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Franzosen interpretieren Spaghetti Carbonara neu – und Italiener drehen durch

Wenn's ums Essen geht, verstehen die Italiener keinen Spaß. Vor allem nicht, wenn ihre Traditionsrezepte neu interpretiert werden. Das wagte ein französischer Food-Blog und zog damit den Zorn Italiens auf sich.

Spaghetti Carbonara

Für Spaghetti Carbonara braucht man eigentlich nur drei Zutaten, abgesehen von Spaghetti, Salz und Pfeffer: Pecorino-Käse, Eier und Guanciale (Backenspeck vom Schwein).

Mit Italienern diskutiert man nicht übers Essen. Vor allem nicht über italienische Rezepte. Die wurden vor Jahrzehnten einmal festgelegt und dürfen nicht verändert werden. Keine Kompromisse. Wenn die Italiener nach Deutschland schielen und dabei zusehen müssen, dass manch einer Sahne in die Spaghetti Carbonara hinein gibt, schlagen sie die Hände vors Gesicht und rufen "Non si fa" - "Das macht man nicht". Jetzt gilt der Zorn zur Abwechslung nicht den Deutschen, sondern den Franzosen.

Der französische Foodblog Demotivateur hat es gewagt, die Spaghetti Carbonara neu zu interpretieren: als One-Pot-Pasta. Mit Barilla-Farfalle, Crème fraîche, Zwiebeln und einem rohen Ei on top. Das ist mehr als ein Fauxpas. Das grenzt in Italien an kulinarischer Blasphemie. Aber sehen Sie selbst: 

"Fünf Schweigeminuten für den Tod der Carbonara in Frankreich", kommentiert eine Facebook-Gruppe, die sich "Sai cosa mangi?" "Weißt du, was du isst?" nennt. Sie schreibt weiter: "Verzeiht ihnen, weil sie nicht wissen, was sie tun." Der Blog konnte wohl nicht ahnen, welche Wellen der Aufregung das Video auf Youtube schlagen würde. Laut dem "Telegraph" haben bis zu 1,3 Millionen Menschen das Carbonara-Desaster geklickt und auch kommentiert. Mittlerweile hat der Foodblog das Video vom Netz genommen. Eine weise Entscheidung, wie viele Italiener meinen. Denn in die echte Spaghetti Carbonara dürfen neben Spaghetti, Salz und Pfeffer nur drei weitere Zutaten: Pecorino-Käse, Eier und Guanciale (Backenspeck vom Schwein). Der Speck wird dabei scharf angebraten, Käse und Eier zu einer Masse vermengt und über die warmen, bissfesten Spaghetti gegeben. Die Sämigkeit der Pasta entsteht nur mithilfe des Eigelbs und eventuell noch einer Kelle Nudelwasser. Aber niemals mit Créme fraîche.

Carbonaragate erregt die italienischen Gemüter 

Sogar der italienische Nudelhersteller Barilla hat sich auf Facebook zu Carbonaragate, wie einige internationale Medien den Vorfall getauft haben, geäußert: 

"Mon dieu! Wir sind offen für alle kreativen Interpretationen der mythischen Carbonara, aber das geht zu weit... désolé, es tut uns Leid!" schreibt Barilla auf Facebook. "Versucht das Bild von gekochtem Speck mit diesem Originalrezept unseres Küchenchefs zu verdrängen", empfiehlt Barilla den Facebook-Usern und postet ein Rezept für eine traditionelle Spaghetti Carbonara.

Sogar die italienische Tageszeitung "La Repubblica" hat auf der ersten Seite über das Youtube-Video berichtet und die Franzosen darin beschuldigt, innerhalb von 46 Sekunden ein Gericht, das eigentlich die italienische Tradition symbolisiert, zerstört zu haben.

Barilla hingegen beharrt darauf, dass das Youtube-Video vom französischen Blog, die Barilla-Nudeln in ihrem Rezept verwenden, keine bezahlte Werbung sei, obwohl der Blog Demotivateur ein redaktioneller Partner von Barilla sei. Ein Sprecher von Barilla sagt, dass Demotivateur in diesem Fall einfach falsch gelegen habe und deshalb wurde das Video auch vom Netz genommen. Dafür habe Barilla aber ein ordnungsgemäßes Video der Spaghetti Carbonara veröffentlicht. 

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