Nackte Jungs von nebenan in schräger Optik - Nicole Rüdiger und Elke Kuhlen veröffentlichen im Selbstverlag ein Pornoheft von Mädchen für Mädchen mit Interview von Charlotte Roche.

© Glück
Wir denken, dass Frauen sich durchaus gerne nackte Männer ansehen. Aber eben mit einer komplett anderen Ästhetik. In "Glück" zeigen wir ganz normale Typen von nebenan und nicht den muskelbepackten Superman am Bergsee.
Eher beides. Wir sind jedem der Jungs sehr, sehr dankbar, dass sie sich für "Glück" ausgezogen haben. Die Shootings sind bisher so gelaufen, dass wir Freunden von unserer Idee erzählt haben und dann diese wieder ihren Freunden davon erzählt haben - bis einer dabei war, der gesagt hat: Ich versuch's mal! Natürlich hat es auch mit der finanziellen Not zu tun, dass kein Shooting richtig ausgeleuchtet ist oder mit Photoshop retuschiert wurde.Wir haben meist nur Geld für zwei Filme. Und dann werden eben die Fotos genommen, die nicht zu dunkel oder zu verwackelt sind.
Natürlich bestellen auch schwule Jungs das Heft. Das ist auch toll so. Aber die meisten Besteller sind Frauen, die sich über diesen Teil der "Gleichberechtigung" sehr freuen.
Da wir Mädchen sind, wollten wir natürlich auch ein mädchenhaft ansprechendes Layout. Wir erscheinen immer dann, wenn wir genügend Geld beisammen haben, um ein neues Heft drucken zu lassen. Nur der Druck kostet pro Stück schon 3,50 Euro. Geld verdienen wir damit nicht. An den Kiosk zu kommen, wäre natürlich toll, aber einen Vertrieb für "Glück" zu finden scheint etwas schwierig zu sein.
Nicole und ich hatten die Idee schon sehr lange. Irgendwann haben wir uns dann überlegt, okay, wir machen das jetzt einfach mal zum Selbstkostenpreis und hoffen, dass unsere Freunde und deren Freunde aus Nettigkeit auch ein Heft kaufen. Für das erste Heft haben wir zwei Monate gebraucht. Erst trug es noch unseren Lieblingsnamen "Lecker". Da der Heinrich Bauer Verlag ein Kochmagazin mit dem gleichen Namen hat, mussten wir den ändern. David gegen Goliath eben...
Charlotte und wir haben eine gemeinsame Freundin, die das Gespräch mit ihr geführt hat. Wir haben es dann einfach mal gedruckt.
Wir machen "Glück" nicht nur, um nackte Jungs zu zeigen, sondern weil wir es auch leid waren, ständig in allen Magazinen nur die 15 neuesten Flirttipps zu lesen, oder uns Gucci-Handtaschen, die wir uns sowieso nicht leisten können, aufs Auge drücken zu lassen.
Wir machen uns erst Gedanken über das dritte Heft, wenn wir genügend Geld dafür haben.
Tja, das sagen uns viele. Wir haben eben leider keine finanziellen Möglichkeiten, um uns eine richtige Webseite machen zu lassen.
Wir haben definitiv richtig gemacht, dass wir das Heft einfach so gemacht haben, ohne über irgendwelche Folgen nachzudenken. Natürlich hätten wir manche Dinge professioneller angehen können. Was man einfach nicht vergessen darf, ist, dass unser Baby ein Hobbyprojekt ist, von dem wir nicht leben können. Wenn das irgendwann einmal so sein sollte, ist das natürlich toll, aber davon sind wir noch sehr, sehr weit entfernt.
Das Interview führte Carsten Scheibe, Typemania.
Info: Nicole Rüdiger und Elke Kuhlen, www.gluecksheft.de