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Wo Skifahrer im Luxus schwelgen

Der Trend geht zur einsamen Skiunterkunft mit Sauna, Pool und Internetzugang. Hoch oben in den Bergen Südtirols bietet eine veredelte Skihütte die optimale Kombination aus Natur, Abgeschiedenheit und Komfort.

Von Joachim Rienhardt

Frau mit Handtuch in Sauna

Gemütlich in der Sauna des Almhotel Col Raiser enstpannen

Am schönsten ist es am späten Nachmittag. So gegen fünf, wenn die letzten Tagesgäste ihre Bretter angeschnallt und sich zur Talabfahrt gen Sankt Christina aufgemacht haben. Dann kehrt hier oben am Col Raiser auf 2103 Meter Höhe himmlische Ruhe ein. Zu dieser Stunde nimmt Luis Schenk, der 80-jährige Bergführer, auf der Terrasse Platz - mit einem Glas Rotwein und seinem Fernglas.´

Schenk hat eine der spektakulärsten Kulissen der Dolomiten vor sich: links die Felstürme der Sella-Gruppe, gegenüber der erhabene Langkofel, der in den immer noch blauen Himmel ragt, rechts der Rosengarten, den die Abendsonne schon in sanftes Rot taucht. Mit dem Fernglas sucht Schenk das Gelände ab. Früher ist er da selbst jedes Jahr dutzendfach hoch gestiegen. "Ich lebe für diese Berge. Und ich sterbe für sie", sagt Schenk und nippt am Wein.

Vor 44 Jahren hat er hier oben eine Hütte errichtet, die Wanderern Schutz bot, aber frei von Komfort war. Bergsteiger, die das abendliche Naturspektakel erleben wollten, mussten sich mit kargen Lagern begnügen. Heute herrscht auf dem Berg die Atmosphäre gehobener Hotellerie. Schenks Sohn Hans hat die Hütte zur Luxus-Herberge ausgebaut.

Gemütlich ist es immer noch

Und er ist nicht der Einzige. Immer mehr ehemalige schlichte Schutzbehausungen werden ausgebaut und schick gemacht. Ob rustikal oder in modernem Design, die Hüttenhotels eint vor allem eines: der Luxus-Faktor Abgeschiedenheit. "Die Gäste kommen hier her, weil sie die Ruhe suchen", sagt Hans Schenk.

Der Senior freut sich über das gute Geschäft - obwohl es ihm mit dem Komfort ein wenig zu weit geht. Sauna, Pool, Internet auf jedem der zehn Zimmer - das sind Dinge, die für ihn nicht unbedingt her gehören. Jahrelang gab es hier nicht einmal Telefon. Damals, als er hier oben seine Bergsteigerschule betrieb und seine Kinder winters auf Skiern zur Schule fuhren, war selbst eine Waschschüssel Luxus. Aber die Zeiten haben sich geändert. "Mit Matratzenlager kriegst du keine Gäste mehr hier hoch, auch wenn es für mich der schönste Platz der Welt ist", sagt der Senior.

Frau mit Handtuch in Sauna

Gemütlich in der Sauna des Almhotel Col Raiser enstpannen


Mit einem Weißbier hat sich auch Karl-Heinz auf der Terrasse niedergelassen. Er war schon vor 30 Jahren Gast in der alten Hütte, als man noch in Schlafsäcken im Sammellager genächtigt hat. "War auch okay" sagt er. Mit zunehmendem Alter und steigendem Gehalt war er ins Tal abgewandert. Heute, mit 65 frisch im Ruhestand, hat der Ex-Chef eines schwäbischen Traditionsunternehmens wieder auf den Berg zurück gefunden. "Für mich ist es die optimale Kombination aus Natur und Annehmlichkeit. Und gemütlich ist es immer noch."

Die Hütte neben der Gondelbahn

Und morgens kann er auf den menschenleeren Pisten schon die ersten Spuren in die frisch gewalzten Pisten ziehen, während die Touristen aus dem Tal noch an der Gondel Schlange stehen. Und wenn er die zwölf Kilometer lange Piste hinab nach Sankt Ulrich nimmt, dem Geburtsort von Luis Trenker, kann er eintauchen ins Skigebiet von Dolomiti Superski, mit 1200 Pistenkilometern größter Lift-Verbund der Welt.

1944, als Luis Schenk hier zum Col Raiser herauf die erste Gondelbahn des Grödner-Tals hat bauen lassen, durfte er neben der Liftstation nur eine ganz einfache Hütte errichten. "Wir schenkten Tee aus und offerierten immer nur ein Menü. An einem Tag gab es Suppe mit Würstl und am anderen Würstl mit Suppe", erinnert er sich. "Und wenn einer nach der Toilette fragte, habe ich ihm den Weg zum nächsten Baum beschrieben." Heute kommen die frischen Brötchen mit der ersten Bahn, mittags gibt es selbst gebackenen Kuchen, und abends kocht die Frau des Chefs Südtiroler Spezialitäten. Und manchmal nimmt einen Luis mit ins Gelände.

Ihn zieht es meist hinüber zur Seiser Alm, der größten Alm der Alpen. Die flachen Pisten dort sind optimal für seine alten Knochen. Sobald er aus dem Lift ausgestiegen ist, fährt er dann vorne weg und ruft: "Lassen wir's duschen." Genau so, wie er es früher immer gemacht hat.

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