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Ist dieser Ofen die nächste Küchen-Revolution?

Plug-n-Play ist in der Küche angekommen. In den USA gibt es jetzt einen smarten Herd, der komplette Menüs in kürzester Zeit ganz von allein zubereitet. Doch das Kochen für Faule hat auch Nachteile.

Sieht aus wie eine Mikrowelle, kann aber viel mehr.

Sieht aus wie eine Mikrowelle, kann aber viel mehr.

Nun ist es so weit, nach Kickstarter-Kampagne und Geld von Investoren kann man in den den Science-Fiction-Herd von Tovala kaufen – für 399 US-Dollar. Der Tovala-Herd sieht von außen aus wie eine hochwertige Mikrowelle – kann aber ein bisschen mehr, als nur warm machen. Er kann backen, kochen und braten beziehungsweise grillen.

Er ist noch mehr als eine Art kompakter Superherd. Sein Versprechen: In 10 bis 30 Minuten Zubereitungszeit zaubert der Tovala ein komplettes Feinschmecker-Menü auf den Tisch. Ohne Arbeit und – noch besser – ohne Abwasch.

Kochen für Faule

Schon heute kann man im Internet zusammengestellte Kits für fast jedes Gericht bestellen. So erspart man sich den Aufwand, exotische Zutaten zu kaufen – außerdem erhält man jede Zutat in der benötigten Menge. Nach einem indischen Menü steht der Hobby-Koch nicht mehr mit einem Karton angebrochener Gewürze und Zutaten da. Eine tolle Idee – von der allerdings der typische Tovala-Kunden kaum etwas haben dürfte. Zielgruppe ist eher der Kochmuffel, der weder Gemüse putzen, noch schnippeln will, geschweige denn Fisch entgräten. Eigentlich will er gar nicht kochen, sondern nur essen oder als Gastgeber auftafeln, ohne viel dafür tun zu müssen.

Frisch im Schüsselchen - aber viel Alu-Müll

Und diese Arbeit nimmt ihm Tovala ab: Hier wird das Essen zubereitungsfertig geliefert. In kleinen Aluminium-Schälchen werden die einzelnen Bestandteile des Menüs gebracht. Die Schälchen müssen nur in den Ofen gestellt werden. Den Rest übernimmt die Maschine. Ein Laserscanner liest den Code auf den Schüsselchen und die Maschine weiß, was zu tun ist. Anders als ein herkömmlicher Herd besitzt der Tovala einen Wassertank, um Dampf im Inneren zu erzeugen. So kann man auch Reis kochen. Nur ein Mikrowellen-Modul besitzt die Maschine nicht. Die Gründer halten das Erhitzen per Mikrowelle für ungesund. 

Leckerer als ein Fertiggericht

Leckerer als ein Fertiggericht

Die Küchenarbeit besteht lediglich aus dem Decken des Tisches – wenn man nicht aus der Aluschüssel essen will. Nach dem Mahl kommen die Teller in die Geschirrspülmaschine – weniger Arbeit geht nicht. Die Küche wird eigentlich nicht benutzt und bleibt folglich auch sauber. "Das ist die größte Klage mit diesen Essens-Kits. Nach dem ganzen Kochen bleibst du auf einem Berg an Töpfen, Pfannen und Schalen sitzen, die du säubern musst. Mit unseren Essen musst du überhaupt nichts sauber machen", strahlt Mit-Gründer David Rabie. Dafür hinterlässt man allerdings einen ziemlich großen Haufen Alu-Müll - umweltfreundlich geht anders.

In den USA wurde das Gerät bereits von TV-Sendern und Webseiten ausprobiert. Die Tester waren von den fertigen Gerichten sehr angetan. Anders als manche Kickstarter-Innovation scheint das Gerät also zu funktionieren.

Essen im Aboservice

Die eigentliche Geschäftsidee ist der Lieferservice im Abo. Zum Start bietet Tovala drei Singlemahlzeiten für 36 Dollar beziehungsweise drei Zweier-Portionen für 72 Dollar an. Dabei handelt es sich aber um ein umfangreiches Mahl und nicht um günstige Wohngemeinschaftsküche. In den USA liegt die Firma damit auf dem gleichen Preisniveau wie etablierte Dienste für Lebensmittelpakete – mit dem zusätzlichen Nutzen, dass man keine weitere Arbeit hat.

Auch eigene Rezepte sollen möglich sein

Sympathisch ist, dass auf Dauer niemand gezwungen sein wird, ein vorbereitetes Essen zu servieren. Es handelt sich im Konzept um ein offenes System. Die Maschine soll es akzeptieren, wenn der Kunde selbst die Bestandteile des Mahles vorbereitet und mit eigenen Schälchen seinen Tovala füllt. Sollte sich das System etablieren, könnten auch Lebensmittelläden oder Restaurants Pakete für den Wunderofen anbieten. 

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