Mobile Ansicht
Wechseln Sie für eine bessere
Darstellung auf die mobile Ansicht
Weiterlesen Mobile Ansicht
HOME

Foodblogger überschwemmen Saucenhersteller mit Rezepten

Bertolli wirbt ungelenk mit einem Rezeptlink unter dem Facebook-Post eines Foodbloggers. Der Foodblogger-Szene schmeckt so etwas gar nicht. Sie reagiert prompt - mit einem intelligenten "Dishstorm".

Von Denise Wachter

  Was hat sich Bertolli nur dabei gedacht? Mit einem Werbelink unter den Post eines Foodbloggers machte sich der Pastasaucenhersteller keine Freunde.

Was hat sich Bertolli nur dabei gedacht? Mit einem Werbelink unter den Post eines Foodbloggers machte sich der Pastasaucenhersteller keine Freunde.

Der Begriff "Shitstorm" ist den meisten Menschen längst bekannt. Der Duden definiert einen Shitstorm, als "Sturm der Entrüstung in einem Kommunikationsmedium des Internets, der zum Teil mit beleidigenden Äußerungen einhergeht". Nicht so bei einer Solidargemeinschaft von Foodbloggern. Denn diese reagierten auf einen ungewollten Werbelink, den Bertolli bei einem Foodblog mit großer Reichweite hinterlassen hat, mit Humor und etablierten den Hashtag DishStorm.

Wie es dazu kam? Bertolli, der italienische Hersteller von Pastasaucen und Olivenöl, postete einen Werbelink unter ein Rezept für Kürbis-Flammkuchen mit Ziegenkäse des Foodblogs "Penne im Topf" auf Facebook. Mit der Zeile "Lecker! Und wenn von dem Kürbis noch etwas übrig ist, kann man diesen auch super mit Risotto machen."

Die Foodblogger-Szene war entrüstet. Zu Recht! Denn Foodblogs werden mittlerweile häufiger von ungewollten Werbelinks penetriert. Was auch für die Glaubwürdigkeit und Reichweite der Foodblogger-Szene spricht. Manch ein Großunternehmen möchte davon profitieren, auch wenn die Art dieser Kommunikation mehr als platt ist.

#DishStorm bei Bertolli

Seit Montagabend nun üben die Foodblogger "Rache", aber nicht mit einem Shitstorm, der oft niveaulos endet, sondern mit Humor: Sie revanchieren sich mit ihren eigenen Rezepten - unter einem Facebook-Post von Bertolli. "Wir wollen dem Unternehmen auf eine sympathische und humorige Art zeigen, dass Spam- und Werbelinks auf anderen Fanpages keine besonders edle Methode sind, den eigenen Traffic zu erhöhen. Social Media funktioniert anders. Aber anstatt böser Mails und Kommentare gibt es jetzt eine Lawine von köstlichen Rezepten – einen #DishStorm. Wir gehen davon aus, dass Unilever das mit einem Augenzwinkern aufnimmt", sagt Bloggerin Mel Buml von Gourmet Guerilla.

Auch bei Foodbloggerin Juliane Haller vom Foodblog "Schöner Tag noch" postete Bertolli einen Werbelink. Haller reagierte sofort und beschwerte sich beim Pastasaucenhersteller: "Hallo Bertolli 1865, ich finde es sehr unschön, dass ihr meine Facebook-Seite dazu nutzt, kommerzielle Links zu platzieren, und bitte dringend darum, das künftig zu unterlassen!"

Diesmal reagierte der Pastasaucen- und Olivenölhersteller jedoch schnell und winselte eine Entschuldigung, die zeigt, dass mit Foodbloggern nicht zu scherzen ist: "Hallo Schöner Tag noch! Tut uns Leid, wenn wir Dich damit verärgert haben. War nicht böse gemeint. Wir lesen Deine Posts sehr gerne und finden, Du hast immer viele tolle, inspirierende Rezepte. (...) Wenn Du und Deine Community Euch davon gestört fühlt lassen wir das mit den Links aber künftig einfach sein. Der Dishstorm, der gerade auf unserer Seite passiert, macht das ja ziemlich deutlich Tut uns sehr Leid."

Die Presseabteilung von Bertolli äußert sich zu dem Vorfall wie folgt: "Bei den Links, die wir bei Foodbloggern gepostet haben, handelt es sich nicht um Werbelinks. Da wir zu keiner Zeit mit Bertolli-Produkten werben. Die Rezepte werden von unabhängigen Redakteuren entwickelt, die auf Honorarbasis für uns arbeiten - diese Autoren haben sogar eigene Foodblogs."

Was Bertolli dabei losgetreten hat, wird dem Saucenhersteller scheinbar jetzt erst bewusst.

Weitere Themen

täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools