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Seit der Geburt Vegetarier: So gelingt mein Leben unter Fleischessern

Konrad K. ist seit Geburt Vegetarier. Das ist gar nicht so einfach, denn der stern-Praktikant ist der einzige Vegetarier in seiner Familie und im Freundeskreis.

Vegetarisch kann ganz lecker sein: Karottensuppe mit Ingwer.

Vegetarisch kann ganz lecker sein: Karottensuppe mit Ingwer.

Ich bin schon gewesen, bevor ich auf die Welt gekommen bin. Das hat meine Mutter so für mich entschieden. Wie Eltern solche Entscheidungen eben so treffen. Nur: Meine Mutter ist gar keine Vegetarierin. Sie isst ganz gern Fleisch - Brathähnchen zum Beispiel. Das ist schon komisch. 

Mir dagegen wollte sie kein Fleisch geben, solange ich das nicht selbst entscheiden konnte. Und für bewusste Entscheidungen – Fleischesser oder Vegetarier - war ich noch zu klein. Mama-Logik. Also wurde ich zum Mini-Vegetarier. Meistens zumindest. Im Kindergarten klappte das nicht immer. Da hat man mir die gleiche Bolognese wie allen anderen ganz schnell als vegetarische Spezialität aufgetischt.

Es schmeckte mir nicht

Als ich sechs war, war es schon zu spät, um umzukehren. Da habe ich "Hühnchen am Stäbchen" von Mamas Teller probiert. Einen kleinen Bissen nur. Und der hat mir schon gereicht. Mir wurde schlecht, ich habe mich übergeben. Seitdem habe ich nie wieder Fleisch angerührt. Fisch auch nicht, für mich ist das auch Fleisch.

Natürlich finde ich es grausam, wie Menschen mit Tieren umgehen – etwa wie Hühner in diesen Stallbatterien gehalten werden. Die meisten Leute sind wohl Vegetarier, weil sie Mitleid mit Tieren haben. Aber, wenn ich ehrlich bin, ist das nicht der Hauptgrund für mein vegetarisches Leben. Mein Hauptgrund ist die Macht der Gewohnheit. Ich verspüre einfach keinen großen Drang Fleisch zu essen.

Was mir besonders wichtig ist: Ich will niemanden überzeugen. Ich habe nichts gegen Fleischesser. Und ich bin kein Missionar. Aber ich mag es gar nicht, wenn mein Essen mit Fleisch in Kontakt kommt. Keine Ahnung wieso, das finde ich echt eklig.

Und da wird mein Leben kompliziert. Ein Beispiel: Meine ganze Klasse geht Grillen. Die Lehrerin hat sogar an mich gedacht und vegetarische Würstchen gekauft. Aber die schmoren nun im gleichen Fett direkt neben den Fleisch-Würsten. Brrr!

Immer muss ich mich anpassen

Wenn ich Freunde besuche, wissen die Eltern meistens nicht, dass ich ein Vegetarier bin. Dann kommt es regelmäßig zu Missverständnissen. Die einen denken, dass ich Veganer bin und gar nichts Tierisches esse. Also auch keine Eier oder keinen Käse. Stimmt aber nicht. Das esse ich viel, ich brauche ja auch Eiweiß. Die meisten nehmen genug Eiweiß durch Fleisch auf, aber ich esse dafür ein Frühstücksei oder eine Schale Müsli. Andere Eltern denken: "Vegetarier? Dann essen wir doch Fisch!" Das geht auch nicht.  Es ist also kompliziert.

Oder frustrierend: Bei Klassenreisen gibt es nicht überall ein vegetarisches Menü. Das heißt für mich im Klartext: Ich muss die Beilagen essen. Kartoffeln und Rosenkohl – pur, ohne Soße, ohne Braten. Natürlich geht das, macht aber keinen Spaß!

Doch solche Vorfälle sind aus meiner Sicht eigentlich normal. Und ich werde viel ausgefragt, warum ich Vegetarier geworden bin. Das strengt an, aber das kann ich wohl nicht vermeiden. Und es hat etwas für sich: So setzen sich hoffentlich mehr Menschen mit ihrer Ernährung - und mit der industriellen Haltung von Tieren - auseinander.

Konrad Krabbe
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