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"Luicella's:" Was taugt das Eis zum Selbermachen?

Die Hamburger stehen für "Luicella's" ungewöhnliche Eissorten Schlange. Mittlerweile gibt es zwei Läden in der Hansestadt. Mit ihrem Eis-Mix zum Selbermachen wollen die Gründer bundesweit bekannt werden. Wir haben den Geschmackstest gemacht.

In der Straße ist "Luicella's" bereits an der Eistüten-Girlande vor dem Eisladen erkennbar – und natürlich an der Menschentraube, die hier geduldig auf eine Kugel Eis warten. Sie wissen: Hier gibt es das beste Eis der Stadt. Das "Luicella's" ist eine Institution in Hamburg: Vor den zwei Eisdielen auf St. Pauli und in St. Georg stehen die Hamburger häufig und gern Schlange. Mit Sorten wie Karamell-Salz und Avocado-Himbeersauce heben sich die Gründer Luisa Mentele und Markus Deibler von den gewöhnlichen Eisdielen ab – und auch mit ihrer Leidenschaft fürs Produkt. Eigentlich läuft es für Luisa und ihrem Geschäftspartner Markus, Ex-Profischwimmer, der 2014 einen Schwimmweltrekord aufgestellt hat, ziemlich gut. Doch das reicht den beiden nicht: Sie wollen national bekannt werden – mit ihrem Eis-Mix für zu Hause.

Die Herstellung des selbst gemachten Eises ist kinderleicht. Es funktioniert wie eine Art Backmischung: Zum Pulver muss man in ein Gefäß nur Milch geben und mit dem Pürierstab mixen. Die Eismasse zieht dann im Froster kalt. Regelmäßiges Rühren macht das Eis besonders geschmeidig, ist aber kein Muss, wie Luisa im Gespräch mit dem stern verrät. Bislang gibt es zwei Geschmacksrichtungen: Vanille und Schokolade. Sowie zwei Eis-Mix auf Sorbet- und Milcheis-Basis. Weitere Sorten sind geplant. Nach Bedarf kann man das Eis noch mit Toppings wie salzigem Karamell, Cookies, Nüssen oder Früchten aufpeppen. Der Bausatz soll knapp fünf Euro (4,95 Euro im Online-Shop) kosten, der Geschmack soll es wert sein. Bei "Die Höhle der Löwen" am Dienstagabend suchen die Gründer einen Investor für die nötige Finanzspritze von 120.000 Euro. Dafür bieten sie zehn Prozent Firmenanteile.

Bislang bietet "Luicella's" bis zu 22 verschiedene Eissorten in ihren Läden an, die werden an guten Tagen bis zu dreimal ausgetauscht. Luisa hat Eis machen übrigens studiert – an der Università del Gelato in Bologna, dort hat sie die Basics für ein gutes Eis gelernt. Die beliebtesten Sorten werden in über 70 Einzelhandelsmärkten verkauft. Die Gründer erwarten 2017 einen Jahresumsatz von 700.000 Euro mit 100.000 Euro Gewinn.

Wie schmeckt das selbst gemachte Eis aus "Die Höhle der Löwen"?

Die Theorie ist einfach: Wie aber schmeckt der selbst gemachte Eis-Mix - und gelingt er wirklich zu Hause? Wir haben den Test gemacht:

"Wer schon einmal Eis selber gemacht hat, weiß, wie schwierig es ist, ein perfektes Eis herzustellen", weiß Luisa, die das Handwerk schließlich gelernt hat. Sie verspricht: Mit ihrem Mix kriegt jeder ein selbst gemachtes Eis perfekt hin. Dafür braucht man nicht mal eine Eismaschine (auch wenn das Eis darin noch besser gelingt), ein Pürierstab reicht.

Die Gründer haben recht. Für unseren Test mixen wir den Eis-Mix "Schoko deluxe" an und verfeinern ihn mit karamellisierten Nüssen. Die Masse füllen wir in ein Glasgefäß, machen Frischhaltefolie darüber (Tipp von Luisa, das verhindere Eiskristalle) und stellen die Schale für sechs Stunden im Tiefkühler kalt. Für ein besonders cremiges Eis sollte man die Masse nun alle 30 Minuten gut umrühren. Das Ergebnis ist großartig: Das Eis ist nicht nur wunderbar cremig, sondern schmeckt intensiv nach Schokolade. Die karamellisierten Nüsse verfeinern das Eis zusätzlich. "Der Eis-Mix ist für diejenigen, die Spaß daran haben, Eis selber zu machen und zudem experimentieren wollen", sagt Luisa. Der Kreativität sind mit dieser Basis keine Grenzen gesetzt.

Auch die Löwen sind vom Eis geschmacklich überzeugt. Wollen aber mehr Firmenanteile. Investor verlangt 20 Prozent, zudem möchte er die Milchkuh vom Logo verbannen, die würde Veganer nicht ansprechen: "Darf ich eure Kuh töten?", fragte der Investor. Zwei weitere Löwen, Dagmar Wöhrl (25 Prozent Firmenanteile) und Frank Dümmel (25,1 Prozent) wollen ins Eisgeschäft einsteigen und glauben an das Produkt. Die Gründer haben die Qual der Wahl, die Entscheidung fällt ihn alles andere als leicht. Den Zuschlag erhält Frank Thelen, der ausschließlich in Start-ups investiert.

Was hat sich seit dem Deal verändert?

Das Netzwerk, das Thelen als Großunternehmer pflegt, ist erstaunlich - erste Erfolge zeigen sich bereits: Waren es vorher 70 Märkte, in denen "Luicella's" vertreten war, sind es seit dem Deal mit dem Löwen 1300. Und zwar flächendeckend. Ab sofort gibt es das Eis bei famila, Real und Kaufland und in ausgewählten Rewe- und Edeka-Läden. Das hatten sich die Gründer erhofft, deshalb sind sie auch zur Show gegangen. "Die Anteile hätten wir nur für das Geld nicht rausgegeben. Es war uns schon wichtig, dass wir einen Partner finden, der uns in bestimmten Bereichen helfen kann", sagt im Gespräch mit dem stern.

Die Milchkuh, die zuvor Firmenlogo war, ist in "Rente gegangen", wie Michael verrät. "Aber man muss auch loslassen können", sagt Luisa. "Mit der Kuh hatten wir Schwierigkeiten, die veganen Sorten zu promoten." Die Kuh ist dem Schriftzug "Luicella's Ice Cream" gewichen und das Motto "eine Kugel Lebensfreude" dem Slogan "Unerwartet großartig". Zudem ist eine Website und "Luicella's" Rezeptbuch entstanden. Die Marketing-Strategie überzeugt. Jetzt muss sich zeigen, ob die Strategie aufgeht und Thelen mit seinen Kontakten und Erfahrungen die Marke international bekannt machen wird. Die Gründer stehen zumindest in den Startlöchern. 

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