Wo andere Fotografen aufhören, fängt Alison Jackson gerade erst an. Sie überschreitet die Grenzen der Intimität und schießt Paparazzibilder aus nächster Nähe. Dabei arbeitet sie mit einem Trick. Von Henrietta Reese
Wenn Alison Jackson fotografiert, wird es intim. Sie gewährt ihren Zuschauern detailierte Einblicke in das Privatleben der berühmtesten Prominenten. Königshäuser, Politiker, Musiker und Schauspieler - niemand ist vor ihrer Kamera sicher.
Um ihren Motiven so nahe zu kommen, arbeitet Jackson mit einem Trick: mit Doppelgängern. Und mit erstaunlichen Illusionen und perfekten Inszenierungen. Im 70. Band des stern-Fotografie Portfolios sind ihre eindrucksvollsten Arbeiten zusammengefasst. Obwohl die Bilder oft wie Schnappschüsse eines Paparazzo wirken, steckt stundenlange Arbeit hinter dem Ergebnis. Denn meist sehen die Doubles ihren Vorbildern nur aus bestimmten Perspektiven zum Verwechseln ähnlich.
Jackson will mit ihren zum Teil sehr provokanten Bildern die Prominenten jedoch nicht beurteilen oder sich über sie lustig machen - der Kernpunkt ihrer Arbeit liegt für sie beim Betrachter, der die Berühmtheiten wahrnimmt. "Meine Arbeit handelt davon, wie wir von ihnen besessen sind", sagt sie - es geht um das irreführende Spiel von Original und Fälschung.
Jackson hat während ihrer Arbeit oft erfahren, wie die Menschen reagieren, wenn sie mit den vermeintlichen Prominenten unterwegs ist. Selbst wenn die Situationen aufgeklärt und die Stars als "Fälschungen" enttarnt werden, bleibt die Aufmerksamkeit der Zuschauer, das Interesse, die Neugier an der Illusion. "Ich glaube, Menschen wollen lieber mit dem Nicht-Realen umgehen als mit der Wirklichkeit", kommentiert Jackson ihre Arbeit mit den Doppelgängern.
Tatsächlich ist die Vorstellung spannend, zum Beispiel in das Wohnzimmer der Queen blicken zu können. Sie durch einen Spalt in der Tür zu beobachten, während sie am Weihnachtsabend mit dem königlichen Hund schimpft. Denn ganz ehrlich: Wer brauch schon das Original, wenn die Kopie doch viel spannender ist.