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18. Juli 2007, 10:20 Uhr

Brandt, Breschnew und Barbara

1973 treffen sich in Bonn die Staatschefs Brand und Breschnew. Eine erste warme Geste im Kalten Krieg, ein Schritt in Richtung Frieden und zugleich ein Drahtseilakt zweier Systeme. Die "FAZ"-Fotografin Barbara Klemm wird Zeugin dieser entspannt angespannten Begegnung. Von Philipp Gülland

Willy Brandt ist umgeben von Dolmetschern und Beratern, links von ihm sitzt Leonid Breschnew© Barbara Klemm

Nachdenklich sitzt er da: Willy Brandt ist umgeben von Dolmetschern und Beratern, links von ihm sitzt Leonid Breschnew, zu seiner rechten Bundesaußenminister Walter Scheel. Anspannung liegt in der Luft, die Entouragen der beiden Staatsmänner verbreiten Hektik, reden bemüht auf den Bundeskanzler ein. Die beiden Hauptprotagonisten wirken da vergleichsweise entspannt - so entspannt man sein kann, bei diesem Balanceakt: Respektvoll miteinander umgehen, sich annähern, Frieden anstreben und niemanden provozieren in diesem diplomatischen Minenfeld zwischen Pershing und SS-20-Raketen.

Protokoll und Pionierleistungen

Dieses nachdenkliche Gespräch fotografiert Barbara Klemm am 19. Mai 1973. Es ist der erste offizielle Besuch eines sowjetischen Staatschefs seit dem Zweiten Weltkrieg, eine Pionierleistung. Breschnew hat seine Reise lange vorbereitet und sich gründlich abgesichert. Die Zeichen stehen günstig. Die Moskauer Zeitung "Nowoje Wrenia" titelt: "Das Barometer zeigt auf Schönwetter." Alle hoffen auf den Frieden und doch bleibt die Mission heikel.

Gestern ist der oberste Sowjet mit seiner Delegation auf dem Flughafen Köln/Bonn gelandet. Noch auf dem Rollfeld tauschten die beiden Staatsmänner einen ungewöhnlich langen Händedruck aus, eine von vielen kleinen Gesten zur Entspannung der Situation. Das Protokoll sieht für den Abend ein Bankett im Palais Schaumburg vor, über 60 geladene Gäste dinieren zu Ehren Breschnews - man unterhält sich angeregt.

Heute, am 19. Mai soll es ein kurzer Stehempfang im Kanzleramt werden, vor dem Mittagessen. Aber die Herren ziehen sich doch auf eine Sitzgruppe im Nebenraum zurück. Wasser und Saft stehen auf dem Tisch, von rechts langt eine Hand ins Bild, jemand nascht Kekse. Die Runde wirkt wie ein außerprotokollarischer Zwischenstopp.

Stille Kämpferin mit der Kamera

Am Rand dieser Runde fällt Barbara Klemm wohl kaum auf. Die zierliche Frau arbeitet still und zurückhaltend: "Ich rattere nicht einen Film durch. Ich versuche mich immer rauszunehmen und nicht zu dominieren", sagt sie einmal über die Intimität ihrer Aufnahmen. Die Fotografin nimmt sich ihre Bilder in aller Ruhe, statt ihnen hinterherzujagen. Diese unscheinbare, stille Frau mit dem wachen Blick ist eine Kämpferin, sie hat einen steinigen Weg hinter sich. Mit 14 verlässt sie die Schule: "Dort hat es nicht so geklappt", erinnert sie sich später. Ihr Vater schlägt Fotografie vor. In einem Portraitatelier lernt sie schließlich das Handwerk und findet dann eine Anstellung als Klischografin bei der "FAZ" in Frankfurt. Sie hofft, dort irgendwann zu fotografieren. Fünf Jahre schlägt sie sich als freie Fotografin für das Blatt durch, dokumentiert die Studentenbewegung und kämpft für ihre Bilder bevor ihr 1970 ein fester Vertrag angeboten wird.

Von Philipp Gülland
 
 
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