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Meze und Raki - das beste Essen Istanbuls

Istanbul ist groß. Riesig. Und die Menschen lieben es zu essen, oft muss es aber schnell gehen. Nicht so bei Meze und Raki: Dafür nehmen sich sogar die Istanbuler Zeit. Und dann wird stundenlang geschlemmt - und getrunken.

Von Olaf Deharde

In Istanbul isst man kalte türkische Vorspeisen

In Istanbul isst man Meze, kleine türkische Vorspeisen

Istanbul ist ein kulinarisches Schlaraffenland. Als ich das erste Mal mit meinem Freund und Guerilla-Kollege Koral Elci nach Istanbul reiste, wurde mir das sofort bewusst. Koral ist in Istanbul aufgewachsen und hat mir schon etliche Male von der kulinarischen Front erzählt. Ich musste diese Stadt besuchen.

Istanbul ist groß. Riesig. Rund 20 Millionen Menschen leben und arbeiten hier. Der Stadtkern jedoch ist relativ überschaubar. Istanbuler lieben gutes Essen, aber es muss meist schnell gehen. Deshalb wimmelt es von Straßenverkäufern mit Sesamkringeln (Simit), Muschlen (Midye Dolmar) oder ganz schlichten Produkten wie Popcorn, Gurken, oder geröstete Maronen.

 Die Seitenstraßen der beliebten Füßgängerzone und Einkaufsstraße "Istiklal" sind voll mit lauten Bars und Restaurants. Je tiefer man eindringt, desto schmaler werden die Gassen. In einem Restaurant nehmen wir Platz - und essen: Die erste Versuchung kommt in Form einer saftig-goldgelben Honigmelone mit einem cremigen Stück Schafskäse. Mit "cremig" meine ich nicht einen Käse mit 38,5-prozentigem-Fettanteil wie bei uns in Deutschland, sondern einem mit weit über 50 Prozent. Dieser schmilzt nämlich auf der Zunge - und legt einen warmen, weißen, cremigen Teppich aus, um der süßen saftigen Melone den Weg über fünf Geschmacksnerven zu ebnen. Dazu gibt es Raki, einen türkischen Anisschnaps, das Nationalgetränk der Türkei. Kurz schwöre ich, nie wieder etwas anderes zu mir zu nehmen. Die Kombination ist perfekt.

Lakerda - in Salzwasser eingelegter Bonito

Lakerda - in Salzwasser eingelegter Bonito

Meze und Raki sind Istanbuls Kultur

Aber das war nur der Anfang: Hummus (Kirchererbsenpüree), Baba Ganoush (Auberginenmousse), Oktopus, Piyaz (Bohnensalat) und Lakerda, ein in Salzwasser eingelegter Bonito, der mit roten Zwiebeln serviert wird und so zart ist, dass ich fast den cremigen Ziegenkäse vergesse. Das liegt nicht nur an den unglaublich vielfältigen Mezes, sondern den immerzu fließenden Raki. Raki spielt in Istanbul von Anfang bis zum Ende die Hauptrolle. Raki ist Kultur. Normalerweise passen die Getränke zum Essen. In Istanbul ist das anders: Jede Speise muss zu Raki passen. Ich liebe das!

Raki ist Kultur - ohne den Schnaps gibt es keine Meze-Tafel

Raki ist Kultur - ohne den Schnaps gibt es keine Meze-Tafel

An diesem Abend habe ich verstanden, dass Essengehen mehr ist, als nur stupide Nahrungsaufnahme. In sechs Stunden, die wir mit Korals Familie und Freunden verbrachten, gab es nicht nur Meze, sondern auch warme Gerichte. Wie gebratene Leber mit roten Zwiebeln und Sumak, ein säuerliches Gewürz, Fisch und Meeresfrüchte vom Grill, eine Platte mit Lamm-Koteletts und gefüllten Auberginen. Es wurde gelacht, diskutiert. Ein Abend des Glücks und der Menschlichkeit - so ist Istanbul.

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