Die Fotografin Ellen von Unwerth ist für ihre provokanten Modeproduktionen bekannt. Jetzt hat sie sich ein Sado-Maso-Märchen ausgedacht und als Bildergeschichte fotografiert.

Zwölf Frauen und zwei Männer auf dem Weg zu einem Landgut in Paris© Ellen von Unwerth
Ach, es muss an diesen Wochen im Zirkus liegen. Jung war sie damals, lebte in München und schwebte als Hippie-Elfe durch die Nacht. Und dann kam der Abend im Zirkus Roncalli, das blonde Mädchen saß in der ersten Reihe und sah einem Leben zu, das sie leben wollte. "Ich habe sofort beschlossen mitzumachen", sagt Ellen von Unwerth heute. Es war eine Art poetischer Zauber unter dieser Zirkuskuppel, der sich damals in ihrer Gedankenwelt festsetzte. Ein paar Wochen fuhr sie mit, brachte dem Clown die Keulen in die Manege und reichte dem Messerwerfer die polierten Messer. Die Welt wurde ihr zum Spiel, die Menschen darin waren Clowns, Dompteure und eben Messerwerfer.
Kindisch? Selbstverständlich. Aber so kindisch, wie es alle, die jung sind, noch einmal ausprobieren, kurz bevor der berüchtigte Ernst des Lebens beginnt und sie in grauen Anzügen und blauen Kleidern in Büros sich der Mechanik des Alltags ergeben.
Nicht so Ellen. Der Zirkus blieb ihr im Kopf, sie wurde ein erfolgreiches Model, nahm eines Tages 1986 in Afrika die Kamera eines Fotografen in die Hand, fotografierte so ganz en passant fünf, sechs Filme voll und gehört seitdem zu dem Dutzend Fotografen, die einem einfallen, wenn man an gute Fotos denkt.