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Notiz an schwulen Sohn rührt das Netz

Wie sag' ich's meinen Eltern? Ein schwuler US-Teenager sucht bei seinem Freund Rat für den richtigen Coming-out-Moment. Der Vater hört das Telefonat mit und schreibt dem Sohn eine rührende Notiz.

Von Jens Wiesner

  Mit dem Kommentar "Best Note Ever" veröffentlichte die Kampagne FCKH8, die für die Gleichberechtigung von Schwulen und Lesben eintritt, die Notiz des momentan wohl beliebtesten Vaters im Internet

Mit dem Kommentar "Best Note Ever" veröffentlichte die Kampagne FCKH8, die für die Gleichberechtigung von Schwulen und Lesben eintritt, die Notiz des momentan wohl beliebtesten Vaters im Internet

  • Jens Wiesner

Wohl kein Terrain ist derart vermint wie das Gespräch mit den Eltern über die eigene Sexualität. In manchen Elternhäusern werden noch immer krude Blümlein- und Bienlein-Vergleiche bemüht. In anderen erzählen Alt-68er-Papis und Mamis derart offenherzig von ihren Liebeseskapaden, dass es ihren Sprösslingen die Schamesröte ins Gesicht treibt. Wie man alles richtig macht, hat jetzt ein Vater in den USA gezeigt.

Dessen Sohn Nate war offenbar in großer Sorge, wie er den eigenen Eltern seine Homosexualität erklären sollte. Gemeinsam mit dem Freund wurde Kriegsrat per Telefon gehalten. Ob die Wände des Hauses nun sehr dünn waren oder nicht - wir wissen es nicht. Sicher ist nur: Nate sprach laut genug, dass der Herr Papa jedes Wort mitbekam. Statt sich nun zu einem stundenlangen Gespräch zusammenzusetzen, griff der Vater lieber zu Stift und Zettel - und hinterließ seinem Sohn am folgenden Tag eine kurze, aber herzerweichende Notiz.

"Nate, ich habe gestern Nacht dein Telefongespräch mit Mike mitangehört und so von deinen Coming-out-Plänen erfahren. Das einzige, was du planen solltest, ist nach dem Unterricht Orangensaft und Brot mit nach Hause zu bringen", schrieb der Vater in dem Schriftstück, das die US-Kampagne FCKH8, die für die Gleichberechtigung von Schwulen und Lesben kämpft, auf ihrer Facebook-Seite veröffentlichte.

Das Netz feiert den Vater

Was nun folgte, war ein Satz, der in seiner prägnanten Kürze jedes weitere Wort überflüssig machte: "Ich weiß, dass du schwul bist, seit du sechs bist. Ich liebe dich seit deiner Geburt. Dad." Und als wäre das noch nicht genug, gab der Vater im P.S. noch seinen Segen zur aktuellen Beziehung seines Sohns: "Deine Mutter und ich denken, dass du und Mike ein süßes Paar abgebt."

Seit der Veröffentlichung des Notizzettels feiert die Internetgemeinde den unbekannten Vater. Über 82.000 Likes erhielt der Post bis zum Sonntagnachmittag, knapp 6000 Menschen kommentierten den Eintrag - viele überschwänglich positiv. "Wenn nur alle Eltern so wären", schwärmte Facebook-Nutzerin Jessica Phaup. Manche Leser erinnerten daran, dass nicht alle Väter und Mütter die Toleranz und Offenheit von Nates Vater teilten. "Ich kümmere mich jedes Jahr um Kinder, die sich um ihr Coming-out sorgen", schrieb Susan Boyd Hudson. "Ich kenne einen jungen Mann, dessen Mutter ihm sagte, sie wünsche ihn lieber tot als schwul. Er hat sich in meinen Armen ausgeweint."

Wie Nate auf die Nachricht seines Vaters reagiert hat, ist nicht überliefert. Vielleicht hat er dem Papa auch per Zettel geantwortet. Vielleicht haben sich beide an den Küchentisch gesetzt und geredet - bei Orangensaft und Brot.

Jens Wiesner

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