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Latte matschiato, Gnotschi und Prosätscho

Wenn man etwas besonders richtig machen möchte, läuft man Gefahr, dass es besonders falsch wird. Das kann dann sehr lustig werden, etwa bei der Aussprache mancher Speisen und Getränke.

  Was das ist, weiß inzwischen jeder: ein Latte macchiato. Bei der richtigen Aussprache hingegen hapert es oft. Es heißt nicht "Latte matschato" oder "Latte macchiato", sondern "Latte makkiato".

Was das ist, weiß inzwischen jeder: ein Latte macchiato. Bei der richtigen Aussprache hingegen hapert es oft. Es heißt nicht "Latte matschato" oder "Latte macchiato", sondern "Latte makkiato".

Der Deutsche hat den Ruf des ewigen Besserwissers, und um das Klischee noch etwas weiter zu strapazieren, den des bemühten Vorbilds. Er will alles richtig machen. Dazu gehört auch, ausländische Begriffe richtig auszusprechen, wenn man sie schon nutzt, etwa bei Speisen und Getränken. Entsprechend lustig ist es, wenn das nicht so ganz hinhaut.

Eigentlich wären solche Patzer nicht weiter schlimm und auch nicht der Rede wert - gäbe es dieses Bemühen nicht. Was ein Franzose oder Italiener oder Spanier wahrscheinlich mit einem Schulterzucken abtun würde, falls es ihm überhaupt auffiele, treibt hierzulande so manchem die Schamesröte ins Gesicht. Und man muss kein besonderer Sprachpedant sein, um diesen kleinen, nagenden Drang zu verspüren, den anderen auf den Fehler aufmerksam zu machen - ganz vorbildlich freundlich, versteht sich.

Unsere Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie liefert vielmehr einen kleinen Überblick über die gängigsten sprachlichen Stolperfallen der kulinarischen Welt und ist augenzwinkernd gemeint. Italienische Begriffe sind - wegen der Beliebtheit ihrer Speisen - am häufigsten vertreten, doch auch spanische sind darunter. Wenn Ihnen noch weitere einfallen, schreiben Sie uns gerne.

Falsch: Latte mattschiato und Latte matschato

Nein, keinen Matsch bitte. Der Latte macchiato spricht sich auch nicht wie Cappuccino. Der Unterschied ist: Bei dem Wort "macchiato" steht ein "h" zwischen "c" und "i", bei Cappuccino nicht. Die Regel besagt: Steht ein "ch" vor einem "e" oder "i", wird es wie hartes "k" gesprochen. Ohne "h" wird es zu "tschi" (-ci) oder "tsche" (-ce).

Richtig wird es so ausgesprochen:

Latte makkiato

Falsch: Gnotschi und Knocki

Ja, beide Varianten sind falsch. Die Aussprache des "ch" vor einem "i" wurde schon geklärt, siehe oben. Im Italienischen ergeben die Buchstaben "g" und "n" zusammen einen Laut, der wie "nj" in Banjo klingt. Falsch ist übrigens auch, den Gnocchi ein "s" anzuhängen und Gnotschis, Knockis oder Njokis zu sagen. Gnocchi sind schon im Plural, niemand serviert die kleinen Knödel einzeln, was dann Gnocco heißen würde.

Richtig wird es so ausgesprochen:

Njokki

Falsch: Prosätscho

Ein Klassiker, bei dem die Verballhornung fast schon salonfähig geworden ist. Doch es ist und bleibt falsch, und das derbe Prosätscho will so gar nicht zu dem perlenden Blubberwasser passen. Im Italienischen spricht man ein "c" vor einem "o" als "k" aus. Wer dabei möglichst italienisch klingen möchte, schenkt dem Wort ein rollendes "r" und ein scharfes "s".

Im Plural heißt es im Italienischen übrigens Prosecchi. Steht ein "c" vor einem "e" oder "i", ergibt das einen "tschi"-Laut. Schiebt sich aber ein "h" dazwischen wie hier, wird aus dem "ch" ein "k". Es heißt dann Pro-ssekki, nicht Pro-setschi. Der Duden meint aber, dass Prosecco inzwischen so weit eingedeutscht ist, dass man auch Proseccos sagen könnte, ohne sich zu blamieren. Ihre Wahl.

Richtig wird es so ausgesprochen:

Pro-ssekko

und

Pro-sekki (oder Pro-ssekkos)

Falsch: Expresso

Noch so ein Klassiker, gerne auch in den Varianten "zwei Expressis" oder "zwei Expressos" verwendet. Verbannen wir das "x" und ersetzen es durch ein "s". Espresso, schon besser. Sie können auch "un caffè" bestellen und bekommen trotzdem einen Espresso. Das ist die gängigere Bezeichnung beim Profi-Italiener.

Richtig wird es so ausgesprochen:

Ess-presso

Falsch: Schiabatta oder Tschiabatta

Ja, nicht nur die deutsche Sprache hat so ihre Tücken. Gemeint ist natürlich das Brot, Ciabatta. Steht ein "i" zwischen einem "c" und einem anderen Vokal, wird daraus kein "tschi", sondern das "i" fällt weg. Übrig bleibt nur ein "tsch"-Laut wie in "ciao", das nicht "tschiao", sondern "tschau" gesprochen wird. Das gilt übrigens auch für das "g", aus dem dann ein "dsch" wird.

Richtig wird es so ausgesprochen:

Tscha-batta

Falsch: Tackliatelle

Tolle Nudeln, diese Tagliatelle. Bei der Aussprache bitte alles Kantige weglassen, denn das "g" wird ganz weich, wenn es sich an ein "l" schmiegt. Genau genommen verschwindet es. Ein "g" und ein "l" ergeben zusammen den Klang "lj".

Richtig wird es so ausgesprochen:

Talja-telle

Falsch: Sutschini

Auch hier kann man kurz stutzig werden. Was ist gemeint? Ach so, Zucchini. Das Gemüse. Die Erklärung hatten wir schon, siehe Latte macchiato. Ansonsten könnte man anmerken, dass im Italienischen das "z" eher weich wie in Suppe ausgesprochen wird. Da aber Wort und Gemüse eingedeutscht sind, ist es auch geläufig, Zucchini mit zackigem "z" wie in Zucker zu sprechen. Nur bitte nicht mit "tsch".

Richtig wird es so ausgesprochen:

Tsu-kkini

Falsch: Bru-schedda

Auch das haben wir schon geklärt: Ein "ch" vor einem "e" ergibt ein "k" - egal, ob ein "s" davor steht.

Richtig wird es so ausgesprochen:

Brus-ketta

Falsch: Pinott griegio

Auch die Welt der Weine birgt so manche sprachliche Hürde mit sich. Beim Pinot etwa ist das "t" nicht zu hören, und aus dem "i" zwischen "g" und einem Vokal wird ein "dsch"-Laut wie in Dschungel.

Richtig wird es so ausgesprochen:

Piino gri-dscho

Falsch: Schianti und Tschianti

Die reden ist natürlich vom Chianti, dem Wein. Siehe Latte macchiato.

Richtig wird es so ausgesprochen:

Ki-anti

Falsch: Ri-oja

Verlassen wir Italien, kommen wir zu spanischen Wörtern. Das "j" wird im Spanischen nicht als "j" wie in "ja" ausgesprochen. Vielmehr wird hier ein "ch"-Laut erzeugt, wie in "ach".

Richtig wird es so ausgesprochen:

Ri-ocha

Falsch: Schoritzo

Wirklich? Das ist falsch?, fragen sich manche jetzt bestimmt. Und ja, ist es. Das "z" wird wie das englische "th" in "think" ausgesprochen.

Richtig wird es so ausgesprochen:

Tschori-tho

(englisches "th")

Falsch: Pa-ella

So falsch wie das oft gehörte "Mallorza" mit deutlich hörbarem "l". Die Regel lautet: Bei Worten mit Doppel-L werden diese wie "lj" ausgesprochen, wobei das "l" oft kaum hörbar ist. Es gibt auch Regionen, wo das "l" komplett wegfällt.

Richtig wird es so ausgesprochen:

Pa-elja

Falsch: Börbenvanille

Nein, der Whisky hat hier nichts verloren. Bourbon kommt aus dem Französischen. Die heutige Insel La Réunion östlich von Madagaskar hieß bis 1974 "Île de Bourbon" - von dort stammt die berühmte Vanilleschote. Und Vanille kann man mit deutlich hörbarem "l" oder mit "lj" aussprechen, sagt der Duden. Falsch wäre in jedem Fall "Vanijje".

Richtig wird es so ausgesprochen:

Burrbon-Vanille oder Burrbon-Vanilje

Falsch: Wörschestersoße oder Wortschestersoße

Das ist eines der Wörter, die man sich auch nach mehrmaliger Korrektur nur schwer merken kann. Eigentlich heißt die berühmte englische Würzsauce Worcestershiresauce, jedenfalls im Original von der Firma "Lea & Perrins", die sie einst erfunden hatte (heute gehört sie zu der US-Firma H. J. Heinz Company). Umgangssprachlich kennt man sie aber als Worcestersauce, und so heißen auch die Nachahmerprodukte. Die Sauce wurde nach einem Ort namens Worcester benannt.

Was die Aussprache betrifft: Schuld sind die Engländer. Manche Wörter spricht man nicht aus, wie man es erwarten würde. Das hat historische Gründe. Die Sprache hat sich weiterentwickelt, die Schreibweise nicht.

Richtig wird es so ausgesprochen:

Wusstersoße

Falsch: Gelantine

Nein, es steht kein "n" in der Mitte. Und noch einmal: Es steht kein "n" in der Mitte.

Richtig wird es so ausgesprochen:

Schela-tine (Wobei auch das genau genommen nicht ganz richtig ist, aber für das weiche Sch gibt es keinen adäquaten Laut im Deutschen. Es spricht sich wie das zweite G in Garage)

Falsch: Kobra libre

Manche Fehler entstehen, weil man es einmal falsch verstanden hat - und dann bleiben sie falsch. Fragen Sie den Barkeeper Ihres Vertrauens: Kobra libre kommt vor. Kein Witz. Dabei hat das Getränk nichts mit entfesselten Schlangen zu tun. Es heißt Cuba libre. Ganz einfach.

Richtig wird es so ausgesprochen:

Kuba libre

Falsch: Caipiranha

Noch so ein herrlicher Versprecher an der Bar und am lustigsten, wenn der Gast bei der Bestellung ernst bleibt - und es genau so meint. Der Witz erschließt sich einem auch eher beim Hören, beim Lesen muss man schon genauer hinsehen. Nein, die kleinen Raubfische ("piranha") haben hier nichts verloren. Der Begriff "Caipirinha" hat sich aus dem brasilianischen Wort "caipira" entwickelt. Das ist abwertend gemeint und bedeutet so etwas wie Hinterwäldler. Die Verkleinerungsform entspräche demnach am ehesten dem Begriff etwas freundlicheren Wort Landei. Mit der Abkürzung "Caipi" sind Sie bei einer Bestellung in jedem Fall auf der sicheren Seite.

Richtig wird es so ausgesprochen:

Kaipi-rinja

Sonja Helms
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