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12. November 2004, 16:46 Uhr

Biografie einer Liebe The Ballad of John & Yoko

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© Cinetext

Yoko Ono wurde 1933 in eine ziemlich aristokratische japanische Familie hineingeboren. Ihr Vater hatte eine Laufbahn als Pianist aufgeben und Bankier werden müssen. Die Tochter heiratete, ließ sich scheiden, heiratete erneut, bekam ein Kind und begriff sich fortan als Künstlerin. Das hatte seinen Preis. Bei aller Liebe konnte es selbst Lennon nicht schöner sagen: "Für Yoko waren Männer nur Assistenten." Yoko Ono, John Lennons neue Frau, zerstörte nicht bloß eine, sondern gleich zwei Ehen, und nach landläufiger Überlieferung gleich auch noch die Beatles. Eine schönere Hassfigur kann man sich kaum zusammenträumen: eine Frau, natürlich, Ausländerin dazu, rabenschwarze Haare, eine Hexe. Geholfen hat sie den Beatles mit ihren stimmlichen Dreingaben bestimmt nicht, aber schließlich kann auch Madonna nicht singen. Allerdings wollte Yoko nie der Popstar sein, sondern nur immer Künstlerin oder vielmehr Kunstdarstellerin.

Liebe ist schon für normale Menschen eine Kunst. Die beiden wollten aber noch mehr, machten aus der Not eine Tugend und erhoben ihre Liebe zum Kunstwerk. Jeder sollte sehen, dass sie glücklich waren, selbstbestimmt, frei. Die ganze Welt sollte an ihrem Glück teilhaben. Die Karte, die sie allen schickten, war "Unfinished Music No. 1 - Two Virgins", eine Platte mit selbst gemachten Geräuschen, weniger Liebesgeflüster oder so was, sondern reine Avantgarde. Vorn und hinten standen die beiden nackert herum, mit Selbstauslöser fotografiert, Kunst eben. Die Popkolumnistin Julie Burchill, der noch immer der richtige Kommentar einfiel, fiel darauf jedenfalls nicht herein: "Neben Altamont war der Anblick der nackten Ono-Lennons auf dem Cover ihres gemeinsamen Albums das grausigste Schauspiel der 60er." Der Mann von der Plattenfirma dachte praktischer und fragte: Hätte man nicht Paul nehmen können, den Hübscheren? Der Mann hatte Recht, die Platte verkaufte sich nicht. Aber das war doch Concept-Art, Dummerchen, und zog sich nicht auch Allen Ginsberg bei jeder Gelegenheit aus und zeigte seinen wildumwucherten Schniedel?

Die beiden Jungfrauen ließen nicht locker. Ein Kunstwerk muss unters Volk, muss ausgestellt und begafft werden. Yoko Ono, die schwarze Hexe, ist ein dämonischer Blickfang. Bei den Filmaufnahmen zu "Let It Be" sitzt sie stumm und ergeben im Studio, macht keinen Mucks, starrt ins Leere, aber der arme mutterlose John Lennon scheint nicht mehr ohne sie sein zu können. Mochten die Fans murren, Lennon trotzte. Er versteckte seine neue Liebe nicht, sondern nahm sie überall mit hin, folgte ihr bis aufs Klo. Er verließ seine Ehefrau Cynthia, verließ seinen erst fünf Jahre alten Sohn Julian und zog mit der Japanerin zusammen. Waren sie nicht Heilige und größer als Jesus?

Die Zeit war auch so, sie förderte den Exhibitionismus und fühlte sich noch gut dabei. Peinlich ist das einzig richtige Wort für diese Auftritte, aber die beiden komischen Heiligen waren unbedingt auf der Höhe der neuesten Mode: Das Private war nicht nur öffentlich zu machen, sondern Politik. Also pflanzten sie in Coventry Eichenschößlinge; plakatierten in den westlichen Hauptstädten, dass der Krieg vorbei sei, wenn man es nur wollte; heirateten in Gibraltar; legten sich in Amsterdam eine Woche lang ganz in Weiß ins weiße Hotelbett; pflanzten dann Ahorn an; ließen sich für den Frieden (oder doch die Kunst?) die Haare schneiden; legten sich zusammen ins Krankenhaus, weil Yoko schwanger war; nahmen die Herztöne des noch Ungeborenen auf, das dann vor der Zeit starb; und nahmen in einem weiteren Hotelzimmer mit Freunden das immer noch gern gespielte Schunkellied "Give Peace A Chance" auf. Manchmal (gnädig selten) hört man die hohe Stimme Yokos durch, fremd, wie von einem ganz anderen Stern, fräst sie sich hinein. "Just a boy and a little girl/Trying to change the whole wide world", sang der selige Lennon.

Aber es stimmt ja, diesen Trubel hält kein Mensch aus, nicht mal der Kunstenthusiast John Winston Lennon, der sich in "John Ono Lennon" hat umtaufen lassen. Sogar Popmusik, die unschuldige, müllige, nichtssagende, die gute, schöne, reine Popmusik musste plötzlich etwas bedeuten. Pop und Kunst vertrugen sich noch nie, wie sollten es ausgerechnet diese Eheleute können?

Als Paul McCartney im April 1970 die Trennung der Beatles bekannt gab, bedurfte es keiner Männer verschlingenden Yoko-Japanerin; der Bruch war längst vollzogen. Die Bandmitglieder drehten getrennt voneinander Filme, nahmen eigene Platten auf und begannen gegeneinander um Manager und Tantiemen zu prozessieren. John Lennon gelang die Ablösung mit der Urschrei-Therapie des kalifornischen Psychologen Arthur Janov. Zumindest half ihm die Behandlung als Kur gegen die immer heftiger werdende Heroinsucht. Goodbye Heroin und LSD, hello Kräutertee!

 
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