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Wen haben wir denn da?

Die zwei kennen Sie nicht? Aber das sollten Sie, das müssen Sie unbedingt: Immerhin werden Ihnen diese beiden Herren in den nächsten 24 Wochen erklären, was in der feinen Welt des Weins Sein ist - und was Schein.

Aber keine Bange: In der Szene des gepflegten Trinkens sind Cornelius und Fabian Lange schon lange keine No-Names mehr. Haben immerhin schon neun Weinbücher veröffentlicht; von ihrem Werk "Keine Angst vor Wein!" wird derweil die dritte Auflage verkauft. Warum das so ist? Weil die Langes einen basisdemokratischen Ansatz entwickelt haben, der sie von vielen ihrer Kollegen unterscheidet: "Seit Wein immer billiger wird, ist er endlich für alle da. Vorbei die Zeiten, als guter Wein ein Luxusgetränk für Schnösel war", sagen die Langes. Und so halten sie es auch mit ihrer Schreibe: Ihre Texte kommen ohne den üblichen Weinjargon aus, folglich lesen sie sich so bodenständig, dass jeder sie versteht. Mittlerweile gelten die Brüder als innovativste Weinautoren in deutschen Landen - für den stern schreiben sie seit rund zehn Jahren.

Wie läuft die gemeinsame Arbeit unter Brüdern so ab? "Wein ist ein kommunikatives Getränk, und wenn wir zu zweit probieren, sind wir auch doppelt so gut", sagen Cornelius und Fabian. "Natürlich fliegen auch mal die Fetzen, wenn es um das richtige Wort beim Schreiben geht. Aber beim Wein sind wir fast immer einer Meinung." Ihr Weintrinker-Leben begannen sie wie die meisten im Supermarkt, vor langen Regalen und unendlicher Auswahl: "Am Anfang fanden wir den Discounter-Wein klasse, wir hatten schließlich dafür bezahlt, also musste er ja gut sein. Aber je öfter wir die Billigweine nach Hause holten, desto zweifelhafter schmeckten sie." Heute stöbern die beiden überall nach delikaten Stöffchen, ihre Suche nach guten und dennoch bezahlbaren Flaschen führt sie zu Winzern, Weinhandlungen, Messen und durchaus immer noch auch in den Supermarkt.

Ihr wachsendes Wissen benutzen sie aber nicht dazu, über Weine zu schreiben, die zunächst mal nur teuer sind: "Gerade unter zehn Euro gibt es unglaublich viel zu entdecken. Und das entspricht exakt unseren eigenen Trinkgewohnheiten: Zu Hause trinken wir fast nur Wein zwischen fünf und acht Euro, selten ist da mal was über 20 Euro dabei. Teuer heißt nicht automatisch besser."

Und doch suchen die Langes nach mehr als nur nach gutem Wein zu günstigem Preis: "Wenn es allein um Geschmack ginge, könnten wir alle auch Industrieweine aus Übersee trinken. Die sind fehlerfrei und schmecken irgendwie, dennoch fehlt etwas Entscheidendes: der Mehrwert, den ein handwerklich hergestellter, individueller Wein bieten kann." Deshalb empfehlen die Langes den Wein auch nicht nach dem Motto "Achtung, geiler Schoppen, haut rein, Leute!" Vielmehr erklären sie, was ein Wirtschaftsbegriff wie "Mehrwert" beim Wein zu suchen hat: "Jeder Wein hat eine Geschichte, er wird von individuellen Menschen gemacht und kommt aus einer speziellen Umgebung. Wenn man den Wein trinkt, wird man ein Teil dieser Geschichte. Wir möchten, dass die Leute Wein nicht nur konsumieren, wir möchten, dass sie mehr über Wein erfahren und sich besser orientieren können."

Berührungsängste bei Preis und Provenienz? Nö, und Manschetten tragen sie auch sonst nicht: Die beiden haben im stern schon einen Müller-Thurgau in der Literflasche vorgestellt oder Wein aus dem Tetrapak getestet: "Wir sind keine Vorkoster, die Weine beschreiben, bewerten und dann verkünden, dass alle das jetzt auch gut finden müssen. Wir sagen: Trinken Sie, was Ihnen schmeckt. Aber geben Sie sich niemals zufrieden - es gibt immer eine Steigerung." Die stern-Weinschule werden Cornelius und Fabian Lange nutzen, um anhand einer umfangreichen Weinauswahl zu erläutern, unter welchen Bedingungen Wein entsteht, wie unterschiedlich er ausfällt und wie viel Spaß man haben kann, wenn man ihn trinkt - getreu ihrem Glaubensbekenntnis: "Wein ist Emotion." Dennoch steht Wissensvermittlung im Vordergrund: "Selbst wenn man täglich zehn Weine probiert, bleibt man ohne Informationen über seine Herkunft und Entstehung letztlich ein Unwissender." Und unwissend mag man bei diesem Thema nun wirklich nicht sein - wo doch im Wein die Wahrheit liegt. Mit der Weinschule und den Weinverstehern Cornelius und Fabian aber sind Sie auf dem geraden Weg zum Kern des Getränks. Nun müssen Sie das Paket nur noch verschenken: an Freunde, an Ihre Lieben oder an sich selbst. Sie werden es nicht bereuen - Sie werden es genießen.

Bert Gamerschlag/print
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