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Deutschlands größter Starkoch darf nicht mehr in seine Küche – jetzt klagt er

40 Jahre lang kochte Harald Wohlfahrt im Gourmettempel "Schwarzwaldstube" in Baiersbronn. Er zählt zu den dienstältesten Drei-Sterne-Köchen Deutschlands. Im Mai gab er seine Leitung ab, dann kam alles andes als geplant. Die Küche darf er nicht mehr betreten.

Überraschend war es nicht, dass der dienstälteste Drei-Sterne-Koch seine Leitung abgab. Der 61-jährige Harald Wohlfahrt hat 40 Jahre in der "Schwarzwaldstube" im Hotel Traube Tonbach in Baiersbronn gekocht. Jahr für Jahr - über ein Vierteljahrhundert hinweg - hat Wohlfahrt drei Sterne erkocht. Das ist Rekord in Deutschland. Der Abgang war von langer Hand geplant. Schon seit vergangenem Jahr stand Wohlfahrt in einer Art Doppelspitze mit seinem langjährigen Sous-Chef Torsten Michel gemeinsam am Herd, der sollte ab Sommer die Leitung übernehmen. Eigentlich sollte es ein sanfter Übergang sein.

Im Mai dieses Jahres hieß es noch, dass Harald Wohlfahrt sich keineswegs vom Herd verabschieden - oder gar die Kochmütze an den Nagel hängen möchte. Er bleibe dem Hotel Traube Tonbach erhalten und würde als "kulinarischer Direktor" im Einsatz bleiben. Das berichtete die "Badische Neueste Nachrichten". 

Köche zweiter Reihe: So kochen die Sous-Chefs der Sternerestaurants
Müritzlamm, Würzig (Lammrücken, Getreide, Spargel, Bernaisé), Sauer (Lammpastrami, gepickelte Gemüse, gegrillte Zwiebel), Süffig (Ragout von der Lammschulter, Morsumer Spargel, Schafsjoghurt, Haselnuss)    Jan-Philipp Berner, Söl’ring Hof

Müritzlamm, Würzig (Lammrücken, Getreide, Spargel, Bernaisé), Sauer (Lammpastrami, gepickelte Gemüse, gegrillte Zwiebel), Süffig (Ragout von der Lammschulter, Morsumer Spargel, Schafsjoghurt, Haselnuss)

Jan-Philipp Berner, Söl’ring Hof

 

Jetzt scheint sich der Wind gedreht zu haben: Der Drei-Sterne-Koch klagt gegen seinen Arbeitgeber. Was ist passiert?

Harald Wohlfahrt möchte als Küchenchef weiter arbeiten

Es muss heftig rumoren hinter den Kulissen des Gourmettempels. Harald Wohlfahrt hat beim Arbeitsgericht Pforzheim eine einstweilige Verfügung zur Weiterbeschäftigung beantragt. Hintergrund ist offenbar ein Zerwürfnis mit dem Hotelbetreiber. So berichtet es die "Badische Neueste Nachrichten". Der Inhaber des Hotels habe Wohlfahrt das Betreten der "" untersagt. Also den Zugang zu genau dem Ort, an dem Wohlfahrt jahrelang drei Sterne erkocht und das Gourmetrestaurant international bekannt gemacht hat. 

Auf Anfrage des stern halten sich beide Parteien bedeckt, bis nach dem offiziellen Termin werde sich weder Wohlfahrt noch das Hotel dazu äußern. Gegenüber der "Badische Neueste Nachrichten" verwies Wohlfahrt darauf, dass er einen Arbeitsvertrag habe, es habe sich aber "alles anders entwickelt als geplant." Dem SWR sagten die Anwälte des Hotelbesitzers, Wohlfahrt habe es nicht lassen können, sich weiter als Küchenchef in der "Schwarzwaldstube" aufzuspielen. Mit seinem Verhalten soll er den Betriebsablauf gestört haben. Deshalb sei es erforderlich, dass Wohlfahrt Küche und Restaurant nicht mehr aufsuche, so die Anwälte.

Harald Wohlfahrts Anwältin widerspricht dieser Auffassung, so der SWR: Es habe keine gemeinsame Vorstellung davon gegeben, unter welchen Bedingungen sich der Sternekoch aus seiner Küche zurückzieht. Der Sternekoch soll nur aus Respekt und Rücksichtnahme still gehalten haben. Als ihm dann seine neue Aufgabenbeschreibung ohne Herdzugang eröffnet wurde, habe er gar keine andere Wahl mehr gehabt, als Klage einzureichen, so die Anwältin gegenüber dem SWR.

Am 1. April 1976 begann Harald Wohlfahrt seine Karriere in der "Schwarzwaldstube", noch am 4. April dieses Jahres hatte er sein 40-jähriges Herdjubiläum gefeiert. Mit seinem Antrag möchte der Sternekoch nun erreichen, dass er als Küchenchef der "Schwarzwaldstube" wieder eingesetzt werde. Darüber entscheidet das Arbeitsgericht am 25. Juli. Erst dann dürfte bekannt werden, was wirklich in der Küche der "Schwarzwaldstube" vorgefallen ist.

 

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