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Image-Schaden durch die "Kochprofis"? Gastronomin muss dichtmachen

Die RTL2-"Kochprofis" sollen eigentlich Gastronomen aus verzwickten Lagen helfen und die Situation mit ihrer Strategie verbessern. Einer Wirtin aus Schleswig-Holstein ist genau das Gegenteil passiert: Sie muss nach dem Besuch des Fernsehteams schließen.

Die "Kochprofis" Nils Egtermeyer, Meta Hiltebrand und Ole Plogstedt (von links) seien auch nur gutbezahlte Schauspieler. So der Vorwurf einer Wirtin, die nach der Sendung ihr Restaurant schließen muss.

Die "Kochprofis" Nils Egtermeyer, Meta Hiltebrand und Ole Plogstedt (von links) seien auch nur gutbezahlte Schauspieler. So der Vorwurf einer Wirtin, die nach der Sendung ihr Restaurant schließen muss.

Das Konzept der RTL2-Sendung "Die Kochprofis" ist simpel: Zwei bis drei Profiköche unterstützen Restaurants, die unter wirtschaftlichen Problemen leiden und versuchen, neue Perspektiven aufzuzeigen. Mittlerweile gibt es mehr als 300 Sendungen. Auch die Gastronomin Christine Handl aus dem kleinen Dorf Mohrkirch in Schleswig-Holstein bat die "Kochprofis" für ihr Restaurant "Alte Schule" um Hilfe: Drei Tage waren Meta Hiltebrand, Ole Plogstedt und Nils Egtermeyer mit einem zweiköpfigen Dreh-Team in ihrem Dorf. Was danach geschah, davon hat sich die Wirtin bislang nicht erholt. Den "Schleswiger Nachrichten" erzählte sie davon: Sie sei geschockt, wie sie dargestellt wurde.

Ein schlechtes Gefühl hatte Handl bereit im ersten Vorgespräch mit der Autorin der Sendung. Die wollte ihre derzeitige Schwangerschaft zum Hauptthema machen. Darum ging es aber nicht. Schnell wurde außerdem klar, dass die Autorin beabsichtigte, ihr ein Konzept aufzudrücken, das die Wirtin selbst gar nicht wollte: Sie schlugen Christine Handl vor, abends eine Menüauswahl anzubieten. Das hatte die Gastronomin aber bereits versucht – ohne Erfolg. Die Macher der Sendung wollten davon aber nichts wissen. Auch die "Kochprofis" rieten zu diesem Schritt, obwohl sie der Gastronomin hinter den Kulissen andere Konzepte empfahlen. Handl schlägt dem Sender Manipulation der Profiköche vor: "Im Endeffekt sind die Kochprofis auch nur bezahlte Schauspieler", sagt sie den "Schleswiger Nachrichten".


RTL2 schürte negative Emotionen, die es so nicht gab

Handls Geschäft konzentriert sich abends vor allem auf geschlossene Veranstaltungen. Der hohe Wareneinsatz dafür wurde in der Sendung aber bemängelt. Außerdem wirft sie RTL2 vor, dass sie negative Emotionen schürten und eine negative Haltung des Dorfes in der Sendung vermittelt haben, die es so gar nicht gab.

Seit der Ausstrahlung der Sendung muss die Gastronomin eine Absage nach der anderen hinnehmen. Die Begründung: Handl sei unsympathisch. Ein Image-Schaden, der sich bereits auf mehr als 1000 Euro belaufe, so die Angabe der Wirtin. Jetzt hat sie sich dazu entschieden: Im Sommer muss Handl ihr schließen.

RTL2 nimmt übrigens Abstand von den Vorwürfen der Gastronomin. Eine Sendersprecherin erklärte den "Schleswiger Nachrichten", dass zu einer Produktion immer zwei Seiten gehören und dass sich Handl aktiv dafür entschieden hatte, mitzumachen. Dem stern sagte eine Sprecherin von RTL2, dass es für Handls Behauptungen keine Verifizierungen gebe. "Niemand ist verpflichtet, das Konzept so zu übernehmen." Einfach soll der Dreh mit der Gastronomin aber auch nicht gewesen sein. Handl wollte die Aufnahmen bereits abbrechen, hatte sich dann aber doch wieder dafür entschieden, so die Sendersprecherin.

UPDATE: Statement von RTL2 gegenüber dem stern

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