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Berliner Café-Besitzer platzt der Kragen: Gäste bringen Döner Kebab mit

Im Café "St. Oberholz" arbeitet die kreative Szene Berlins beim Latte Macchiato an ihren Laptops. Das Problem: Viele bestellen keinen Kaffee, sondern bringen ihr eigenes Essen mit. Ignorant, findet der Besitzer, und zieht jetzt Konsequenzen.

Oberholz

Gastronom Ansgar Oberholz hatte keine Lust mehr darauf, dass Gäste in seinem Café mitgebrachtes Essen konsumierten, er zog Konsequenzen.

Ansgar Oberholz ist einer der bekanntesten Gastronomen Berlins. Mit seinem Coworking-Café in Mitte hat er 2005 gewissermaßen das Arbeiten im Café erst bekannt gemacht. Coworking Spaces sind Arbeitsplätze, die sich nicht aus Bürostrukturen, sondern aus der Kaffeehauskultur entwickelt haben. Traditionelle Kaffeehäuser in Wien funktionieren genauso, auch schon bevor es das Internet gab.

Das St. Oberholz besteht aus drei Cafés, zwei davon mit Coworking Spaces. Das Konzept? Gäste können hier arbeiten, wenn sie die Produkte im fairen Ausmaß konsumieren. Das hat bislang eigentlich immer funktioniert. Eigentlich. In einem offenen Brief auf "Netzpiloten" äußert sich Ansgar Oberholz erstaunlich offen, dass dies nicht mehr der Realität entspreche. Für ihn brauche das Coworking in Cafés eine neue Antwort. Was war passiert?

Mitgebrachter Döner Kebab im Café – ein absolutes No-Go

Die Gäste wurden immer dreister: Anstatt es als selbstverständlich zu sehen, dass man in einem Café auch dessen Produkte konsumieren sollte – vor allem, wenn man über einen langen Zeitraum sowohl Strom als auch Internet nutzt – brachten die Coworker ihr eigenes Essen mit und tranken über den Tag hinweg gern mal nur einen Kaffee. Die Gäste fragten nach heißem Wasser für ihre Fünf-Minuten-Terrine, oder aber noch frecher: aßen einen mitgebrachten Döner .

Schuldig fühlten sich die Gäste dabei nicht, schreibt Ansgar Oberholz. Im Gegenteil: "Die Verhaltensweise der Gäste deutet auf ein vermindertes Schuldempfinden und unterdrückte Schamfähigkeit hin. Denn sonst würde man sich eher für sein Verhalten entschuldigen und sich erwischt fühlen, als mit dem Gastronomen auch noch über selbstmitgebrachte Speisen diskutieren."

Dem Café-Besitzer reicht es jetzt, er zieht Konsequenzen. Die Lösung ist simpel: Service. Am Tisch. Der soll "perfekt unaufdringlich" sein und "die Coworker mit ihren Bedürfnissen" abholen, schreibt Oberholz. Die Kostenlos-Kultur habe nicht mehr hinnehmbare Ausmaße angenommen, die Atmosphäre nicht mehr gestimmt. Der Tresen zum Bestellen fürs Essen zum Mitnehmen ist geblieben. An die Tische kommen jetzt aber Kellner mit iPads.

"Im besten Fall erschreckt sich der Gast am Ende seines Arbeitstages über die Rechnung, erfreut sich aber zugleich über den produktiven Tag im Café", schreibt der Gastronom. "Wenn die Qualität des Service und der angebotenen Produkte stimmt, wird sich der Gast daran erinnern und nicht an die Höhe der Rechnung."


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