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Beatles, Beat und Große Freiheit

Die legendären Pilzköpfe aus Liverpool revolutionierten die Musikwelt wie keine zweiten. In Hamburg, der "Quelle der Beat-Musik", erinnert eine Ausstellung jetzt an die Zeit von Hysterie, frühster Popmusik und "Beatlemania."

Der legendäre Hamburger "Star-Club" ist wieder da: "Die Zeit der Dorfmusik ist vorbei!" prangt in großen, weißen Buchstaben von dem schwarzen Untergrund. Doch die Bühne ist leer, nur ein Schlagzeug steht dort. Dahinter zeigt ein großes Foto die Star-Combo mit Tony Sheridan vor der bekannten Club-Kulisse - der Manhattan-Skyline, die der "Rubens von St. Pauli", Erwin Ross, geschaffen hatte. Eigentlich möchte man sich auf einen der roten Original-Barhocker setzen und nur darauf warten, dass endlich die Beatles auftreten. Doch der berühmte "Hamburg Sound" lebt nur in der gleichnamigen Ausstellung auf, die ab dem 3. Juni im hamburgmuseum (Museum für Hamburgische Geschichte) zu sehen ist.

Beatles, Beat und Große Freiheit - die Sonderausstellung (bis 5. November) zeigt den bewegten Aufbruch, der eine ganze Generation inspirierte und die Grundlagen der heutigen Popmusik legte. "Hamburg ist für uns die Quelle der Beat-Musik", meinte Kurator Ortwin Pelc bei der Vorstellung der Schau. Noch in den 50er Jahren waren die jugendlichen Anhänger englischsprachiger Musik in zwei Lager gespalten: Die Rocker oder "Halbstarken" liebten den Rock' n' Roll mit Stars wie Elvis Presley, die anderen verehrten den Jazz, in dessen Gefolge auch der Skiffle aus England nach Hamburg kam. Doch zu Beginn der 60er Jahre entwickelte sich in der Hansestadt ein neuer Musikstil, der als Beat weltweit die Popkultur prägte.

"Alle bekannten Musiker der 60er Jahre waren hier"

"Jungen Musikern wurde in der unerbittlichen allabendlichen Routine der Clubs auf St. Pauli die Möglichkeit geboten, vor einem enthusiastischen Publikum aufzutreten. Hier formten sie den neuen Klang, den viele Beteiligte den Hamburg Sound nannten", heißt es am Eingang der Ausstellung. Und plötzlich steht man mittendrin im "Brennpunkt St. Pauli". Die Musiktruhe von 1958, aus der Lieder von Freddy Quinn und Glenn Miller klingen, hat man auf dem Weg dahin ebenso passiert wie die Jukebox von 1956, die Schellack-Sammlung und das Wohnzimmer aus der damaligen Zeit. Doch jetzt blinkt Neonlicht über Bildern aus dem berühmt-berüchtigten Vergnügungsviertel, zeigt ein Fernseher Bilder aus der TV-Serie "Stahlnetz" (1958-1968).

Auf einer Karte weisen Pfeile auf Clubs wie "Indra", "Top Ten", "Kaiserkeller" oder eben den "Star-Club". "Hier erhielten junge Bands von cleveren Clubbetreibern die Chance, ihre Musik zu machen und Geld zu verdienen", berichten die Organisatoren. Zahlreiche Fotos erinnern an die Musiker, die zum Beispiel in dem am 13. April 1962 eröffneten Star-Club auftraten: The Everly Brothers, Gerry and The Pacemakers, Little Richard, Jerry Lee Lewis, Ray Charles, aber auch Hamburger Bands wie die Rattles. "Bis auf die Rolling Stones waren alle bekannten Musiker der 60er Jahre hier", sagte Pelc. Prominenteste Künstler aber waren zweifellos die Beatles, deren Zeit in der Hansestadt im Mittelpunkt der Schau steht.

"I want to be rich"

Fotos, Zeitungsberichte, Plakate und Schallplatten erinnern an die Fab Four, die seit 1961 zunächst im "Top Ten" an der Reeperbahn aufspielten. Ihre erste Plattenaufnahmen - gemeinsam mit Tony Sheridan - sind ebenso zu sehen wie handschriftliche Lebensläufe, in denen etwa John Lennon noch hoffte: "I want to be rich". Zahlreiche Produkte wie Strümpfe oder Handtaschen erinnern an den Hype um die Musiker aus Liverpool. Doch zugleich begann sich Mitte der 60er Jahre die Popmusik in viele Richtungen zu differenzieren und immer mehr Musiker wurden durch Medien und Musikindustrie zu Superstars. "Die Musikclubs versuchten zwar weiterhin, attraktive Stars zu engagieren, waren aber nicht finanzkräftig genug und letztlich zu klein, um mithalten zu können." Die letzte Stunde für den "Star-Club" schlug am 31. Dezember 1969.

Rund 1500 Exponate haben die Organisatoren zusammengetragen, darunter eine Gitarrensammlung der Scorpions im Wert von rund einer Million Euro. Die Ausstellung zeigt aber zugleich, vor welchem Hintergrund sich die Musikgeschichte veränderte - von der Mode bis zum Konsum, von der Wohnkultur bis zum Studentenprotest. "Erstmals besinnt sich Hamburg damit seiner historischen Rolle als Entstehungsort der Beatmusik", betonten die Veranstalter. Weitere Veranstaltungen sollten folgen. Den Auftakt macht an diesem Wochenende ein dreitägiges Beatles-Festival im Museum (3.-5.6.).

Dorit Koch/DPA/DPA

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