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Stern Logo Ratgeber Grillen - Basiswissen

"Ich kümmere mich um das Fleisch, Schatz"

Männer müssen grillen. Etwas zwingt sie. Wie ein Trieb, eine feurige Lust. Aber eigentlich ist Grillen auch Scheiße: Die anderen essen, während man schwitzt und schuftet. Aber warum grillen Männer dennoch so gern? Eine hitzige Antwort.

Von Kester Schlenz

Männer stehen lachend um einen Grill herum

Warum Männer so gern grillen? Es ist wie ein Trieb, eine feurige Lust.

Es ist ganz einfach: Wir Männer müssen grillen. Etwas zwingt uns. Wir können nicht anders. Es ist ein Trieb. Siegmund Freud hat die menschliche Seele ja als Haus beschrieben. Der männlicher Grill-Trieb sitzt im Keller, im "Es", dort, wo es dunkel, lüstern, haarig und wild ist. Gleich neben dem Sexualtrieb und dem Hang zum Heimwerken.  Sobald es draußen wärmer wird, erwacht sie, die feurige Lust.

Wir werden unruhig, zerbröseln fahrig Holzkohle zwischen den Fingern, schnüffeln an der Flasche mit dem Brandbeschleuniger, sehen blutigen Fleischsaft vor unserem inneren Auge. Und wie die Frösche und Schwanzlurche, die im Frühjahr in der Dämmerung tapfer zu ihren Laichplätzen wandern, treten wir heraus auf die Terrassen und Balkone, säubern die Grills und freuen uns darauf, alle möglichen Sorten rohen Fleisches eigenhändig auf einer offenen Feuerstelle zu garen. Die warme Witterung sorgt für eine Art Grillzangen-Geburt. Und dann gibt es kein Halten mehr. Mit Bergen von Fleischbatzen verbringen wir große Teile des Sommers draußen vor der Tür und erhitzen Grillgut.  Das war schon immer so. Der Satz: "Ich kümmere mich um das Fleisch, Schatz. Mach du den Rest", wird in unseren Breiten auch vor 30.000 Jahren in irgendeinem indogermanischen Dialekt vor einer Wohn-Höhle gefallen sein.

Frauen verspüren keinerlei Drang zum Grillen 

Wenn Sie jetzt ein Schlauberger sind und sagen: Dieser Autor faselt. Der Witz ist doch gerade, dass Männer früher gejagt haben, und das Fleisch dann den Frauen zur Zubereitung brachten. Insofern sei das Grillen als Zubereitungsform also im Grunde eine typisch weibliche Aufgabe, die die Männer den Frauen entrissen haben. Wenn Sie das also einwerfen, dann entgegne ich: Erst einmal spricht schlichte Empirie dagegen. Frauen verspüren keinerlei Drang zum Grillen. Zwar essen sie gerne draußen und lassen für sich grillen. Selbst jedoch treten sie nur äußerst ungern ans offene Feuer, um Muskelgewebe etc.  zu garen und Rauch einzuatmen.  Außerdem kann der heutige Mann in den modernen Industriegesellschaften selbst kein Wild mehr erlegen, sofern er nicht Jäger oder ein rücksichtsloser Autofahrer ist. Also hat zwangsläufig eine Verschiebung stattgefunden.


Der Trieb sucht sich andere Wege. Der Gang zum Schlachter ersetzt die Jagd. Der Mann tritt entschlossen an die Fleischtheke, deutet auf  Pute, Rind oder Schwein und grunzt: Einpacken! Und: Er kauft zuviel. Immer. Schließlich will er, wie seine Vorfahren, die Sippe als großartiger Versorger beeindrucken. Es gibt so etwas auch im Tierreich. Einen Vogel, der protzt. Der Raubwürger piekst in der Balz Unmengen von Insekten auf Dornen oder spitze Äste, um seiner potentiellen Partnerin zu zeigen, was er für ein klasse Typ ist. Wer die meiste Beute "ausstellt", vögelt als erster.  Der menschliche Raubwürger kauft zu viele Würstchen.

Und schlussendlich ist auch das Grillen selbst ja eine Aufgabe, die den ganzen Mann fordert. Allein das offene Feuer. Und das Knistern der rot glühenden Kohle. Die Hitze! Der weiße Aschebelag, der dem Kenner signalisiert: Es kann losgehen! Das brutalstmögliche Ablöschen mit Bier. Jeder Mann ist auch Pyromane. Schon als Kind zündelt er, spielt mit Kerzen, verbrennt sich die Finger und erlernt so spielerisch die Grundbegriffe des Grillens, wie etwa "Beachte den richtigen Abstand zwischen Fleisch und Flamme."

Ja, es macht einen Riesen-Spaß,  Holzkohle in einen Behälter zu schütten, eine entflammbare Flüssigkeit darüber zu gießen, dann das Ganze abzufackeln, um schließlich mit anderen Männern darüber zu fachsimpeln, ob die "Kohle jetzt schon soweit ist".

Eigentlich ist Grillen Scheiße

Ansonsten ist Grillen eigentlich Scheiße. Die anderen essen, man schwitzt und schuftet, und dauernd ruft die Frau: "Nun setzt dich doch endlich mal zu uns." Und wenn man das tut, brennt der ganze Mist an. Grillen stresst und macht Dreck.

Und trotzdem: Schon am nächsten Wochenende, wenn am Abend von irgendwoher der Duft frisch entfachter Holzkohle herüber weht, spürten wir ihn wieder, den uralten Ruf unserer Vorfahren. Dieser tapferen Jäger in den endlosen Savannen und dunklen Wäldern. Sie raunen uns zu: Kommt Männer, seid wie wir. Ergreift das Fleisch, entfacht das Feuer. Möge die Gattin Mozzarella auf Tomaten anrichten und das Brot brechen. Du aber, Mann, wirst Teil der großen Grill-Gemeinschaft sein. Du bist einer von uns. Im Bund der Feuer-Kerle. Sei unser Glutsbruder!

So war es,  und so wird es immerdar sein. Die Kohle sei mit dir!


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