Sie fletschen die Zähne und drohen mit den Tatzen: Unter Wasser zeigen Hunde ihr wildes Wesen. Festgehalten hat es der US-Fotograf Seth Casteel in seinem neuen Bildband. Von Ilona Kriesl
Der Ball fliegt und landet im Wasser. Kurz darauf: Ein Sprung, es spritzt. Für wenige Sekunden verschwindet das zottelige Tier in den Fluten, ehe es mit dem Ball im Maul auftaucht. Triumphierend schwimmt es an Land zurück und schüttelt seine Mähne: das altbekannte "Bring-den-Ball-Spiel". Eigentlich nichts Besonderes. Die Bilder des US-amerikanischen Fotografen Seth Casteel beweisen aber: Unter der Wasseroberfläche spielt sich großes Kino ab.
Über 250 Vierbeiner lichtete der Fotograf für sein Projekt "Hunde unter Wasser" ab, 68 von ihnen schafften es tatsächlich in den gleichnamigen Bildband. Labradore und Golden Retriever sind darunter, aber auch ein Yorkshire Terrier und ein Mops. Geschickt verknüpft Casteel den natürlichen Spieltrieb der Vierbeiner mit ihrer Liebe zum Wasser. Seine Hunde jagen Bällen hinterher, springen in Becken, rudern mit den Tatzen.
Wie Wesen aus einer anderen Welt muten sie dabei an, mit ihrem weit aufgerissenen Schlund. Vom stubenreinen Dackel oder dem gehorsamen Labrador ist unter Wasser nicht mehr viel übrig geblieben. Seth Casteel fängt besondere Momente ein. Es sind ungezwungene Augenblicke zwischen Spiel und Spaß, Chaos und Komik. "Hunde haben auch etwas Wildes", erklärt Casteel. "Sie ergreifen gern die Gelegenheit, ihre urtümlichen Instinkte auszuleben."
Vielleicht faszinieren seine Bilder gerade deshalb so sehr: Weil sie das Unbezähmbare im Hund zum Vorschein bringen.