Jahrelang inszenierte der Fotograf Martin Usborne Hunde, die aus Autos blicken. Im Internet fand der Brite die Unterstützung, um einen prächtigen Bildband drucken zu lassen.
Mit den Bildern des Briten Martin Usborne sind die sehnsuchtsvollen Inszenierungen von Edward Hopper oder Gregory Crewdson auf den Hund gekommen. Ur-amerikanische Klassiker, nur dass hier keine Frauen im Abendkleid oder Männer im Anzug melancholisch durch die Nacht blicken sondern Hunde. Wie in einem Hollywoodfilm sind die Fotos inszeniert und ausgeleuchtet. Subtil erzählen die einsamen Hunde auf den Parkplätzen eine Geschichte. Die Vierbeiner wirken verlassen und aber auch erwartungsvoll.
Martin Usborne verwandelt den Hund im Auto damit zur existentiellen Metapher. Ein eigenes Kindheitserlebnis, als er scheinbar endlos auf einem Parkplatz im Regen wartete, gab den inneren Anstoß zu dem Projekt. Hinzu kam seine Liebe zu Hunden und - wie der Fotograf freimütig zugibt - eine Neigung zu Depressionen. Mehr als zwei Jahre arbeitet er an der Serie "The Silence of Dogs in Cars". Nun erscheint sie im Kehrer Verlag (Heidelberg, 120 Seiten, 40 Euro). Das nötige Startgeld für das Projekt sammelte Usborne über die Crowdfunding-Seite Kickstarter. Kunstsinnige Tierfreunde trugen im Internet in nur einem Monat über 30.000 Pfund (rund 37.000 Euro) zusammen.
Martin Usborne suchte seine vierbeinigen Models sorgsam aus. Rasse war ihm egal, auf den Charakter kam es an. Der Fotograf arbeitet lieber mit Tieren als mit Menschen, weil die Tiere nie posieren, da sie nicht wissen, dass sie abgelichtet werden. "Hunde sind emotional ehrlicher", bekennt Usborne. "Sie verbergen nie, wer sie sind. Für mich ist der Hund im Auto eine Metapher für jene Anteile von uns, die wir vor uns verbergen."
Nachteil der Models: Der Perfektonist Usbone benötigte jede Menge Geduld, weil seine Hunde sich nicht dirigieren lassen. Beim manchem Bild musste er bis zu 500 Mal auf den Auslöser drücken, bis die Inszenierung stimmte. Dass die Bilder eher eine düstere Stimmung verbreiten, war ihm von Beginn an bewusst. Überrascht wurde er von den subtilen Emotionen der Vierbeiner. "Manche sind traurig, andere wütend. Es war wie beim Öffnen einer Schachtel grauer Malstifte. Es dauert einen Moment, aber dann ist man ganz überrascht wie viele Nuancen man erkennt."