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Bangkok will Straßenküchen verbieten – warum das ein großer Fehler ist

Die thailändische Regierung hatte es bereits angekündigt, jetzt soll es ganz schnell gehen: Bis Ende des Jahres sollen alle Garküchen aus Bangkoks Straßen verschwinden. Warum das ein herber kultureller Verlust für die Hauptstadt ist.

Bangkoks Straßenküchen

In Bangkoks Stadtviertel Phrakanong gibt es viele Garküchen. Die Stadtbehörde möchte diese kulturellen Einrichtungen nun verbieten. Was für ein Verlust!

"Klingelingeling" schellen die Glöckchen an den Garküchen in Straßen, gleich auf der anderen Seite sitzen thailändische Frauen und bieten in vorgewärmten Edelstahltöpfen und Schalen rote, grüne und gelbe Currygerichte an. Daneben ein kleiner Stand, der Fleischspieße und selbst gemachte Würste grillt. Gegenüber eine Garküche, die sich auf Thailands bestes Fast Food konzentriert hat: ein feines Nudelgericht, das Pad Thai heißt und die Geschmacksrichtungen süß, salzig und sauer miteinander vereint. Dazu schmeckt der thailändische Papaya-Salat, der ist auf den Straßen so authentisch scharf, dass sich jeder Europäer davor in Acht nehmen muss. Wer keine Lust mehr auf Herzhaftes hat, der bestellt sich von einer der vielen Straßenküchen "Mango and Sticky Rice", Mango mit klebrigem Reis, der mit Kokosmilch beträufelt wird. Zum Reinlegen lecker!

Die Garküchen auf den Straßen Bangkoks sind seit Jahrzehnten Kult und auch Kultur. Hier isst das Volk Thailands und auch jeder Tourist, der sich traut auf klapprigen Plastikstühlen mitten im Gewusel der Haupstadt zu sitzen und zu essen - meist so einfach, dass man den Gedanken an deutsche Hygienevorschriften schnell verwerfen sollte. Wer sich aber überwindet, wird etwas Großartiges erleben: authentische, köstliche thailändische Küche, die man sein Leben lang nicht vergessen wird. Damit soll nun Schluss sein!


Bangkok beraubt seine Einwohner und auch Touristen eines Kulturguts

Die Stadtverwaltung möchte seine Einwohner und auch die Touristen dieses Kulturguts nun berauben. Bis zum Jahresende sollen alle Straßenküche verboten werden. Wer schon einmal in war, weiß, wie sehr die Garküchen das Stadtbild prägen und wie besonders es ist, ein schmackhaftes Pad Thai für umgerechnet etwa 50 Cent zu erweben. Die Küchen auf den Straßen vermitteln ein bestimmtes Lebensgefühl, das es so in Europa schon lang nicht mehr gibt. Die Thailänder nehmen sich Zeit, setzen sich zum Essen hin, immer mit Freunden oder der Familie und das oft bis zu fünf Mal am Tag. In den offenen Küchen wird von früh morgens bis spät in die Nacht gekocht und gegrillt. Der Fernsehsender CNN hatte Bangkok erst kürzlich wieder zur Stadt mit der weltweit besten Straßenküche gekürt. Wie kommt es dann zu der Entscheidung der Stadt?

Die städtische Behörde Bangkok Metropolitan Administration (BMA) geht schon seit längerer Zeit gegen illegale Stände vor. Sie will die Bürgersteige den Fußgängern zurückgeben – und für Sicherheit und Sauberkeit sorgen. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Behörden noch erkennen werden, welch herber kultureller Verlust das für die Hauptstadt bedeutet. Bis dahin bleiben noch etwa acht Monate um sich von einer Straßenküche zur anderen zu futtern bis die letzte offene Küche den Gasherd anwerfen wird, um ein letztes Pad Thai zu braten.

 

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