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Warum sich alles so teuer anfühlt

Die Preise klettern seit Monaten. Vor allem für Lebensmittel müssen Verbraucher mehr bezahlen. Dabei fällt der Preisanstieg subjektiv meist höher aus, als er in Wirklichkeit ist. Diese "gefühlte Inflation" wurde jetzt genauer untersucht.

Die Statistiken verkünden es seit Monaten, die Boulevardpresse heizt die Stimmung zusätzlich an: Die Preise steigen auf breiter Front. Doch den Verbrauchern kommt die Teuerungswelle noch viel gewaltiger vor als es die Zahlen der Statistiker zeigen. Das sieht auch Hans Wolfgang Brachinger von der schweizer Universität Fribourg so. Der Statistik-Professor hat den "Index der wahrgenommenen Inflation" entwickelt, der aussagt, wie die Preisentwicklung von den Verbrauchern empfunden wird.

Längst nicht alle Waren sind teurer geworden: "Vor allem die Waren des täglichen Bedarfs wie Butter, Brötchen oder Benzin haben sich in der letzten Zeit zum Teil stark verteuert", erklärt Brachinger. Das falle den Menschen natürlich sofort auf. "Das macht sich in den Geldbörsen auch ganz konkret bemerkbar". Schließlich würden solche Waren ja besonders häufig gekauft. Tatsächlich günstiger wurden zuletzt nach Brachingers Erkenntnissen vor allem solche Produkte, die seltener angeschafft und deren Preise damit eben auch weniger stark wahrgenommen würden etwa Flachbildschirme, PCs oder Camcorder. Außerdem bewerten Verbraucher nach seinen Worten Verluste stärker als Gewinne, was dazu führt, dass Preissenkungen zugunsten der Haushaltskasse schlicht weniger Beachtung finden.

Das sind jedoch rein psychologische Aspekte, die bei der Berechnung der amtlichen Teuerungsrate keine Berücksichtigung finden. Hierzu werden alle Preisveränderungen eines repräsentativen Warenkorbs gleich behandelt und entsprechend den jährlichen Ausgaben eines Durchschnittshaushalts gewichtet. Im Dezember 2007 lag die wahrgenommene Inflation bei 8,8 Prozent, fast dreimal so hoch wie der amtliche Wert von 3,2 Prozent.

Wie bei der Euro-Einführung

Dieses Phänomen erinnert Brachinger an die Einführung des Euros. Damals erreichte sein Wahrnehmungsindex ähnlich hohe Werte, und rasch war vom "Teuro" die Rede. Die Folge: Käufer halten sich eher zurück und angesichts einer hohen gefühlten Inflation werden größere Investitionen erst einmal zurückgestellt. Auch dann, wenn nicht gerade alltägliche Güter wie technische Geräte nachweislich günstiger geworden sind, wie Brachinger weiter erläutert.

"Es gab aber auch Zeiten, in denen die wahrgenommene Inflation unter dem Wert der amtlichen Inflationsrate lag", betont der Indexspezialist. Dies sei zum Beispiel vor der Euro-Einführung so gewesen. Seinerzeit hätten sich viele Anbieter vor allem im Lebensmittelbereich - einen starken Wettbewerb mit sinkenden Preisen auf breiter Front geliefert.

Mit Blick auf die weitere Preisentwicklung in diesem Jahr geht Brachinger von einer weiteren Steigerung aus: "Eine Jahresinflation um 2.5 Prozent ist realistisch. Und das Inflationsgefühl wird hoch bleiben."

AP/nic/spi/AP

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