Startseite

Der schlimmste Ort der Welt

An diesem Ort möchte man nicht seinen nächsten Urlaub verbringen: Der Karatschai-See im Osten Russlands gilt als der am stärksten verschmutzte Ort der Welt. Unsere Fotostrecke erinnert an ein post-apokalyptisches Szenario.

Karachai-See

Der Karachai-See im südlichen Uralgebirge Russlands gilt als der am stärksten belastete Ort der Erde. Jahrelang diente er in der ehemaligen Sowjetunion als Atommüll-Kippe. Nukleare Zwischenfälle und radioaktiver Staub haben die gesamte Region um den See schwer belastet. Dennoch leben in der Region Menschen, für die der sorglose Umgang mit den verstrahlten Abfällen schwere Konsequenzen hat.

Der Karatschai-See in der russischen Region Tscheljabinsk ist ein Ort, der Hollywood als perfekte Kulisse für den nächsten post-apokalyptischen Horror-Film dienen könnte - ohne dass man irgendetwas für die Kamera verändern müsste. Grund dafür ist ein schweres historisches Vermächtnis, das der gesamten Region aufgebürdet wurde: Seit 1951 und dem nuklearen Wettrüsten des Kalten Krieges, nutzte die ehemalige Sowjetunion den Karatschai-See als Müllkippe für atomaren Abfall aus der Atomwaffenherstellung.

Bis der See als Atommüll-Lager ausgewählt wurde, wurden atomare Abfälle direkt in das Tetscha-Fluss-System geleitet, was bei der anliegenden Bevölkerung schnell verschiedenste strahlungsbedingte Krankheiten hervorrief. Um dem entgegenzuwirken wurde der Karatschai-See ab 1951 für mehrere Jahre zur Entsorgung atomarer Abfälle genutzt. Zwischenzeitlich wurde der kontaminierte Müll in Tanks gelagert. Die Explosion eines solchen im Jahre 1957 wurde als Kyschtym-Unfall bekannt, beidem große Mengen Strahlung austraten.

Karatschai-See später mit Beton abgedeckt

In den 60er-Jahren begann der Karatschai-See langsam auszutrocknen. Die radioaktiven Sedimente wurden in Form von Staub mit dem Wind in nahegelegene Siedlungsgebiete getragen und belasteten eine Fläche von 1800 Quadratkilometern sowie eine halbe Millionen Menschen, die in der Region lebten. Das Gebiet war durch den Kyschtym-Unfall bereits vorbelastet. Um das radioaktive Sediment zu binden wurde der Karachai-See zwischen 1978 und 1986 vollständig mit Beton abgedeckt. Dennoch, wer sich heute in direkter Nähe des von Teilen des Sees aufhält, riskiert laut russischen Wissenschaftlern eine akute Verstrahlung.

In einer Studie der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) aus dem Jahr 2005 wird der See als potenzielle Quelle für die Kontaminierung des Arktischen Ozeans angeführt. Über das Grundwasser könne Strahlung von dem See über das Tetscha-Fluss-System, welches bereits starke Belastung aufweist, bis in die arktischen Gewässer gelangen. Das atomare Erbe bedroht die ganze Region - vor allem aber die Menschen im nahegelegenen Dorf Muslyumovo und in anderen Siedlungen vor Ort. Unsere Fotostrecke liefert einen Einblick in die Umgebung einer vergessenen Umweltkatastrophe - und in das Leben der Menschen, die vom Erbe einer vergangen Ära heimgesucht werden.

amt
täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools