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Die illustren Bewohnern des coolsten Altersheims der Welt

In Mailand wird für alte Musiker mit leeren Taschen gut gesorgt. In der Casa di Riposo profitieren sie von Giuseppe Verdis großartigem Vermächtnis: den Urheberrechten an all seinen Opern. Der Komponist sorgte für einen würdevollen Lebensabend seiner Kollegen. 

Ein älterer Herr am Flügel, ein weiterer und eine Dame singen dazu

Musik gehört für die Bewohner des Altersheims Casa di Riposo nach wie vor zum Leben. Jeder kann sich mit seinem Talent einbringen. Die Aufnahmen von Eric Bachmann entstanden 1981, sie wurden nun in einem Bildband veröffentlicht.

Von außen feudal und von innen voller Musik: An Piazza Buonarotti erhebt sich unter der Hausnummer 29 eine charmante Villa, die Casa di Riposo, auch Casa Verdi genannt. Dort leben Musiker – von der Opernsängerin über Komponisten bis hin zur Ersten Geige – zu denen das Leben nicht ganz so gut war wie zu ihrem Gönner Giuseppe Verdi. Ihnen fehlen die Mittel, um selbst für ihre Zeit als Senioren aufzukommen, manchmal, weil sie nie genug verdient haben, manchmal auch, weil ihnen das Geld wie gewonnen so zerronnen abhanden gekommen ist. Doch egal, ob es mit der eigenen Karriere nie geklappt hat oder die großen Gagen einfach verpufft sind, ihr berühmter Kollege hat vorgesorgt und zwar schon 1896. 60 Menschen finden in der Casa Verdi Platz, über die der Komponist auf die Frage, welches seiner Meinung nach sein bestes Werk sei, einmal gesagt hat: "Das Altersheim in Mailand."

Während Verdi und seine Frau Giuseppina Strepponi in der Gruft des Altersheims bestattet sind, sorgen die Einnahmen aus den an seinen zahlreichen Werken dafür, dass die Bewohner der Casa di Risposo per Musicisti, so der vollständige italienische Name des Altersheims für Musiker, einen würde- und stilvollen Lebensabend verbringen. 

Casa Verdi: ein mehrfach verehrtes Vermächtnis

Bereits 1984 hat der Schweizer Regisseur Daniel Schmidt der Casa Verdi gehuldigt: In seinem Dokumentarfilm "Il Bacio di Tosca" ("Der Kuss der Tosca") hat er die Bewohner des Altersheims liebevoll porträtiert. Ende des vergangenen Jahres erschien eine weitere Anerkennung von Verdis : der Bildband "Casa Verdi" mit Aufnahmen des Schweizer Fotografen Eric Bachmann, in denen die Bewohner des 1981 verewigt worden sind. Über die Porträts hinaus enthält das Buch auch Fotografien von Dokumenten aus früheren Zeiten, die die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg überdauert haben. Eine Sammlung, die nicht nur Verdi-Fans anrührt.

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