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Der Italo-Kraftprotz

Er wurde schon mal als "Weibergemüse" bezeichnet: In Wirklichkeit hat der kleine Kohl mit dem italienischen Namen ganz ordentliche Muckis - und hatte auch schon früher einen ziemlich berühmten Fan.

Von Björn Erichsen

  • Björn Erichsen

Name: Brokkoli – oder auch: Broccoli. Der schnittige Name kann sich hören lassen und kommt selbstverständlich aus Italien. Leider bedeutet er nur so viel wie "Kohlsprosse". Und verschweigt damit ein buntes Detail seiner Biographie: Der Brokkoli gehört nämlich zur Familie der Kreuzblütler und ist damit botanisch gesehen eine Blume.

Alias:

Der Brokkoli stolziert dann auch mit einem opulenten Namen durch die Facbücher: "Brassica oleracea var. italica Plenk" tönt es da auf Latein. In Deutschland hat man den kleinen Angeber aber schnell wieder geerdet: Hierzulande heißt der Brokkoli auch Winterblumen-, Spargel- oder Bröckelkohl. Und in manchen Regionen sagt man auch einfach nur Brokkerl.

Tut gut weil: Von einem bekannten Fernsehkoch wurde Brokkoli schon mal als "Weibergemüse" geschmäht. In Wirklichkeit ist er aber ein richtiger kleiner Kraftprotz: Brokkoli enthält etwa 30 Mal so viele gesunde Carotinoide und doppelt so viel Vitamin C wie sein blasser Bruder, der Blumenkohl. Und auch sonst hat der rassige Italiener einiges zu bieten: Vitamin C, Folsäure und B-Vitamine, außerdem relativ viel Calcium für ein Gemüse.

Schmeckt am besten:

Vom Brokkoli können Sie alles verwenden: Knospen, Blätter und die Stiele, er schmeckt roh genauso wie gegart. Beim Kochen sind die Röschen allerdings schneller fertig – daher am besten die Stiele getrennt vorkochen oder in Scheiben schneiden. Wer sich dem vollen Brokkoli-Genuss hingeben möchte, sollte nicht zu stark würzen: Ein Spritzer Zitronensaft und etwas Butter reichen völlig, um noch ein bisschen mehr vom fein-würzigen Eigengeschmack herauszukitzeln.

Einkauf/Saison: Als Importware ist er das ganze Jahr erhältlich, aus dem regionalen Anbau liegt er vom Sommer an bis in den frühen Herbst auf den Wochenmärkten. Beim Kauf auf feste grüne Stiele und geschlossene Blüten achten. Dagegen Finger weg, wenn sich die Röschen bereits eine gelblich verfärben – sie schmecken dann schnell bitter und sind kaum noch zu genießen.

Lagerung:

Möglichst kühl aufbewahren. Im Gemüsefach des Kühlschranks hält Brokkoli etwa zwei bis drei Tage bis er langsam welk wird und Vitamine und Mineralstoffe verliert. Und auch wenn es Ihnen widerstreben sollte: Lassen Sie die Frischhaltefolie nach dem Einkauf unbedingt dran – darunter speichert sich feuchte Luft, die der kleine Kohl ziemlich gut gebrauchen kann, um noch ein wenig länger gut auszuschauen. Und auch nicht zusammen mit Äpfeln, Tomaten oder Orangen lagern – denn die verströmen das Reifegas Ethylen, für das der Brokkoli besonders anfällig ist.

Variationen: Alles in Grün? Von wegen. Der Brokkoli kommt nicht nur tief- bis blaugrün daher – je nach Sorte präsentiert er sich im Gemüsebeet auch mal weiß, gelb oder violett. Manche von ihnen treiben besonders viele Blüten, andere Exemplare schießen bis zu 80 Zentimeter in die Höhe. Am bekanntesten ist der Brokkoli "Calabrese", zunehmend beliebter werden aber auch "Sprouting"-Sorten wie der "Extra Early Rudolph", die bei halbwegs milden Klima den Winter überstehen und schon im Frühjahr geerntet werden können.

Kleine Herkunftsgeschichte:

Wie bei den meisten Sprösslingen der Kohl-Familie steht auch die Wiege des Brokkoli in Kleinasien. Doch schon im antiken Griechenland kannte man ihn. Und den alten Römern galt Brokkoli als Geheimrezept gegen den unvermeidlichen Kater nach einem ausschweifenden Trinkgelage. Spätestens im 16. Jahrhundert ging der Kreuzblütler auf große Europa-Tournee und entwickelte sich auch in Deutschland zu einen gern gegessenen Gemüse. Nach dem 1. Weltkrieg bevorzugte man hierzulande allerdings den eher spaßbefreiten Blumenkohl. Erst als wir dank Gastarbeiter-Import Leckereien wie Pizza und Pasta zu schätzen lernten, bahnte sich auch auch der Brokkoli wieder seinen Weg zurück in deutsche Küchen.

Wissen für Besserwisser: Brokkoli ist nicht allein zum Essen da. Das Öl seiner Samen findet auch Verwendung im Kosmetikbereich, wo es unter anderen als Bestandteil von Haarkuren oder Shampoos für Glanz sorgen soll. In der Industrie kommt das Samenöl als Schmiermittel, Waschmittelenschäumer und Weichmacher für Kunststoffe zum Einsatz.

Wissen für Besserwisser II:

Bei seiner Einführung als Versuchspflanze in den Vereinigten Staaten im späten 18. Jahrhundert fand der Brokkoli einen ziemlich berühmten Paten: Thomas Jefferson. Der erklärte Natur- und Gartenfreund fand neben seinen zahlreichen Jobs - Anwalt, Architekt, Diplomat in Paris, Präsident der USA und Hauptverfasser der Unabhängigkeitserklärung – auch noch die Zeit, maßgeblich zur Verbreitung des Italo-Kohls im Wilden Westen beizutragen.

Mitarbeit: Edith Reichert

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