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Berlins coolste Sau

Sie ist mehr als ein Mensch, sie ist ein Phänomen, die Sängerin und Performancekünstlerin Peaches. Kreativ, provokant, in allem, was sie tut, extrem. Sie bricht Tabus und überschreitet Grenzen. Holger Talinski hat sie für ihren Bildband jahrelang begleitet.

Von Susanne Baller

Peaches streckt einen Arm über den Kopf, ein Mann mit weißem Zylinder leckt durch ihre Achselhöhle

Im Theater La Cigale in Paris trat Peaches 2009 auf. Die Sängerin lebt seit ein paar Jahren in der deutschen Hauptstadt, ebenso wie Holger Talinski, der sie für den Bildband "What Else Is in the Teaches of Peaches" fotografierte.

Wenn andere Stars Peaches beschreiben sollen, klingt das bei R.E.M.-Sänger Michael Stipe zum Beispiel so: "Peaches steht aufrecht und unerschrocken. Das ist meine Definition eines Helden, einer Heldin, progressiv, ikonenhaft und bereit, die Welt zu erobern." Ihre Landsmännin, die fast 20 Jahre jüngere kanadische Schauspielerin Ellen Page, sagt über die 46-Jährige: "Peaches ist grausam, unerbittlich, sexy, selbstbewusst und gibt ihrem Publikum alles von sich ... Sie ist ein Mensch, der inspiriert." Und Yoko Ono schließlich, für die sie sich auf der Bühne komplett auszog, sagt: "Peaches ist eine unglaubliche Künstlerin ... Danke, Peaches, dass du die Perfomancekunst um ein langes und spannendes Leben ergänzt hast."

Alle drei Zitate finden sich in dem Bildband "What Else Is in the Teaches of Peaches", den Peaches gemeinsam mit dem Berliner Fotografen Holger Talinski herausgebracht hat. Seit 2008 hat Talinski die Sängerin nicht nur auf Tourneen begleitet, sondern sie auch während ihres Ein-Personen-Musicals "Peaches Christ Superstar", ihrem Opernauftritt in Monteverdis "L'Orfeo" sowie in Yoko Onos "Cut Piece" fotografiert. Nach ihren extrem anstrengenden Shows durfte der mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Talinski die ausgepowerte Künstlerin ebenso aufnehmen wie vorher bei den Proben und zu Hause bei ihren Eltern. 

Der Titel des Buches, das ein ungewöhnlich breites Spektrum aus dem Leben der Frau zeigt, die 1968 in Toronto als Merrill Beth Nisker auf die Welt kam, spielt auf das erste Album an, das die Electroclash-Wegbereiterin als Peaches herausbrachte, "Teaches of Peaches": Es zeigt, was alles in den "Lehren von Peaches" steckt und wie viel darüber hinausgeht. Wie die Künstlerin bei jedem Live-Auftritt Vollgas gibt - und wie sie privat ist, auch mal erschöpft und verletzlich.

Wenn im September ihr neues Album "Rub" erscheint, werden ihre Fans nach der Lektüre dieses Buches ein komplexeres Bild von der Frau vor Augen haben, deren Musik sie lieben. Von der Frau, über die Yoko Ono sagte: "Sie saß still, aber ihr Körper hat ein ganzes Universum ausgedrückt." Ellen Page resümierte: "Sie bot etwas an, dass ich nirgendwo sonst gefunden habe." Und Michael Stipe staunte: "Ich war mir ziemlich sicher, dass sie nicht für mich sprechen würde. Junge, habe ich mich geirrt."

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