HOME

Die Familie ist der Schlüssel zum Erfolg

Familie geht der israelischen Gastronomin Haya Molcho über alles. Ohne ihren Mann und ihre Kinder, wäre sie heute nicht da, wo sie ist. Der Kopf eines Familienunternehmens, eines Gastroimperiums. Ein Portrait über eine Frau, für die nichts unerreichbar ist.

Haya Molcho mit ihren Söhnen. Gemeinsam leiten sie die Restaurants Neni

Haya Molcho (Mitte) mit ihren Söhnen (von links) Elior, Nuriel, Nadiv und Ilan, deren Anfangsbuchstaben den Namen des Restaurants Neni repräsentieren.

Der Vorname Haya bedeutet "das Leben", er stammt vom hebräischen Wort Chaim (oder auch Hayyim), prostet man jemandem zu sagt man Lechajim!, Aufs Leben! Eine Philosophie, die Haya Molcho verinnerlicht hat. Sie liebt das Leben – und das was sie tut. Gemeinsam mit ihren Söhnen betreibt sie ein familiäres Gastroimperium - Restaurants, Kochbücher, Verkauf von Produkten wie Humus und Marketing. Wenn sie davon erzählt, sprühen ihre Augen vor Energie, ihre blonden Locken tanzen, wenn sie wild gestikulierend ihre Heimat Israel beschreibt.

Hier, in ihrem Hamburger Restaurant Neni im 25hours-Hotel reißt sie einen mit, in diese Heimat, die nach eingelegten Zitronen duftet, auf eine unermüdliche Reise durch die Küchen dieser Welt und inspiriert mit einer Lebenseinstellung, in der es keine Grenzen für die eigenen Wünsche und Visionen nach oben gibt. All das ist Haya Molcho, Küchenchefin von fünf Restaurants in Wien, Berlin, Zürich und Hamburg, Kochbuchautorin, Mutter von vier Jungs, Ehefrau vom berühmten israelischen Pantomime Samy Molcho.

Haya Molcho riecht ihre Heimat durch das Essen

Hayas rumänische Eltern, beide jüdischen Glaubens, immigrierten nach dem Zweiten Weltkrieg nach . Ihr Vater war Zahnarzt und wurde für seine Behandlungen anstelle von Geld mit Lebensmitteln entlohnt. Kiloweise Kisten mit Tomaten, Auberginen, eingelegtem Gemüse. So musste die junge Haya Molcho, die 1955 geboren ist, gemeinsam mit ihrem Bruder von Kindesbeinen an helfen, die Produkte zu verarbeiten. Zum Essen kamen Nachbarn, Freunde und Familie. Geteilt wurde immer, bei der Menge an Lebensmitteln ging das auch nicht anders.

Als Haya neun Jahre alt war, siedelte die Familie nach Bremen über – auf Einladung der Bundesrepublik. Essen spielte bei der Familie Molcho immer eine wichtige Rolle. Wenn Haya von der Schule nach Hause lief, konnte sie schon die Küche ihrer Mutter riechen. Bis heute riecht sie ihre Heimat und auch ihre Mutter durch das Essen. Sie studierte Psychologie und lernte bald ihren Mann Samy kennen. Von da an, waren sie gemeinsam auf Reisen. Insgesamt sieben Jahre.

"Ich war immer schwanger"

Sie lebten in Indien, China, Marokko. "Wir waren wie die Zigeuner", schwelgt Haya in Erinnerungen. "Samy war auf der Bühne und ich in den Küchen. Dort habe ich die Leidenschaft fürs Kochen entdeckt und dort habe ich das erste Mal gemerkt, das bin ich." Sieben Jahre blieb das Ehepaar kinderlos. Dann brachte Haya einen Sohn nach dem anderen auf die Welt. "In sechs Jahren war ich viermal schwanger. Eigentlich war ich immer schwanger", sagt sie selbst und lacht,"aber sehr gern." Nuriel, Elior, Nadiv und Ilan - der älteste Sohn ist 31, der jüngste 26 Jahre alt. Für ihre Kinder schmiss sie die größten kulinarischen Feste. Sie war wie ein bunter Vogel, es gab nie ein Fest, das einem anderen glich. Sie kochte für Hunderte von Gästen.

Neni in Hamburg: Hier können Sie die Küchen unserer Welt probieren
Der Gruß aus der Küche – griechischer Joghurt, Oliven, köstliches Olivenöl und herrlich duftendes selbstgebackenes Brot. 

Der Gruß aus der Küche – griechischer Joghurt, Oliven, köstliches Olivenöl und herrlich duftendes selbstgebackenes Brot. 

"Was liebst du?" "Kochen"

Als die Kinder größer wurden - mit Ende 40 - fiel Haya Molcho in eine Lebenskrise. Sie fragte sich selbst, wer Haya eigentlich sei. Sie wollte nicht nur Mutter sein - obwohl sie diese Rollte liebte -, sondern auch sich selbst verwirklichen. Ihr Mann Samy stellte ihr schließlich die entscheidende Frage: "Was liebst du?". Darauf gab es für Haya nur eine Antwort: "Kochen". Von da an begann sie ihren Traum zu verwirklichen. Erst richtete sie eine Geburtstagsfeier für eine ihrer besten Freundinnen in Wien aus. Die bestand darauf, Haya zu bezahlen. Ein Unding für die Israeli von einer Freundin Geld zu nehmen. "Im Orient nimmt man nicht, man schenkt", so die Einstellung von Haya Molcho. Trotzdem war ihr erster bezahlter Job ein voller Erfolg. Sie kreierte eine weiße marokkanische Nacht mit riesigen Tajines, eine Art nordafrikanische Schmortöpfe.

Von diesem Moment an baute sie ihr Gastroimperium Stück für Stück auf. Sie wurde von Kunde zu Kunde weitergereicht, gründete ein Catering-Unternehmen, das einfach anders war. "Ich experimentierte mit Geschirr aus dem Orient, mit Besteck aus Indien, mit bunten, knalligen Farben - ohne dabei kitschig zu werden. Ich war eine Art Botschafterin für anders." Sie arbeitete ohne Pause, auch wenn sie an manchen Tagen die Auffahrt zu ihrem Haus in Wien auf allen Vieren hoch kriechen musste, so erschöpft war sie. Aber Haya liebte jeden Moment, den sie in ihr Catering-Unternehmen investierte.

Die Küche von Haya Molcho ist israelisch. Was das bedeutet, erzählt sie wie so oft in diesem Gespräch als kleine Anekdote: "Nach dem Zweiten Weltkrieg hat jede Mutter ihre Kultur nach Israel gebracht. Deutsche, Wiener, rumänische, türkische, marokkanische Juden. Alle haben ihr Essen mitgebracht. Die Welt war um uns. Und die Mütter haben die Küche Israels geprägt. Heute kombinieren wir diese Welt-Küche."

Der Beginn des Molcho-Gastroimperiums

Nach ein paar Jahren fühlte Haya sich bereit ein Restaurant zu betreiben, das müsste jedoch an einem Markt liegen, wie es in Tel Aviv üblich ist, in ihrer Heimat. Das war 2009. Wie der Zufall es wollte, wurde eine zweistöckige Räumlichkeit direkt am Ende des Wiener Naschmarktes frei - und Haya Molcho witterte ihre Chance. Sie wollte die Location ihren Söhnen zeigen. "Ohne meine Jungs hätte ich es nicht geschafft. Nuriel, Elior, Samy und ich waren sofort begeistert von dem Standort und dem Gebäude. Der einzige Nachteil: Überall waren Ratten und Müll. Wir haben trotzdem zugesagt. Die Leute hielten uns für verrückt", erzählt Haya Molcho. "Wir haben uns aber gesagt: Wenn wir was machen, muss es nach unseren Wünschen sein. Wir haben nicht gespart und nur mit den besten Designern und Architekten zusammengearbeitet. Unser Slogan war: Komm nach Hause, bevor du nach Hause gehst. Das war unser Anspruch."

Finanziert wurde das erste Restaurant Neni wie Nuriel, Elior, Nadiv und Ilan, die Anfangsbuchstaben der Vornamen von Hayas Söhnen, fast ausschließlich von der Bank, obwohl sie Quereinsteiger waren. "Wir haben sie mit unserem Konzept, unserer Vision überzeugt und haben Humus zur Verhandlung mitgebracht." Als das Neni dann eröffnete, hagelte es Kritik. Die Erwartungen an ein Restaurant, das von der Frau und den Kindern des berühmten Pantomime Samy Molcho geführt wurde, waren groß. Zu groß. Haya und ihre Kinder waren noch nicht bereit.

Erfolg heißt auch, dass es nicht immer leicht ist 

Erfolg heißt im Hebräischen "Hazlacha", das so viel bedeutet wie über die Ufer zu gehen. Das heißt aber auch, dass es Strömungen gibt und es nicht immer leicht ist. So sinnbildlich erklärt Haya Molcho ihren Weg zum Erfolg. Und sie lernten aus ihren Fehlern. Zuerst waren die Kellner nur Freunde, bald kamen ausgebildete Servicekräfte dazu. Genauso wie bei den Köchen. Die ersten Gäste bekamen ihr Essen umsonst. Der New-York-Cheesecake, der mittlerweile der Renner im Neni ist, war eine Art Entschuldigungs-Kuchen. Auch dieser ging zu Beginn aufs Haus. "Heute sind wir keine Quereinsteiger mehr. Aber immer noch Querdenker." Für Haya und ihre Kinder war es vor allem am Anfang wichtig, auch Nein sagen zu können, aus Fehlern zu lernen, miteinander zu sprechen, aber auch zu weinen.

Heute führen sie nicht nur ein Restaurant, sondern fünf. Ein weiteres Neni in Berlin, in Hamburg und in Zürich. Außerdem die Tel Aviv Beach Bar in Wien. Köln und München folgen. Und Barcelona ist sogar im Gespräch. Anfangs arbeiteten sie chaotisch ohne Struktur. Dann wurden ihre Rollen klarer. Heute ist Nuriel für Social-Media und Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich, Elior kümmert sich um das Catering, Nadiv lässt sich von kulinarischen Erlebnissen inspirieren und macht Filme, er ist der einzige, der nicht aktiv im Unternehmen ist, und Ilan kümmert sich um die Herstellung, Koordinierung der Logistik und die Auslieferung der Neni-Produkte, außerdem ist er für die Finanzen zuständig.

Ohne die Familie wäre das Neni heute nicht das, was es ist

Was Haya immer wieder betont und ihr außerordentlich wichtig ist, dass das Gastroimperium ein Familienunternehmen ist. Allein hätte sie das, was das Neni heute ist, nicht auf die Beine gestellt. Auch ihr Mann war ein wichtiger Teil ihrer Entwicklung, auf dem Höhepunkt seiner Karriere als Pantomime setzte er Prioritäten und entschied sich für Haya und seine Kinder. Er legte seinen Beruf auf Eis. 

Den Erfolg erklärt sich Haya auch dadurch, dass sie das Unternehmen und die Mitarbeiter als Familie sieht. "Ohne deine Mitarbeiter bist du gar nichts. Meine Köche werden von mir nie runtergeputzt. Man kann sich auch Respekt verdienen, indem man menschlich bleibt. Wir sind Herzensmenschen."  

 

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Neueste

Partner-Tools