Das Centre Georges Pompidou widmet dem Designer Philippe Starck eine erste Retrospektive, eine Ausstellung, die nichts zeigen will.

Ein Video produziert Starcks Gesicht auf eine Büste, darüber das Dia eines T-Shirts© dpa
Es ist eine Ausstellung, die nichts zeigen will, denn das, was sie zu zeigen hat, kann in jedem Wohnzimmer und jeder Küche stehen. "Meine Kreationen gehören nicht ins Museum. Denn jeder hat sein Museum bei sich Zuhause. Deshalb wollte ich eine experimentelle Ausstellung", sagt der französische Designer Philippe Starck, dem das Centre Pompidou in Paris jetzt erstmals eine Retrospektive widmet. Die Exposition "Philippe Starck", die am Mittwoch für das Publikum öffnete, präsentiert auf ungewöhnliche Weise mehr als 200 Objekte des 54-jährigen Design-Stars.
So werden der Fernseher "Jim Nature", die Zahnbürste "Fluocaril" und das Sofa "Big Nothing" auf Monitoren vorgestellt. Der Clou dabei: Die Bildschirme hängen über sprechenden Starck-Büsten, wobei der Betrachter und Zuhörer die Entstehungsgeschichte der jeweiligen Kreation erzählt bekommt. Eine fast surrealistische Schau oder, wie Starck sagt, "eine Ausstellung, die keine ist".
"Kommen Sie, kommen Sie, es gibt nichts zu sehen, sondern viel zu erfahren! Hören Sie dem eingebildeten Mann zu, der sagt, er habe alles gemacht!" verkündet ein weißgeschminktes Gauklergesicht auf dem Bildschirm vor dem Eingang. "Damit fängt mein Demontageprozess an, der mit den Büsten auf den Säulen weitergeht", sagt Stark und verweist auf das Schicksal des rumänischen Diktators Ceausescu, der als er Säulenbildnisse von sich machen ließ, gestürzt worden sei. "Und wenn ich stürze, werde ich nicht mehr das sein, was man aus mir gemacht hat. Ich bin dann kein Star mehr. Wir werden Freunde sein, denen ich mein Leben erzählen kann", erklärt Starck.
Und so erfährt der Besucher von den elf Starck-Büsten auf der 800 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche in Form einer Ellipse, wie der Designer beispielsweise auf die Idee für den mehrköpfigen Teddybär "TeddyBearBand" kam. "Ich machte mir Gedanken über die Treue heutzutage. Eigentlich fängt das Problem schon bei den Kindern an. Man bringt ihnen einen Teddy von einer Reise mit, einen zweiten von einer anderen Reise, dann einen dritten. Das Kind kann keine Beziehung zu seinem ersten Teddy aufbauen. Es konsumiert Teddys wie es später Frauen konsumieren wird. Also habe ich einen Plüschteddy entworfen, der mehrere Köpfe hat", erzählt eine Büste im Plauderton, während auf dem Bildschirm über ihr das Modell "TeddyBearBand" erscheint.
Eine weitere Büste verrät, warum Starck unbedingt das Motorrad "X Ray" entwerfen wollte. "Das Auto ist dumm. Es transportiert vor allem leeren Raum. Das Motorrad hingegen ist die Verlängerung des Körpers. Ich bin ein Motorradfan, und überall, wo ich hinschaute, sah ich falsche Choppers, falsche Motorräder. Also entwarf ich das wahre Motorrad. Ich fügte nichts hinzu, sondern vereinfachte die Formen." Einfache und schlichte Linien charakterisieren auch die meisten seiner Modelle - gleich ob es sich um den Hocker "Colucci" oder um den Aschenbecher "Joe Cactus" handelt.
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