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25. April 2007, 09:50 Uhr

Die Flagge der Verzweiflung

Die strategische Lage der keinen Insel Iwo Jima machte sie zum brutalsten Schlachtfeld des Pazifik-Krieges: 30.000 Soldaten starb in zwei Monaten. Das Bild Flaggen hissender Marines des AP-Fotografen Joe Rosenthal erzählt von Patriotismus, Mut und Verzweiflung. Von Philipp Gülland

Das Bild der Marine mit der Flagge brennt sich ins visuelle Gedächtnis ein und wurde sogar in Bronze gegossen© Joe Rosenthal/AP

"Die Situation war unmöglich," wird er später sagen. "Keiner, der den Strand überlebt hat, kann sagen, wie. Es war, wie durch Regen zu gehen, ohne nass zu werden." Joe Rosenthal war unter den ersten, die am 9. Februar 1945 auf dem erbittert umkämpften Eiland landen: Amerika will die Insel, Japan will sie nicht verlieren. Flammenwerfer, Napalm und Handgranaten sind die barbarischen Waffen dieser Schlacht, Rosenthal ist einer ihrer Chronisten. 36 Tage dauert der Kampf um Iwo Jima, fast alle der 22.000 japanischen Verteidiger lassen ihr Leben, 6.800 Marines sterben auf einem der gnadenlosesten Schlachtfelder des zweiten Weltkriegs.

Für die Ewigkeit konserviert

"Ich bin zutiefst dankbar, dass mein Bild solche Resonanz erzielt hat. Ich war nur zufällig da. Es könnte jeder Fotograf gewesen sein, oder das Bild wäre vielleicht nie entstanden, aber zufällig war ich da." Das wird Rosenthal Jahrzehnte später in einem Interview erklären. Für die Nachrichtenagentur AP begleitete er die amerikanischen Marine-Infantristen einige Tage, machte insgesamt 65 Aufnahmen. Vier davon zeigen das Aufstellen der Flagge auf dem Mount Suribachi, jeweils 1/400 Sekunde konserviert er so für die Ewigkeit. Die Szene trug sich am 23. Februar 1945 zu. Die Kampfhandlungen dauerten schon zwei Wochen an, Tausende - Japaner und Amerikaner - waren gefallen und die Insel bestand nur mehr aus verbrannter Erde, Bunkern und Trümmern.

Rosenthal erinnerte sich später noch genau an die Situation: "Ich stieg gerade den Hügel hoch. Vor mir tauchte langsam eine Flagge auf, an einem langen Stock im Wind flatternd. Also hielt ich an - das war unsere Flagge. Ich ging weiter und überlegte, was für ein Bild ich wohl bekommen würde, sicherlich keins vom Aufstellen einer Fahne, die war ja schon oben. Als ich mich dem Stock näherte, sah ich einige Marines am Boden knien und mit einem weiteren Masten hantieren..." Die Fahne soll gegen eine größere, weithin Sichtbare getauscht werden, um die Moral der US-Truppen zu heben. Glücksfall und Herausforderung für den Fotografen: "Ich stellte mir das mögliche Bild vor, es war heikel. So etwas ist wie ein Football-Spiel, die Sache entwickelt sich sehr schnell und unberechenbar. Die Perspektive könnte ungünstig sein, oder ich könnte Alles total verpassen. Ich habe geschätzt, wo die Marines sein würden, wo die Flagge sein würde, und wo ich sein müsste, um alles zu erfassen. So entstand das Foto, und wenn du auf diese Art ein Bild machst, gehst du nicht hin und sagst, dass du eine tolle Aufnahme hast. Denn du weißt es nicht."

Ruhm, Perfektion und Vorwürfe

Später wissen alle, dass das Bild gut ist, perfekt sogar. Rosenthal hat den dramatischen Höhepunkt einer symbolischen Handlung erfasst und in ein Bild von fesselnder Prägnanz gekleidet. Er wird bei AP als Held gefeiert, erhält für die Aufnahme noch im selben Jahr den begehrten Pulitzer Preis und kann mit all dem Ruhm letztlich nicht anfangen. Oft sagt er, die wahren Helden seien die jungen Männer gewesen, er nannte sie "meine Marines", die dort kämpften und starben. Er sei nur ein Reporter mit einer Kamera.

Seit Jahre ranken sich Mythen um Rosenthals Aufnahme: Er habe das eigentliche Ereignis verpasst und sein Bild hinterher gestellt, heißt es immer wieder. Die Vermutung ist zunächst naheliegend, ein derart perfektes Bild wirft Fragen auf: Kann das Zufall sein? Hat er vielleicht nachgeholfen? Das war doch bestimmt geplant, oder? Tatsache ist, dass Rosenthal und die überlebenden Marines von der US-Regierung auf Propaganda-Tour geschickt wurden. Tatsache ist auch, dass auf anderen Aufnahmen Soldaten winkend und lachend unter der Flagge posieren - offensichtlich gestellte Bilder, aber eben deutlich als solche zu erkennen. Rosenthal selbst gibt später zu bedenken: "Hätte ich das Bild inszeniert, ich hätte es bestimmt ruiniert."

Aber alle Vermutungen, Gerüchte und Vorwürfe können Rosenthals "Raising the Flag on Iwo Jima" nichts anhaben: Das Foto wurde schnell zur überzeitlichen Ikone, DAS Bild überhaupt für den zweiten Weltkrieg aus amerikanischer Sicht. Es steht sogar Pate für das 1954 errichtete United States Marine Corps War Memorial, ein zwanzig Meter hohes Bronzemonument in unmittelbarer Nachbarschaft des Nationalfriedhofs Arlington.

Von Philipp Gülland
 
 
KOMMENTARE (4 von 4)
 
042020 (26.04.2007, 00:12 Uhr)
AxelR
"keinen Insel"
mein Freund, deswegen hat der Stern
so viele Dr.,bei der Redaktion:
vor ein paar Jahren konnten die nicht mal zwischen einem Wehrmacht
und SS Man unterscheiden>
042020 (25.04.2007, 23:27 Uhr)
Staudenmaier
warst du schon mal in Uniform ?
glaube kaum. the picture did help sell warbonds and help bring the war w/ Japan to an end.6800 Marines
and Sailors lost their lives.
it saved 45.000 airmen returning
from Japan that where able to make emergency landings on Iwo.
so "Propaganda" is the wrong word to use. now Adolf used the 6th
German Army as Propaganda.
330.000 went to Stalingrad, 90.000
became POW's and 5000 returned.
are you getting it ?
AxelR. (25.04.2007, 16:07 Uhr)
Was ist eine keinen Insel?
Oder sind hier die cayman-Islands gemeint?
Staudenmaier007 (25.04.2007, 15:53 Uhr)
Mein Bild des Krieges sieht anders aus.......
Es zeigt einen Jungen in schmutziger Uniform blond, schmutzig wie er weinend am Betrachter vorübergeht den Schrecken ins Gesicht geschrieben.
Auf Patriotismus kann im Angesicht der unzähligen Toten meiner Meinung nach verzichtet werden.
Fotografisch ist das Bild eine Ikone,
moralisch nur Propaganda.
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