21. Dezember 2012, 09:10 Uhr

Zwölf Extrablätter

Früher war Conny Wenk Managerin. Die Geburt ihrer Tochter, die das Down-Syndrom hat, krempelte ihr Leben um. Heute porträtiert die Fotografin behinderte Kinder. Bilder, die Mut machen. Von Lea Wolz

Anja ist eine junge Mutter. Vier Kinder hat sie, ihr jüngstes, die auf dieser Aufnahme acht Monate alte Sontje, kam mit der Diagnose Down-Syndrom zur Welt. Für ihren Kalender "A little extra" hat die Stuttgarter Fotografin Conny Wenk berührende Aufnahmen von dieser und anderen Familien mit behinderten Kindern gemacht. Dabei sind Bilder entstanden, die Lebensfreude und Hoffnung ausstrahlen - und nicht zuletzt Mut machen.

"Wir brauchen kein Mitleid", sagt Wenk. "Wir", das sind für sie Eltern von Kindern mit Down-Syndrom. Vor elf Jahren erfuhren Wenk und ihr Mann, dass ihre Tochter Juliana mit dem Down-Syndrom geboren wurde. "Die Diagnose war für uns erst einmal ein Schock", erinnert sich die 45-Jährige. "Unsere Welt ist ziemlich ins Wanken geraten."

Doch wenn Wenk heute davon erzählt, klingt sie nicht betrübt. Sie strahlt Fröhlichkeit aus, ist voller Energie, mitreißend. "Unser Tochter hat uns den Weg gezeigt", betont sie. "Sie hat mein ganzes Leben umgekrempelt."

In ihrem "früheren Leben", wie sie sagt, war Wenk Personalleiterin in einem Stuttgarter Unternehmen. Sie hat Betriebswirtschaft studiert, machte Karriere, war "in dem Leistungshamsterrad". Die Geburt ihrer Tochter bedeutete eine Zäsur. Ihre Frauenärztin gab ihr die Telefonnummer einer anderen Mutter, die ebenfalls ein Kind mit Down-Syndrom hatte. Die lud Conny Wenk zu einem Kaffeekränzchen ein, einem Erfahrungsaustausch mit anderen Müttern.

"Ich war sehr aufgeregt", sagt Wenk. "Ich wusste ja nicht, was mich dort erwarten würde." Doch ihre Befürchtungen, dass sie auf eine traurige Runde stoßen würde, bestätigten sich so gar nicht. "Die Mütter waren gut gelaunt, die Kinder verhielten sich ganz natürlich", erinnert sie sich.

Auf diesem Treffen entstand die Idee, einen Fotoband über die Frauen und ihre Kinder zu machen. "Die Fotografie war schon immer meine Leidenschaft", sagt Wenk. Durch diesen Zufall wurde sie zu ihrem Beruf. Der Bildband "Außergewöhnlich" erschien 2004. "Danach meldeten sich viele Familien und fragten, ob ich sie fotografieren könnte", sagt Wenk.

Seit 2010 gibt die Stuttgarterin einen Jahreskalender heraus, für den sie zwölf schöne Aufnahmen auswählt. Mit "A little extra" will Wenk vor allem eines zeigen: "Ein Leben mit einem Kind mit Down-Syndrom bedeutet nicht, weniger Glück, Spaß und Freude zu erfahren." Der Kalender, der nun zum vierten Mal erscheint, solle dazu beitragen, der Diagnose Down-Syndrom den Schrecken zu nehmen.

Die Fotostrecke gehört zu den eindrucksvollsten, die stern.de im Jahr 2012 gezeigt hat. Bilder des Jahres und weitere Jahresrückblick-Strecken finden Sie hier: zum Jahresrückblick 2012.

 
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