Diese Biere muss man kosten

Sandra Strobel hat einen Traumberuf: Als Biersommelier darf sie beruflich Bier trinken. stern.de hat sie verraten, welche Sorten man unbedingt gekostet haben sollte und wo man sie findet.

Sandra Strobel hat als erste Ernährungswissenschaftlerin die Ausbildung zur Biersommelier an der Doemens Akademie absolviert. Sie ist ständiges Jurymitglied beim größten europäischen Bierwetbewerb, dem "European Beer Star" und vergibt gemeinsam mit Kollegen Noten und Medaillen für empfehlenswerte Bierspezialitäten.

Frau Strobel, Ihr Beruf klingt für viele Männer wie ein wahrgewordener Traum: Sie dürfen hauptberuflich Bier trinken. Wie wird man eigentlich Biersommelier?

Die eigentliche Ausbildung dauert rund zwei Wochen, das ist dann in erster Linie als Basiswissen zu sehen. Ein Biersommelier muss aber viel mehr können, als nur ein gutes Bier zu erkennen: Man muss auch den Herstellungsprozess kennen und das passende Bier zur Speise auswählen können. Insgesamt braucht man rund ein Jahr, bis man sich als Bierprofi bezeichnen kann.

In den vergangenen Jahren haben Sie sicherlich eine stolze Zahl an Bieren probiert.

Wie viele genau, kann ich gar nicht sagen, aber ich habe ungefähr hundert verschiedene Kategorien mit mehr als 1000 Sorten gekostet. Darunter waren aber viel mehr Pils und Weizenbiere als beispielsweise Stouts oder belgische Biersorten.

Viele Kunden gehen durch den Supermarkt und sehen immer die gleichen Biersorten. Was raten Sie denjenigen, die ein bisschen mehr Pepp ins Glas bringen wollen?

Das Wichtigste: weg vom Lebensmitteleinzelhandel und hin zum Getränkefachmarkt. Das Brot kauft man ja auch lieber beim Bäcker als beim Discounter. Der Fachmann hat nicht nur die überregionalen Sorten im Angebot, sondern verkauft auch gute lokale Biere. Außerdem sollte man mutig sein und auch mal neue Sorten probieren: Wer sonst nur Pils trinkt, sollte auch mal ein dunkles Bier in den Einkaufskorb legen.

Was macht die Regionalität so besonders?

Deutschland hat eine unglaubliche Geschmacksvielfalt in der Bierszene, leider trinken die meisten Menschen nur Pilsmarken, die sie im Fernsehen sehen. Dabei sollte man seinen Geschmacksknospen auch mal neue Anreize bieten. Um ein richtiger Bierkenner zu werden, muss man auch klassische deutsche Sorten wie Bockbier, Märzen, Export oder ein Schwarzbier probieren.

Nennen Sie mal ein Bier, das jeder deutsche Biertrinker getrunken haben sollte.

Besonders kreativ und innovativ sind beispielsweise Störtebeker im Norden, Riegele, Pyraser oder Schneider Weisse im Süden und Weldebräu im Westen Deutschlands. Da sind jeweils wirklich alle Sorten zu empfehlen, nicht nur das Pils. Die Brauereien machen beispielsweise auch hervorragende Ales, Eisböcke oder Porters, experimentieren also auch mit ausländischen Bierstilen sowie Hopfensorten und brauen sie nach dem deutschen Reinheitsgebot. Die Ergebnisse sind sehr interessant und bieten oft völlig neue Aromaprofile.

Wo können sich Biertrinker außerhalb vom Getränkemarkt mit neuen Sorten versorgen?

Verschiedene Online-Shops bieten auch spezielle Pakete mit ausgefallenen Biersorten, beispielsweise die Gewinner des "European Beer Stars" oder ausgewählte Weißbiere. Die müssen nicht einmal teuer sein, teilweise gibt es Pakete mit sechs guten Bieren schon für acht Euro. Empfehlenswerte Händler sind der Biershop-Bayern oder die Bierzwerge. Dort gibt es exklusive Biere aus allen Ecken der Welt zu kaufen. Doch auch Menschen, die nicht gerne im Internet bestellen, müssen nicht auf gutes Bier verzichten. Fordern Sie die Fachmärkte! Gute Fachhändler bestellen ungewöhnliche Biersorten auf Anfrage.

Was unterscheidet die kleinen von großen Brauereien?

Eine Brauerei, die ihr Bier überregional oder sogar international verkauft, muss immer einen gleichen Geschmack erreichen. Dafür muss das Getränk standardisiert werden, damit bleiben natürlich bestimmte Rezepturkniffe auf der Strecke. Kleinere Brauereien können dagegen mehr experimentieren und auch mal andere Hopfensorten ausprobieren.

Trends werden also von den kleinen Brauereien gesetzt.

Genau, die wirklichen Entwicklungen kommen aus dem Mittelstand und von den kleinen Betrieben. Sie bestimmen, welche Biere angesagt sind. Die Großkonzerne agieren nur im Nachhinein.

Was sind denn derzeit angesagte Biere?

Total in ist gerade das sogenannte India Pale Ale: Das wurde ursprünglich im 19. Jahrhundert in England für die indischen Kolonien gebraut. Da es die lange Seefahrt überstehen musste, hatte es einen besonders hohen Alkoholgehalt. Doch die Soldaten vor Ort verdünnten das Bier nicht, sondern tranken es pur - mit knapp acht Volumenprozent.

Das klingt sehr alkoholisch.

Ja, der Körper des Biers ist sehr wuchtig und voluminös. Aber es gibt eine ausgeklügelte Hopfenmischung aus vier oder fünf Hopfensorten, die nach einem speziellen Verfahren, dem Hopfenstopfen, verarbeitet werden. Damit gelingt es den Brauern, den Hopfengeruch ideal in den Bierkörper einzubinden. Die Sorten haben außerdem einen sehr frischen Geruch nach Grapefruit und Zitrusfrüchten. Das ist ein völlig neues Geschmackserlebnis, dass wir hierzulande noch nicht kennen.

Ist schon abzusehen, was im kommenden Jahr in deutsche Getränkemärkte rollen könnte?

In Amerika sind gerade Sauerbiere stark im Kommen, die im Stil der Berliner Weisse gebraut sind. Allerdings wird dort auf Himbeer- oder Waldmeisterzugaben verzichtet. Ob sich das Bier aber auch hierzulande durchsetzen wird - wer weiß.

Was war das kurioseste Bier, dass Sie je getrunken haben?

Das ungewöhnlichste Bier war ein Wasabi-Bier der dänischen Brauerei Søgaards Bryghus. Es war scharf, grün und hatte fünf Prozent Alkoholanteil. Es hat sehr interessant geschmeckt - regelmäßig trinken würde ich es aber nicht.

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