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Was vom technologischen Fortschritt der Sowjets übrigblieb

Besser, höher, stärker sind die wichtigsten Ideale einer Regierung, die Macht demonstrieren will. Das Erreichen von Zielen rechtfertigt nahezu alles. Nimmt der Fortschritt dann eine andere Richtung, bleibt plötzlich merkwürdiger Schrott zurück.

Senkrechtstartflugzeug WWA14

Russland, Region Moskau, 2013: Amphibien-Senkrechtstartflugzeug WWA14. Die UdSSR ließ 1976 nur zwei dieser Flugzeuge bauen, von denen eines beim Transport zerstört wurde.

Es ist ein sehr eigenwilliger Fotoband, den Danila Tkachenko mit "Restricted Areas" geschaffen hat. Manche Bilder wirken wie von einem "Star Wars"-Filmset, wo eine Szene auf dem entlegenen Eisplaneten Hoth gedreht wird: gigantische, merkwürdig geformte Geräte mitten in einer aseptisch wirkenden, eingeschneiten Landschaft – nur Luke Skywalker und sein Tauntaun fehlen. Denn tatsächlich handelt es sich um das, was früher einmal für eine große Zukunft stand: wichtige Technologiezentren Russlands, die heute verlassen sind. Der Bildband des 27-Jährigen zeigt sein Gewinnerprojekt beim European Publishers Award For Photography von 2015.

Danila Tkachenko wurde 1989 in Moskau geboren und studierte Dokumentarfotografie an der Rodschenko-Schule für Fotografie und Multimedia in Moskau. Trotz seines jungen Alters hat er bereits zahlreiche Preise gewonnen und seine Fotografien wurden in diversen internationalen Zeitungen und Magazinen veröffentlicht, darunter etwa "The Guardian", "Wired" und "Vice".

Das Streben nach Perfektion

Das Projekt "Restricted Areas" (Sperrgebiete) zeigt, was von dem Streben nach Macht durch technologischen Fortschritt übrigblieb. Tkachenko berichtet, wie er es umgesetzt hat: "Für das Projekt bin ich auf der Suche nach Orten, die besonders wichtig für das Konzept des technologischen waren, viel gereist. Diese Regionen sind heute verlassen. Sie haben ihre Bedeutung verloren, ebenso wie die utopische Ideologie, die heute obsolet ist. Viele dieser Orte waren früher geheime Städte, die weder auf Landkarten noch in öffentlichen Archiven verzeichnet waren. Jeder Fortschritt kommt früher oder später zum Erliegen."

Noch immer gibt es in Orte, die kein Mensch betreten darf, der nicht eine Sondergenehmigung oder Verwandte dort wohnen hat. So zum Beispiel auch die geheime Stadt Tscheljabinsk-40, die bis 1994 auf keiner Karte zu finden war. Hier wurde die erste sowjetische Atombombe entwickelt. 1957 geschah dort der erste Atomunfall, der dasselbe Ausmaß wie die Tschernobyl-Katastrophe hatte und damit einer der größten der Geschichte ist. Er konnte geheimgehalten werden, weil der Wind nach Osten wehte.

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