HOME

Was bitte ist Aquaponic?

Kaum vorstellbar, ist aber der letzte Gartler-Schrei: Gemüsekultur ohne Erde. Stattdessen wird eine von Fischen produzierte Nährlösung verwendet. Das System nennt sich Aquaponic.

Unsere Städte werden grün, sagen die Trendspezialisten. Sie werden zu Gemüse- und Obstgärten, welche die Fischzucht mit einschließen. Erinnern wir uns, ich schrieb über den historischen Küchengarten, dass in diesem auch Kleintiere wie Geflügel gezüchtet wurden und man Fischteiche angelegt hatte. Jetzt ersteht dieses ursprüngliche Küchengarten-Konzept neu, ökologisch und nachhaltiger. Und zwar in Form von Aquaponic.

Fische produzieren, werden sie auf kleinem Raum beispielsweise in Teichen oder in Becken gehalten, Unmengen an Nährstoffen. Deswegen ist die in künstlichen Becken praktizierte Fischkultur so problematisch: Zuviel Fischkot, zuviel Ammonika trüben die Wasserqualität. Man muss mit Medikamenten und Antibiotika die Fischpopulation vor Krankheiten schützen.

Auch Pflanzen lassen sich in Nährlösungen ziehen. Diese Lösungen bedürfen eines enorm hohen Aufwandes in ihrer Herstellung und Kontrolle, da ein Versalzen der Wurzelballen der Pflanzen vermieden werden muss, man ohne Zusatzdünger nicht auskommt. Bio und nachhaltig geht aber anders.

Die Lösung liegt dazwischen. Aquakultur und hydroponische Pflanzenzucht ergibt: Aquaponic Gardening. Dieses System beginnt im Fischbecken. Dort zersetzt sich Fischkot und dabei wird Ammoniak freigesetzt. Fügt man diesem hoch Ammoniak haltigem und damit toxisch wirkendem Wasser ausreichend Sauerstoff hinzu, kommt es zu einer Oxidation. So genannte nitrifizierende Bakterien machen sich jetzt ans Werk und verwandeln Ammoniak zu Nitrit und weiter zu Nitrat. Fertig ist die perfekte Nährlösung für Pflanzen.

Jetzt muss man nur noch darauf achten, dass in den Pflanzenbecken eine ausreichende Anzahl an Pflanzen vorhanden sind. Die können dann das Nitrat zur Gänze aus dem Wasser ziehen, welches aus den Fischbecken in die Pflanzbecken eingeleitet wird. Der Kreislauf schließt sich, indem das so gereinigte Wasser wieder zurück in die Fischkultur fließt.

Aquaponic nützt also den Stickstoffkreislauf und verbindet Fischzucht und Pflanzenzucht auf höchst elegante Weise. So kann selbst das Aquarium mit Zierfischen die passende Nährstofflösung für die Küchenkräuter liefern. Oder die vertikale Aquaponicanlage speist sich aus einem Tank, in dem Goldfische schwimmen.

Dass man sogar Erdbeeren und Tomaten mit diesem System anbauen kann, beweisen Daniela und Peter Winkler in Boizenburg. Begonnen hat der Sozialarbeiter Peter Winkler mit Salatzucht im Büro, genährt vom Wasser seines Aquariums. Nachdem dieser Testlauf positiv verlief, zogen die Winklers in ein Haus mit Garten um. Jetzt kamen Tomaten, Erdbeeren, Salat und Kohlrabi dran. Die Karpfen im Teich sorgten für die Nährlösung. Zwei Saisonen später stand fest: neuer Beruf, neue Herausforderungen, die Winklers werden Aquaponic-Spezialisten. Sie zogen wieder um, nun aber ging es von Bayern nach Mecklenburg Vorpommern. Winklers gründeten den Aquaponic Verein Deutschland und bauen solche Anlagen für andere.

Aquaponic, das ist die Forelle oder der Karpfen aus dem Becken auf dem Dach, mit Salat und Tomaten serviert, die in den Pflanzbecken im Vertikalgarten an der Hauswand gezogen werden.

Das System findet mittlerweile weltweit Eingang in Planungskonzepte für die Stadt der Zukunft. Und kann in kleinen Einheiten genauso umgesetzt werden wie im Großen.

Die Grafik ist von Aquaponic Austria.

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Neueste