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Erstklassige Sundowner gibt's auch an der Ostsee

Coole Sache: Auf der Dachterrasse des Hotels "The Grand“ in Ahrenshoop mixt man erstklassige Longdrinks.

Eisgekühlt und fruchtig: Litschi-Ingwer-, Zitrus- und Beeren-Aperitif (v.l.)

Eisgekühlt und fruchtig: Litschi-Ingwer-, Zitrus- und Beeren-Aperitif (v.l.)

An der gibt es im Seebad Ahrenshoop ein durchaus umstrittenes Hotel, das unter dem traumwandlerisch blöden Namen "The Grand" firmiert, vielleicht, weil es sich Donald Trump als Gast herbeisehnt. Umstritten ist es, weil es ein Klotz aus zwei Wohntürmen zu je fünf Stockwerken ist, mit einem flughafenhallenartigen Empfangsbereich. Die Zimmer dieses Hauses haben allerdings einen Bombenblick aufs Meer. Am allerbombigsten ist die Aussicht von der Bar "Weitblick" im Dachgeschoss des Südturms.

Diese Bar habe ich über die Jahre wiederholt besucht, früher nur der Aussicht wegen. Neuerdings aber hat sie durch das Engagement des Restaurantmanagers Antony Apeitos Fortschritte gemacht. Apeitos arbeitete früher in der "Bebel-Bar" im "Hotel de Rome", ehemals eine der besten Bars Berlins. Auch hat seine Rooftop-Bar endlich eine Küche mit Personal, das sich erfolgreich Mühe gibt, was man nicht von vielen Lokalen an der Ostsee sagen kann. Die meisten verlassen sich darauf, dass die Gäste schon allein der Lage wegen wiederkommen, egal, ob gut gekocht wird oder nicht.

In meinem Glück pflügte ich mich zu Pfingsten durch die Karte und bat den Barmann, gerade noch verständlich, um die Rezepte einiger seiner Cocktails und Drinks. Wir beschränken uns hier auf die, die zu Hause ohne großen Aufwand gemixt, gerührt oder geschüttelt werden können, und beginnen mit einem Beeren-Aperitif, den man je nach Neigung und Portemonnaie-Umfang mit Prosecco, Sekt oder Champagner auffüllen kann – oder mit einem nicht alkoholischen Geschäum namens "Zero", das ich im Frühjahr auf der Düsseldorfer Weinmesse entdeckt habe (siehe Kasten rechts). Persönlich würde ich zu einer Flasche des Champagners von Deutz greifen, aber wer keine Flügel braucht oder Kinder bespaßen will, nimmt die alkoholfreie Variante.

Zum Umsetzen der Rezepte brauchen wir ein Zentilitermaß (es misst in "cl").

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In Deutschland wird Gin Basil Smash getrunken. Erfunden wurde der aromatische Cocktail übrigens in Hamburg von Barkeeper Jörg Meyer, Besitzer der Bar Le Lion. Das satte Grün des Basilikums verleiht dem Cocktail eine wunderbare Farbe; und der Gin, mit seinem intensiven Wacholderaroma und Spuren von Zitrone oder Gurke harmoniert hervorragend mit der grasigen Frische des Basilikums und der Säure der Zitrone. Er ist und bleibt ein Trend-Cocktail.

In Deutschland wird Gin Basil Smash getrunken. Erfunden wurde der aromatische Cocktail übrigens in Hamburg von Barkeeper Jörg Meyer, Besitzer der Bar Le Lion. Das satte Grün des Basilikums verleiht dem Cocktail eine wunderbare Farbe; und der Gin, mit seinem intensiven Wacholderaroma und Spuren von Zitrone oder Gurke harmoniert hervorragend mit der grasigen Frische des Basilikums und der Säure der Zitrone. Er ist und bleibt ein Trend-Cocktail.

Einen Tiefkühlbeerenmix aus Erd-, Him-, Blau-, Brom- und Johannisbeeren (gibt's im Supermarkt) auftauen und im Mixer mit einer Handvoll Blätter frischer Minze sowie Eiswürfeln pürieren, dabei etwas Zucker dazugeben. Das geht – wie ich getestet habe – gut mit einem Schneidstab.

Bei den Mengen bleibt Apeitos zugegeben etwas vage, aber tatsächlich ist das Verhältnis der Teile zueinander eine Sache des Geschmacks; man verfährt nach Gusto. Unter Zucker verstehen Barleute Läuterzucker, also sagen wir 500 g Zucker- und 1/2 l Wasser bis zur Auflösung aufgekocht, dann abgekühlt und im Kühlschrank aufbewahrt, hält sich ewig (kann man aber auch fertig kaufen).

Das Püree verwendet Apeitos, wie es ist, er liebt das Knuspergefühl der Beerenkerne im Mund. Ich nicht, ich streiche mir das Püree durch ein Sieb, indem ich die Mumpe mit dem Rücken einer Suppenkelle in kreisenden Bewegungen durch die Maschen drücke. Das hält die Kerne zurück und mich davon ab, mit der Zunge dem Gegrissel nachzuforschen.

Apeitos gibt 1 EL Beerenpüree in ein Glas, gießt je 2 cl Erdbeer- und Himbeerlikör sowie 2 cl Zitronensaft dazu, senkt 2–3 Eiswürfel hinein und gießt mit gut gekühltem Schaumwein auf. Der Effekt ist irre! Zu erleben ist eine fast psychedelisch wirkende Farbexplosion, da die Kohlensäure im Schaumwein mit den festen Bestandteilen des Pürees reagiert, was die Chose gewaltig aufpilzt und wie wild Aromen freisetzt.

Teure Zutaten, muss das sein?

Was sind nun Erdbeerlikör, Himbeerlikör usw.? Es handelt sich um sauber abgepresste Fruchtsäfte, die mit 20 Prozent Alkohol haltbar gemacht sind. Apeitos setzt die Liköre der Elsässer Firma Massenez ein, offenbar ist das die gediegenste Qualität, die der Großhandel leider nur direkt an die Gastronomie liefert. Will man das Zeug zu Hause haben, muss man einen Barmann bequatschen. Ich habe zu Versuchszwecken die Liköre von Monin verwendet, auch weil ich kein Konto auf den Cayman Islands habe. Für mich taten die es, sie sind aber vergleichsweise künstlich.

Passionsfrucht, alkoholfrei: 1 schrumpelige Passionsfrucht halbieren, das Mark samt der Kerne herauslösen, es mit 3 cl Vanillesirup (Monin), 2 cl Zitronensaft, 10 cl Maracujasaft (z. B. von Ponthier, erhältlich in vielen "Frischeparadiesen") und ein paar Eiswürfeln im Mixerpürieren. 1 EL Beerenpüree zugeben, et voilà.

Beeren-Mojito: 2 geachtelte Limetten und 2 Zweige Minze mit 2 cl Läuterzucker "muddeln" , das heißt mit einem Stößel in einem Cocktailbecher quetschen. 2 EL Beerenpüree, je 2 cl Erdbeer- und Himbeerlikör sowie 4 cl dunklen Rumzufügen, schütteln, mit Mineralwasser auffüllen und mit schwarzem Pfeffer sowie Crema di Balsamico würzen.

Zitrusfrüchte-Aperitif: zunächst Zitronen, Grapefruit und Orangen (bio) vierteln. Je 2 Viertel Zitrone, Grapefruit und Orange mit 1 cl Zucker und ein paar Stücken frischem Ingwer in einem großen Glas zerstoßen und dort belassen. Eiswürfel, 4 cl Gin und 2 cl Aprikosenlikör dazugeben und mit Tonic Water auffüllen.

Für einen Litschi-Ingwer-Aperitif: 3–4 Litschifrüchte aus der Dose mit etwas von ihrer Flüssigkeit, ferner mit 4 cl Wodka, 2 cl Aprikosenlikör, 2 cl Ingwerlikör, 2 cl Litschilikör (gibt es bei Massenez und von Kwai Feh) sowie Eiswürfeln im Mixer pürieren. Auffüllen mit Prosecco oder Champagner.

French Mule: 1 daumenlanges Stück Ingwerwurzel, 1 ebenso langes Stück Salatgurke– beide in groben Stücken – zusammen mit 2 cl Zucker, 4 cl Wodka, 2 cl Ingwerlikör und 1 cl Zitronensaft "muddeln", mit Spicy Ginger (von Thomas Henry) und mit Eiswürfeln auffüllen, Minzzweige hineinstecken und servieren. 

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