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"Es ist schlimm, wenn du die Fresse aufreißt und dann eine rein kriegst"

Diese Kochsendung ist anders. Sie ist spannend, man schämt sich, hat Mitleid – und wird vor allem super unterhalten. Tim Mälzer geht mit "Kitchen Impossible" in Serie. Seine Kontrahenten? Koryphäen am Herd und – er selbst.

Tim Mälzer und Christian Lohse

In Folge eins von "Kitchen Impossible" forderten sich Tim Mälzer und Christian Lohse gegenseitig heraus. Es gab einen klaren Sieger.

Mit einer Pilotfolge ging "Kitchen Impossible" letztes Jahr auf Sendung. Tim Mälzer forderte Tim Raue heraus und umgekehrt. Sie versuchten sich gegenseitig vor eine der schwersten und auch schlimmsten Herausforderungen zu stellen, die sie im kulinarischen Bereich erleben können. Es flossen Tränen, es wurde geflucht und geschimpft und dem Kontrahenten der Tod gewünscht.

Das Format kam so gut an, dass "Kitchen Impossible" am gestrigen Sonntag auf Vox in Serie gegangen ist. Fünf weitere Ausgaben sollen folgen. Die Protagonisten? Keine "Kitchen Impossible" ohne Tim Mälzer, die Kontrahenten sind dieses Mal sechs Koryphäen auf dem Gebiet des Kochens - einschließlich Tim Raue. In Teil eins haben sich Tim Mälzer und Zwei-Sternekoch Christian Lohse gegenseitig herausgefordert.

Einfache Regeln, schweißtreibende Herausforderungen

Die Regeln sind einfach: Den Köchen wird ein Teller in einer schwarzen Box serviert. Nur anhand des Auges und der Zunge müssen die Starköche analysieren, um welches Gericht es sich handelt und welche Zutaten verwendet wurden. Dann müssen die Produkte besorgt und in der Originalküche nachgekocht werden. Das Gericht wird von einer der härtesten Jurys bewertet: Von zehn Menschen, deren Lieblingsessen das ist. Sie kennen das Gericht nicht nur auswendig, sondern verbinden auch bestimmte Emotionen damit. Sie bewerten, wie nah das Gekochte an das Originalgericht heranreicht.

Was noch erwähnt werden sollte: Die Kontrahenten suchen für den jeweils anderen aus, was sie kochen müssen und vor allem wo. Lohses erste Aufgabe fand in England statt, Mälzers in Frankreich. Das zweite Duell trug Lohse in Deutschland und Mälzer in Italien aus. Vor welche Herausforderungen sie gestellt werden, erfahren sie immer erst vor Ort.

Lohse gab sich vor dem Beginn siegessicher: "Ich bin noch nie angetreten um zu verlieren, ich trete an, um zu gewinnen." Auch Mälzer zeigte keine Angst zu scheitern.

1. Station: Tim Mälzer in Dijon, Frankreich

Mälzers erstes Duell führt ihn in die Lehrzeit von Christian Lohse – ins Restaurant von Jean Pierre Billoux in Dijon. Die zwei Teller, die dem TV-Koch serviert werden, enthalten ein herzhaft-gefülltes Küchlein mit Entenragout und Birnen und einen Fisch mit filigran-geschnittenem Gemüse. Filigran schneiden, darauf kommt es bei diesem Duell an, den das kann Tim Mälzer einfach nicht. Mälzer hingegen denkt zu Beginn, dass es eine leichte Herausforderung für ihn wird. Als er dann an einem Montag siegessicher seine Produkte einkaufen will, bekommt er den ersten Dämpfer verpasst. Montags haben Marktstände und Supermärkte und auch Bäckereien geschlossen. Ein kleines Detail, das Lohse vergaß, zu erwähnen.

Das Ergebnis: Die Franzosen bewerten Tim Mälzer fair und geben ihm für seine Interpretation seines Gerichts 6,3 von 10 Punkten. Christian Lohse ist stolz auf den TV-Koch.

2. Station: Christian Lohse in Düsseldorf, Deutschland

Lohses erste Reaktion auf die schwarze Box: "Mälzer ist ein Arsch." Denn der Sternekoch bekommt japanische Küche vorgesetzt - schwarzer Kabeljau in Miso-Marinade, Auberginen-Maki, klare Ramen-Suppe, Thunfisch-Nigiri, Inside-Out-Rolls, Wagyu-Beef und weitere japanische Köstlichkeiten. Lohse muss im Nagaya kochen, das mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet ist. 

Zur Vorbereitung machte er einen Sushi-Crashkurs – wie schneidet man den Fisch, wie rollt man Inside-Out. Für den Koch mit zwei Michelin-Sternen eine Herausforderung, denn Fingerspitzengefühl ist nicht seine Stärke.

Das Ergebnis: Der Küchenchef des Nagaya zieht zwar den Hut vor Lohse. Die Jury bewertet den Sternekoch jedoch nur mit 3,4 Punkten. Seine Inspiration kommt nur mittelmäßig an das Originalgericht heran. 

3. Station: Tim Mälzer in Cessole, Italien

Vor was Mälzer am meisten graut, ist in Italien einen Pastateig zu machen und ihn füllen zu müssen. "Das wäre für mich keine Herausforderung, sondern Strafe." Natürlich ist Lohse in seiner Aufgabenverteilung nicht human. Denn genau das, muss Mälzer in seinem nächsten Duell zubereiten - Agnolotti, gefüllte Teigtäschchen aus der Region Piemont. Außerdem ein perfekt-gebratenes Perlhuhn. Puristische Gerichte, die sehr viel Fingerspitzengefühl benötigen.

Das Ergebnis: Mälzer überzeugt mit seiner Freude am Kochen und erhält insgesamt 5,2 Punkte. Das Perlhuhn hatte Mälzer mit einem normalen Huhn verwechselt. Doch er ist stolz auf seine Leistung in Italien: "Ich glaube, ich bin ein Italiener", sagt der TV-Koch von sich selbst.

4. Station: Christian Lohse in London, England

"Ich vermute, Mälzer hat sich eine dicke Sau überlegt", so Lohse, bevor er erfährt, welcher Herausforderung er sich stellen muss. Lohse hat vor 20 Jahren sogar in England gelebt und gearbeitet. Seine erste Vermutung, er müsse sich in englischer Hochküche beweisen, ist ein Trugschluss. Denn für ihn geht es nach Little India. Er muss ein Fischcurry, eine Tandoori-Fleischplatte und Naan-Brot zubereiten. Und das im "Brilliant", einem der besten indischen Restaurants außerhalb Indiens. Scheitert Lohse an der Menge der Zutaten und an der Art der Zubereitung?

Das Ergebnis: Die Kritik ist ernüchternd. Überzeugt hat er vor allem durch seine Leidenschaft und Motivation. Von der Jury erhält er eine Gesamtwertung von 4,5 Punkten.

Das Endergebnis:

Sieger dieses Duells ist ganz klar Tim Mälzer, der durch seine beiden Aufgaben auf eine Punktzahl von 11,5 von 20 kam, Lohse hingegen nur auf 7,9 Punkte. Was aber viel wichtiger ist, "Kitchen Impossible" ist endlich mal wieder eine Kochshow, die Spaß macht. Vor allem, weil man gestandenen Köchen dabei zu sehen kann, wie sie an ihre Grenzen stoßen und weil man einen Einblick in Profi-Küchen gewährt bekommt, den es so im TV vorher noch nicht gab.


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