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9. Juli 2008, 10:30 Uhr

Angst und Nähe

Sie ist eine Diva, eine Ikone. Vor allem aber ist Romy Schneider extrem verletzlich. Kaum jemanden lässt die Schauspielerin so nah an sich heran, wie Robert Lebeck. In Schneiders Pariser Wohnung macht der stern-Fotograf 1981 eines seiner Lieblingsbilder. Von Philipp Gülland

Romy Schneider und ihre Tochter Sarah: So nah wie Robert Lebeck kam kein anderer Fotograf an die Schauspielerin heran© Robert Lebeck/Picture Press

"Du machst mir Angst - und ich mach Dir Angst - vergiss mich schnell - aber bitte sag mir gute Nacht." Hat sie ihm einmal geschrieben. Fünf Jahre ist es her, dass Robert Lebeck diese Zeilen auf einem orangen Papierfetzen unter der Tür seines Hotelzimmers im österreichischen Zwettl findet. Urheberin des wirr-romantischen Gekritzels ist Romy Schneider - atemberaubend schön, vom Schicksal gebeutelt und vor ihren Sissi-Image auf der Flucht. Damals, im Dezember 1976, teilen Robert Lebeck und seine Leica mit der Schauspielerin das Bett. "Sie wollte nur reden" wird sich der Fotoreporter später erinnern. Lebeck, der charmante Um-den-Finger-Wickler, will nur Bilder. Er sitzt, hört zu, drückt auf den Auslöser und schläft schließlich neben der verletzlichen Diva ein - näher wird ihr kein anderer Fotograf jemals kommen.

Flucht und Kampf

"Lebo", wie sie ihn nennt, genießt das Vertrauen der mädchenhaften Leinwandheldin. Der ruhige Berliner mit dem gewinnenden Lächeln zeigt in seinen Bildern, was andere Fotografen nie zu sehen bekommen: den Menschen hinter der Schauspielerin Romy Schneider - Rosemarie Magdalena Albach. Lebeck begleitet die stürmischen letzten Jahre der Frau auf der Flucht vor Sissi. Eine Panikblüte voller großer und kleiner Katastrophen, intensiv und extrem. Beziehungen und Ehen scheitern. Einer ihrer Ex-Männer, der Regisseur Harry Meyen, nimmt sich 1979 das Leben. Ihr Sohn David Christopher verunglückt 1981 tödlich. Rastlos und in atemberaubendem Tempo lebt Romy Schneider dahin: Zwischen Filmdrehs, Depressionen, Alkohol, Tabletten und Schulden findet sie kurze Momente des Glücks - und verliert zusehends den Halt.

Kichern und Koalas

Einen dieser unbeschwerten Augenblicke teilt sie auch mit "Lebo". Eigentlich soll der stern-Fotograf an diesem Frühlingstag 1981 nur ihren Reisepass ablichten. Der stern illustriert seine Interviews gerne mit dem Ausweis des Gesprächspartners. Nach einer Nierenoperation und einigen Wochen in einem Sanatorium in der Bretagne erholt Romy sich in ihrer Pariser Wohnung. Das Interview, das sie dem stern in der Bretagne gab, reicht sie Lebeck redigiert und mit zwei Randnotizen zurück: "Es gibt unglücklichere Frauen als mich" und "Ich werde weiterleben - und richtig gut!" In der Avenue Bugeaud kommt sie zur Ruhe. Lebeck wird später zurückdenken: "Romy kicherte, ihre Tochter Sarah kletterte auf ihr herum wie ein Koalabär auf einem Eukalyptusbaum, und während die beiden miteinander Spaß hatten, tat ich das, was ich in solchen Situationen immer tue: ich fotografierte."

Lieblingsbilder

Während Romy Schneider und ihre Tochter ausgelassen lachen, toben und schmusen, mischt sich hier und da ein leises "Klick" in ihr Kichern und prusten. Ruhig und mit sicherem Gespür für die richtigen Augenblicke drückt Lebeck den Auslöser seiner Leica. Später sagt er: "In diesen Minuten in der Avenue Bugeaud brachte ich mit den beiden eine meiner liebsten, intensivsten Bildserien zustande." Ein Bild sticht dabei besonders hervor: Romy, die rastlose, mit ihrer Tochter Sarah kuschelnd. Ihre Augen geschlossen, der Körper entspannt, das Gesicht voller Zufriedenheit - Sissi ist angekommen.

Von Philipp Gülland
 
 
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