AW: Amoklauf Computerspiele + Gewalt
Hallo miteinander,
...und wieder gab es einen Amoklauf und wieder wird auf allen gesellschaftlichen und politischen Ebenen diskutiert.
Es ist umstritten, ob Computerspiele einen Menschen zum Amokläufer werden lassen. Meiner Meinung nach ist diese Darstellung auch nicht weit genug gefasst.
Wir leben in einer Gesellschaft, in der virtuelle Welten immer realistischer erscheinen. Die Leistungsfähigkeit von PCs und Spielekonsolen nimmt stetig zu, die Grafikauflösung wird mit jeder neuen Konsolen- und PC Generation umfangreicher. Der Gesetzgeber hat die Zugangsbeschränkungen zu derartigen Spielen durch die FSK Freigabe geregelt. FSK klingt zunächst einmal sehr amtlich, hinter dem Kürzel steckt jedoch der Begriff der freiwilligen Selbstkontrolle. Einige Spiele stehen auf dem Index, dürfen also in Deutschland nicht vertrieben werden. Dieses ausdrückliche Verbot macht den Erwerb für viele Nutzer jedoch spannend und es ist wohl auch nicht sonderlich schwer solche Games im Internet oder unter der Ladentheke zu bekommen. Verbotenes verkauft sich nun mal besser und vor allem teurer als "erlaubtes". Ein ausdrückliches Jugendverbot kann nur im Einklang mit der häuslichen Aufsicht der Eltern funktionieren. Viele Eltern und auch Lehrer wissen gar nicht, mit welcher Art von Spielen sich ihre Sprösslinge auseinandersetzen. Meines Erachtens besteht hier Aufklärungs- und Handlungsbedarf.
Die Ausweitung virtueller Erlebniswelten ist ein zweischneidiges Schwert. Es existieren Chancen und Risiken gleichermassen. Wenn Realität und Virtualität nicht mehr trennscharf voneinander abgrenzbar sind, werden die Folgen unabsehbar. Der Entschluss zu einem Amoklauf hängt sicherlich nicht nur von der Auseinandersetzung oder dem Spielen gewaltverherrlichender Games am PC ab, sie können unter bestimmten psychischen Voraussetzungen jedoch zum Verstärker werden. Konsolenspiele, insbesondere im Segment der Ego-Shooter sind sehr realistisch ausgestaltet. Das Hauptaugenmerk möchte ich hierbei gar nicht auf die detaillierten Mordsequenzen legen sondern auf die sehr realitätsnahe Umgebungsdarstellung. Ich wage zu behaupten, dass jeder Amokläufer den Unterschied zwischen Realität und Virtualität kennt, die Vorstellung eines realen Szenarios wird jedoch durch derartige Spiele verstärkt. Wir befinden uns generell in einer Zeit, in der die Internalisierung von Normen und Werten zunehmend Schwierigkeiten bereitet. Die reine Abbildung der Gesellschaft durch Schicht- und Klassenzugehörigkeiten reicht nicht mehr aus. Wir sehen im aktuellen Fall, dass solche Taten durchaus auch in vermeintlich sicheren Gebieten, wie einer Kleinstadt, geschehen können. Es ist daher zwingend notwendig, dass Erziehungsberechtigte und Bildungseinrichtungen gleichermassen sensibilisiert werden. Das setzt eine intensive Auseinandersetzung mit dem Freizeitverhalten der Kinder und Jugendlichen voraus. Jeder Heranwachsende sollte auch weiterhin seine persönlichen Erfahrungen machen dürfen, Verbote nützen in dem Zusammenhang nichts, da sie die Materie (gemeint sind Spiele mit gewaltdarstellendem Inhalt) insgesamt nur noch spannender machen. Den Jugendlichen müssen die Gefahren, die sich aus der Vermischung von Realität und Virtualität ergeben können, verdeutlicht werden. Unser Bildungssystem lässt dazu m.E. leider zu wenig Raum.
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