Hotel laut Prospekt "direkt am Meer", darf man nicht automatisch davon ausgehen, dass es auch am Strand liegt. Eher schon, dass es am Hafen oder an einer Steilküste liegt. Wer dieses Hotel bucht, sollte also auch gleich Zeit für den Fußmarsch oder die Busfahrt zur nächsten Bademöglichkeit einplanen.

Strandnah

Bedeutet, dass die Unterkunft nicht direkt am Strand gelegen ist. "Strandnah" beinhaltet durchaus eine Strecke von ein bis zwei Kilometern - ein Fußmarsch von fünf bis 15 Minuten sollte daher eingeplant werden.

Naturstrand

Hört sich nach Öko an, kann aber das Gegenteil bedeuten. Ein "naturbelassener Strand" ist üblicherweise ungepflegt. So kann zum Beispiel angeschwemmter Abfall die Badefreuden trüben. Üblicherweise gibt es an solchen Stränden weder Toiletten noch Umkleidekabinen.

Touristisch gut erschlossen

Der Vorteil: eine geöffnete Bar findet sich in einem so beschriebenen Urlaubsort immer. Natürlich gibt es auch einen Nachteil: Im Gegenzug gibt es oft Ramba-Zamba rund um die Uhr.

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